Cornflakes, hello again.
Nach einem Mittwoch an dieser Uni frage ich mich wieder einmal, woher die meisten Studierenden ihr unglaubliches Selbstbewusstsein nehmen, die ganze Zeit von „Wir – die mit Bildung“ und „Die anderen – der ungebildete Rest“ zu sprechen. Ich könnte regelmäßig aufstoßen bei diesem überheblichen Gequatsche, wenn es darum geht, sich selbst von anderen abzugrenzen, sei es z.B. in Bezug auf Massenkultur. Da spricht man dann fröhlich geradeaus von „Also wir, wir sind ja ach so anders und kritisch und politisch korrekt und trallallalla – und die anderen alle nicht“ und tut so, als würde man selbst jeden Tag drei Zeitungen lesen, jede Woche mindestens einmal ins Theater gehen, sich in tausend Vereinen engagieren, nur noch fair kaufen, regelmäßig das komplette Tagesgeschehen aus zehn Perspektiven beleuchten und am Ende die gutmütige Weltherrschaft an sich reißen, die ja für den Rest der Welt auch nur von prima Nutzen sein kann, weil man so was von informiert, klug, unbeeinflussbar, kritisch und unabhängig agiert. Auch beim Cornflakes-Essen.
Ich kann das nicht mehr wörtlich zitieren, aber erinnere mich an die Gänsehaut, die mich überfiel, bei der Implikation dieses „Ich studiere an der Universität, ich bin ja so was von gebildet und der Rest ist dumm wie Brot und liest die Bild und kann mich mal“. Den ganzen Tag drüber reden und quatschen, mit Theorien um sich schmeißen und aber gucken wie ein Auto, wenn es darum geht, den ethnologischen Blick auch mal praktisch anzuwenden und – statt immer nur rumzustehen und dumm zu gucken – auch mal was zu tun. Sich mit den Leuten auseinander zu setzen, über die man die ganze Zeit redet, philosophiert und urteilt, wäre vielleicht ein Anfang.
Liz hat es verfasst, und zwar am 2. Mai 2007 um genau 16:09 Uhr.
Kategorie : Moi
6 Kommentare Kommentar hinzufügen
1. Alexander | 2. Mai 2007 um 16:22
Könnte vielleicht daran liegen, dass Studenten die Fortsetzung von Teenagern mit anderen Mitteln sind? Der feste Glaube, die Weisheit der Welt gepachtet zu haben, aber von den allermeisten in Wirklichkeit nichts verstehen? Mann, hab’ ich mich superschlau gefühlt zu dieser Zeit, besonders in den ersten Semestern…
2. Liz | 2. Mai 2007 um 16:42
@Alexander. Mich nervt vor allem, dass sie sich darüber unterhalten, wie Intellektuelle über die Leute sprechen, die in Massenkultur ihre Hochkultur leben, wie sie kritisieren, dass über Probleme und Nutzerverhalten geurteilt wird ohne wirklich betroffen zu sein bzw. selbst zu nutzen. Und kriegen in diesem Moment nicht mit, dass sie mit solchen Formulierungen, wie da teilweise ständig benutzt werden, keinen Deut besser sind und sich in ihrem Kopf schon so vom Rest der Welt verabschiedet haben, dass ich kotzen könnte.
3. Jocelyn | 2. Mai 2007 um 19:03
Schlimmer finde ich immer noch, dass viele solcher Leute in ihrem späteren Leben auf diese Art und Weise auch noch erfolgreich sind. Es gibt genügend Gleichgesinnte “da draußen”.
So oder so ist man der/die Dumme, weil man ja immer nur “Buh! Buh!” macht und mit nacktem Finger auf die Bildungselite zeigt.
Trotzdem, wie es einmal in der ZEIT stand: “Sagen wir’s so: Sie sind ein guter Mensch.”
4. Liz | 2. Mai 2007 um 21:58
@Jocelyn. Ich zeige ja nicht mit nacktem Finger auf die Bildungselite. Mich nervt es nur, dass sie es sich damit so leicht machen.
5. Martíncho | 3. Mai 2007 um 14:13
Fein auch, dass sich durchschnittlich 2/3 einer Gruppe für Elite halten, Unternehmen in Ihren Announcen nur nach Elite suchen und es dennoch nicht mehr als 10 % sein können. Spitzenleistungen und Spitzenleister kann es nur geben, wenn es auch Mittelmaß gibt. Das vergess ich auch manchmal …
6. Jocelyn | 3. Mai 2007 um 14:51
@Liz: So wollte ich es auch gar nicht gemeint haben.
Alles was ich meinte war, dass sie es sich auch mit der Beurteilung deiner Meinung so leicht machen und sie ganz einfach als bloßes Zetern hinstellen würden.
Nicht alle, aber viel zu viele.
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