
Berlin Tegel. Das Schöne eines Flughafens am Morgen ist, dass man nicht als einzige müde aussieht. Ein alter Mann inspiziert mit einer riesigen Lupe seine Wurstsemmel, die Sonne geht vor dem pastellfarbenen Himmel auf. Das Gepäck ist in einen Plastiksack gestopft und abgegeben, die Nacht war kaum mit Schlaf. Der große, blonde Stuart führt sich auf wie der Ministerpräsident des Terminals, kaum einen hinter sich, aber immer schön wichtig tun. Und die Bedienung am Tresen der Kaffeebar trägt hellblaue, puschelige Wollstrümpfe unter ihren Birkenstocks. Ein Kind wischt mit seinem Pullover den Boden, sie den hässlich gemusterten Plastiktisch.
London Heathrow. Terminal 5. Ein bisschen im Flugzeug geschlafen, aber nicht wirklich. Hier wimmelt es. Und trotzdem gucken alle nur in sich hinein, hören nach innen und Musik, mampfen aus Langeweile Dinge, die in Plastik eingeschweißt sind. In allen Geschäften gibt es dasselbe, nur die Dekoration und das Licht verändern sich von Ladentür zu Ladentür. Und Teppiche auf Flughäfen sind wirklich bezugsgruppengerecht gestaltet: zum Reintreten. Und in der Mitte das oblogatorische Kaffeemarken-Rondell als Zentrum der Macht. Das schrille Piepen kündigt die dunkle Frauenstimme an, die Personen ausruft, die Versäumnisse in petto haben. Die Müdigkeit ist überall, das Denken hat seine Geschwindigkeit verlangsamt, der Körper zieht träge mit. Die Aussicht besteht aus einem Brei, von dem man sich mitreißen und hindurchtreiben lässt. Wenn man wirklich daran denkt, klatscht einem leichte Überforderung an den Hinterkopf. Drüberstreichen, anlehnen. Und der Müllmann wechselt zum vierten Mal in zwei Stunden die Mülltüte im Papierkorb neben uns. Sie war jedes Mal voll.

Hong Kong International Airport. Es ist so leise. Es riecht süßlich. Das Dach ist der Knaller. Und die Aussicht auf eine Bergwand mit Säulen aus Hochhäusern davor, Wohnsilos, ebenso. Die Luft steht. Wir warten. Eine Spontandemo bildet sich, einer wird abgeführt, man war angeblich mit dem Service der Airline nicht zufrieden, irgendetwas wird gemurmelt, Sprechchöre. Und wieder ein hässlicher Teppich. Fresstände mit Essen auf Bildern. Bilder sind unser Leitsystem, den Rest verstehen wir nicht mehr. Wie ein ein vierjähriges Kind, das noch keine Ahnung von Buchstaben hat. Es ist erstaunlich still im Kopf, viele schlafen einfach dort, wo sie sind, sitzen, liegen. Ich bin so müde. Und halte den Highscore in dem Computerspiel mit den Diamanten. Mein Name ist Player.

Taiwan Taoyuan. Das Gepäck ist da, ich schnaufe und grinse. Die Fahrt im schwarzen Bus geht vorbei an Häusern wie Kulissen, Bäumen wie aus dem Regenwald, Täler und einem Eindruck, was einen erwartet. Und man achtet mehr auf das Design, wenn man von Buchstaben keine Ahnung mehr hat. Werbung, Beton und alle haben Gitter vor den Fenstern. Und immer noch einen Balkon oben drauf, noch ein winziges Häuschen auf´s Dach, ein bisschen was geht immer noch.


Taipeh. Das Straßennamensystem nicht durchschauen. Wir halten die Karte falsch, aber die Frau von der Rezeption konnte nicht einmal das Hotel einwandfrei lokalisieren. Kommen Sie her und machen Sie Ihre eigene Lonely Planet Erfahrung: Schauen Sie hilflos mit einem Stadtplan in der Gegend herum und haben Sie sofort einen netten, zuvorkommenden Taiwaner vor sich stehen, der Ihnen helfen möchte. “Sie müssen in den Zoo!” - “In den Zoo?” - “In den Zoo. Aber mindestens vier Stunden.” Wir suchen stattdessen das Wasser, finden es und bekommen sogar unser Zeitgefühl zurück, als uns auffällt, dass die Banken nicht wegen der Mittagspause geschlossen sind sondern wegen des Wochentages. Sonntag. Trotzdem alles voller Mofas, Autos, Fahrräder, Menschen mit und ohne Mundschutz, ordentlich zurechtgemachten, sehr hübschen Mädchen, Wundern und Verwandlung. Andere Touristen erkennt man sofort. Und dass man hier charmante Briefkästen hat. Ich bin so müde, ich brauche Zeit.