Das Gegenteil von Déjà-vu

Es gibt manchmal diesen Moment, da schaffst du es, jede Erinnerung an die Straße, jedes alltägliche Bild, jede emotionale Verbindung oder Farbe, jedes eingespeicherte Licht zu vergessen und die Autos und Häuser und Menschen und Pflastersteine so zu sehen wie ein Fremder. Dann spiegelt sich die Sonne plötzlich anders in den Scheiben, es riecht so, dass du es wieder bemerkst, die Häuser scheinen sich alle um zwei Zentimeter verschoben zu haben, als wärst du geschrumpft oder gewachsen, als klebten deine Augen auf einmal auf deinem Rücken. Weil alles plötzlich so aussieht, als wäre es das erste Mal.
Ich glaube, wenn du es schaffst, Orte so zu sehen - sei es auch nur für Sekunden -, als wärst du fremd dort, könnte dir das mit einem Menschen auch gelingen. Nach Jahren manchmal noch für einen kurzen Moment zu denken: Huch. Und: Wow.

Kommentare
(und manchmal musst du realisieren, dass ein mensch, den du in- und auswendig zu kennen glaubtest, tatsächlich ein völliger fremder ist. und dann bricht dein herz…)
ich weiss aber, was du meinst und bemühe mich und empfinde das manchmal in besonderen momenten genauso. und dann verstehe ich zB, was meine freunde von anderswo an berlin so aufregend finden… und mir gelingt es, ein kleines stück davon abzukriegen.
Ich stelle mich manchmal auf meinen Schreibtisch und sehe erstaunt mein fremdes Büro an.
Manchmal versuche ich an und in meinem liebsten Menschen etwas neues zu entdecken. Und gebe dann zu, erleichtert zu sein, nichts zu finden, was mir nicht vertraut ist.