c.r.a.z.y.

Es geht ja immer um Beziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern. Manchen ist das Halt, andere zerbrechen daran. Dass diese Konflikte Stoff großer Geschichten sind, beweist der Film C.R.A.Z.Y. auf seine ganz eigene Art und Weise.

Im Quebec der 70er Jahre lebt eine Großfamilie, die Namen der Söhne beginnen mit den Buchstaben, aus denen der Titel des Films besteht. Da ist der Macho-Vater, die rührende Mutter und eben die fünf Söhne. Zachary ist einer von ihnen, Zachary weiß noch nicht genau, wer er ist und wer er sein will. Zachary weiß immer nur, wie und was er nicht sein will: „weibisch“, „eine Schwuchtel“ oder ganz einfach schwul. Das ist das Feindbild seines Vaters. Dieser will Söhne haben, die ganze Männer sind. Er möchte nicht, dass sein Sohn den Kinderwagen mit dem kleinen Bruder darin schiebt. Er will, dass sein Sohn eine Freundin hat und mit dieser bitte auch normalen Sex.
Zachary hechtet diesem Ideal hinterher und scheitert.
Es ist ein Drama allererster Kajüte. Die Söhne entsprechen zwar den gängigen Klischees, aber die Worte des Vaters sind, obwohl schon so oft gehört, so ausgesprochen die Wahrheit vieler Väter. Und die Fluchten der Kinder aus seinem Patriarchat sind die Fluchten vieler. Da haben wir den Sportler, den kleinen Dicken, wir haben den Drogenabhängigen, die Leseratte und den, der sich in der Musik findet. Das mit der Musik ist Zachary.

Zacs Geschichte wird von Anfang an erzählt. Die Kamera wirbelt um seinen kleinen Kopf, als er geboren wird, und fängt seine Frisur ein, als er dann dreißig ist. Dort ist Schluss. Zwanzig Minuten vor Ende merkt man, die Geschichte kommt ins Holpern, überschlägt sich. Die Steigerung ist von Anfang an zu spüren, aber ab einem gewissen Punkt fehlt die Ruhe, die der Geschichte vorher den Faden gegeben hat. Zacharys Gedanken sind nunmehr nur noch, was man von außen auch sehen kann. Die Introspektive geht verloren. Das vielleicht aber auch, weil Zac nach und nach aus sich herauskommt, sich findet, zu sich steht. Er nimmt eine Auszeit, er kommt zurück. Unter dem Arm die Platte für seinen Vater, die er als kleiner Junge mal zerbrochen hat. Ein Sammlerstück, eine limitierte Auflage. Die lässt er auf dem Wohnzimmertisch liegen eines nachts, nachdem sein Vater ihm wieder einmal erklärt hat, dass er ihn so nie akzeptieren kann. Sie finden sich wieder. Und sie schauen sich so an, wie man es vielen wünscht, zwischen denen Welten liegen.

Der Kitsch ist da, die Farben knallen einem gegen die Iris und trotzdem ist die Einfachheit der Worte oft der Blick aus einer anderen Perspektive. Das Hechten nach den Erwartungen der Eltern, der Mut, den es braucht, um sich dabei nicht zu vergessen, die unabdingbare Liebe und das Zurückkehren sind die Themen, die der Film fest in der Hand hält. Wenn man rausgeht, öffnet sich die kleine geballte Faust und alles fällt einem vor die Füße.

Der Film wurde in Kanada mehrfach ausgezeichnet. Außerdem wurde er für den Oscar als „Bester ausländischer Film“ vorgeschlagen. Und Regisseur Jean-Marc Vallée hat sich mit Marc-André Grodin für die Hauptrolle jemanden gesucht, den man wiedersehen will.

Liz hat es verfasst, und zwar am 16. Mai 2006 um genau 10:36 Uhr.
Kategorie : Filme

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