Common versus common.

Wieder einmal in der Stadt mit ein bisschen Sonne und ein bisschen Zeit und dann durch Zufall in den Straßen, durch die ich fast 20 Jahre gelaufen bin. Und mit jedem größeren Baum poppt ein Fenster auf, eine Vergleichsgröße, in jedem Winkel steckt irgendein Jahr, ein Tag, manchmal auch nur eine Millisekunde, eine Verwackelung oder ein glasklares Schweigen oder alles zusammen, man kann die Dinge ja selten so trennen, wie sie das mittlerweile mit den Häuserritzen machen. Eine Dame steht mit einem Eimerchen vor der Wand und pult das Moos heraus, irgendwelche Verwachsungen, es gibt wirklich Leute, die kümmern sich um das Moos in den Rillen ihrer Außenfassade.

Ein paar Schritte weiter habe ich Tischtennis gespielt, an der Ecke war immer Wind, im Grunde war das Spiel an sich relativ unmöglich. Die Ecke jedoch war eine fabelhafte, weil man die Schule im Blick hatte und das Zuhause, die Schwimmhalle und den Supermarkt und am Ende sogar noch die Autovermietung. Einen Sommer lang gab es einen Eisladen auf der gegenüber liegenden Straßenseite, später saßen wir mit der Alibi-Gitarre dort. Der kleine Platz ist jetzt ein Neubauklopps mit Spiegelglas, die Autovermietung ist noch da, der Supermarkt auch, nur das Zuhause nicht und auch die Schule haben sie neu gestrichen.

Die alte Garage, früher war es sicherlich einmal die beste Garage in der ganzen Gegend, steht immer noch. Manchmal hab ich früher am Fenster zum Hinterhof gesessen und mit dem Finger durch die Scheibe hindurch die Wände angemalt, mir einen Balkon dran gebaut und Bäume gepflanzt. Der Hinterhof ist das Einzige, was sich nicht verändert hat, nicht die Reihenfolge der Mülltonnen, nicht die Kellertür, nicht das schwere Schloss am Gitter. Aber die Bewohner kleben ihre Restrebellion nun an die Haustür, damit es jeder sieht.

Ich habe hier nicht schwimmen gelernt. Ich hab meistens am Ufer gesessen und den dicken Müttern zugesehen, wie sie hektisch ihre Röcke und Kinder raffen, wobei die Kinder am Ende oft untergegangen und der Saum dann mit. Wir haben den Lack von den Metallstangen des Klettergerüstes gepult und als Ziegel auf die Dächer der Untertanenhäuser neben der Burg gelegt. Meine erste Narbe hab ich mir nur ein paar Meter weiter geholt.

Im Bäcker ist jetzt eine Galerie. In meinem Bäcker stellen sie jetzt Bilder aus. Kleine, bunte Bilder. Die Verkäuferin war immer alt und immer zu klein, um alles entspannt auf die Glastheke zu legen. Um die Tür zum Laden zu öffnen, musste ich mich dagegen werfen, aber ich weiß noch, wie stolz sie war auf ihren Kaffeeautomaten. Den hat sie extra so gestellt, dass jeder ihn sehen konnte, direkt vom Eingang aus. Mit Blumen hat sie ihn dekoriert, obwohl er noch höher war als die Theke. Da hängen jetzt Bilder drin, von Theken will man in solchen Räumen nichts wissen. Es gibt ja Espresso. Aber der Geruch an der Ecke vom Supermarkt, der ist noch immer so, ein bisschen Rasen und ein bisschen Öl von der Autovermietung gegenüber. Wie im Garten meines Großonkels.

Ich bin hier immer noch zuhause.
