Das Haus in der Schneekugel

Wenn man drinnen sitzt, die Beine unter dem Tisch und den Rechner darauf und wenn man dann weiß, welche Worte aus den Mündern kommen und was sie bedeuten und was es auch bedeutet, wenn man sich im Vorbeigehen nur mal eben die Hand auf die Schulter legt oder einen Kaffee mitbringt. Wenn man drinnen sitzt und die Geräusche von draußen hört, als wäre draußen einfach nur ein anderes Zimmer dieser Wohnung und das Fenster eigentlich eine Tür, und die Geräusche aus der Küche auch Geräusche von der Straße sein könnten, weil sie genauso weit weg sind. Wenn man drinnen sitzt und rausguckt und die Mimik des Mannes genau betrachten kann, während er wütend in sein Telefon spricht und dabei ohne es zu merken genau vor unserem Fenster stehenbleibt. Wenn man drinnen sitzt und weiß, wie spät es ist und wieviel Zeit schon vergangen ist und wieviel noch bleibt und wie eigentlich genau die Kategorien aussehen, in die man diese Zeit steckt, und was man damit macht. Dann ist es schon ein Unterschied zu draußen, wo sie manchmal erschrecken, wenn sie uns hinter dem Fenster sehen, weil sie mit der Erwartung herumlaufen, die Fensterläden und Jalousien versperrten eh immer den Einblick. Und wenn sie dann doch mal etwas beobachten hinter den Scheiben, erschrecken sie sich und empfinden so ein kurioses Gefühl dabei, dass sie es festhalten wollen und schnell mit dem Handy photographieren. Uns drinnen wie die Tiere im Zoo. Aber wir lächeln und wir legen einen neuen Film ein und was sie morgen betrachten können, erzählen wir ihnen später, wenn sie lieb fragen. Kommen sie doch wieder, kommen sie vorbei, wir sitzen hier zwar nicht nur zum Spaß, aber auch.
Wenn man drinnen sitzt und die Menschen von draußen reinschauen und sehen, wie sich unsere Münder bewegen, aber nicht hören können, was wir sagen, weil die Geräusche draußen draußen ja noch lauter sind (dann doch lauter als wir drinnen), und nicht wissen, dass wir über sie reden, so wie sie über uns nachdenken kurz oder ihrem Nachbarn das Photo zeigen, das sie von uns geschossen haben, wenn sie uns tippen sehen und denken, wir würden arbeiten, während wir in genau diesem Moment aber einen Text schreiben über sie ohne ihr Wissen. Dann ist das wie Bloggen. Oder ein Magazin machen. Innen sitzen und die Bedeutung ist eine ganz andere als der Blick von außen. Man hört ja so selten, was drinnen wirklich geschieht.
