Man soll ja vorher keinen Wetterbericht gucken.

Also gucken wir auf die letzten vier Jahre zurück, hoffen, dass das Anbaden auf dem Immergut dieses Jahr wieder funktioniert und freuen uns kollektiv heuschnupfend auf The Notwist, Peter Licht, Ter Haar, die Weakerthans und Get Well Soon.

Liz hat es verfasst, und zwar am 29. Mai 2008 um genau 22:50
Kategorie : Ton | 2 Kommentare

 I want I want

Manchmal muss man sich den Kopf wegpusten lassen und die Augen zumachen, um sie zwischendurch kurz wieder aufzumachen, in flackerndes Stroboskoplicht zu schauen, während man den Boden unter den Füßen verliert, alles tanzt, alles wirft Hände und Füße in die Luft, und macht die Augen wieder zu, das breite Grinsen muss man nicht immer zwingend sehen. Wir sind nur da, um alles abzugeben, abzulegen irgendwohin und nichts mehr wiederzufinden. Um eine Ahnung für den Sommer zu bekommen, das wieder zu schmecken, denn wir wollen doch mehr davon, von laut und Beat und tanzen und Schweiß. Und Stromausfall ist auch egal, wir machen einfach weiter.

Wenn wir dann nachts auf den Brücken dieser Stadt stehen und nichts mehr erkennen, nicht einmal mehr die Umrisse, passt auch “Precipice” von Leander. Das halten wir fest, damit gehen wir ins Bett. So schnell schläft hier niemand ein, noch nicht. Wegen des Lichts am Morgen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 8. Mai 2008 um genau 13:44
Kategorie : Ton | 0 Kommentare

 Wischfinger

So sieht es aus, wenn jemand mit dem Finger im Himmel rumwurschtelt. Und so klingt es, wenn das jemand in meinem Kopf tut.

Liz hat es verfasst, und zwar am 26. März 2008 um genau 13:53
Kategorie : Moi, Ton | 3 Kommentare

 Zwischenmahlzeit

Der Server von Sinnbus wurde gehackt. Bis die Dinge hoffentlich erfolgreich wieder hergestellt sind, gibt es für die Übergangszeit ein paar kleine Schmankerl. Am 17.03.08 spielen SDNMT und am 23.05.08 Audrey im Magnet Club. Außerdem hat die Herzstillstand Band Bodi Bill ein kleines Video zum wunderbaren “WiLLEM” gemacht:

BODi BiLL - WiLLEM

Und auch wenn Sebi aka Petula nicht bei Sinnbus unter Vertrag ist, gehört er doch ein bisschen dazu und spielt am 23. März im nbi. Muss man sich wohl entscheiden oder fliegen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 6. März 2008 um genau 23:05
Kategorie : Ton | 3 Kommentare

 Kurze Pause zum Stimmen.

Sich von einem Konzert ins nächste treiben lassen. Dazwischen ein paar Irre, ein bisschen Berlin, ein bisschen kalte Luft und ein paar finstere Ecken. Und vorher zwischen all den älteren Herrschaften auf den etwas unbequemen Stühlen in der Philharmonie und den alten Mann von hinten sehen, wie er auch in der Körperhaltung schon ein wankt. Und das Licht sich auf seinem Kopf bricht. Aber wenn man die Augen zumacht, verschwimmt das Bild. Und wenn man die Augen wieder aufmacht, aber nicht ganz, wandern die Lampen an der Ecke zu einem guten Bild zusammen. Wir haben gelacht, wir haben uns erinnert. Und ich muss immer daran denken, wie wir Tischtennisbälle ins Schwarzlicht des Kammermusiksaals geworfen haben und es war, als würden Sterne vom Himmel fallen. Und er sang: “Zum Träumen nicht bereit, das muss immer alles schnell weitergehen.

Und die zweite Hälfte als Kontrast zu dem großen hellen Raum, das kleine, dunkle Rosi´s. Nicht so viele Leute, die Konkurrenz und Berlin, die mögen sich ja auch immer. Aber Stimmungen machen sich von sowas ja nicht abhängig und Lars hat eine gute Suppe gekocht und sich beim Singen manchmal auf die Zehenspitzen gestellt. Sie machen das gut, sie spielen sich so ein jetzt, ich war ganz gerührt. Sie passen an ihren Handgelenken zusammen. Ich brauche da keine lauten Schreie, ich brauche nur diese Dynamiken und ein Stadion eigentlich. Da müssen ja nicht viele Leute drin sein, aber ich will mich umdrehen dabei und ganz viele Lichter sehen und ich bin der Meinung, sie brauchen Platz, die haben viel zu geben.

Und wenn bei Leander jemand kommt, um dich in den Arm zu nehmen, dann lässt du ihn einfach. So war das schon immer.

Liz hat es verfasst, und zwar am 18. Januar 2008 um genau 10:46
Kategorie : Ton | 7 Kommentare

 Gefühlsbashing

Das Montagsgespräch über Befindlichkeiten ist ausgefallen. Aufgrund von Befindlichkeiten. Sie wissen ja, wie das ist. Nächste Woche geht aber alles seinen gewohnten Gang. Stehen an diesem Abend dann aber auch noch drei schicke Männer unangemeldet mit einem breiten Grinsen vor der Tür und laufen bis in den vierten Stock, um ihr Konzert am Donnerstag ganz persönlich anzukündigen und die Wohnungsbewohnerin zum neuen Jahr einmal ordentlich in die Luft zu schmeißen, dann wandeln sich diese undefinierbaren Montagsbefindlichkeiten in eindeutig gute Stimmungen um. Leider werde ich am Donnerstag nicht dabei sein können, wenn Leander & Microstern im Rosi´s spielen, denn ich bin bei (”Das wird ganz schlimm für mich, wenn du mich mal verlierst“-) Manfred Krug in der Philharmonie. Das ist aber eh ausverkauft, der Rest ist unerheblich. Also kommt alle brav nach Friedrichshain, das wird sicherlich sehr toll, das hier ist eine ausgeprochen dick unterstrichene Empfehlung. Ich komm auch noch nach, wenn Manfred früh Schluss macht.

Zur Einstimmung kann man noch einen kleinen Film über die neue Delbo-Platte angucken. Hat auch was mit Befindlichkeiten zu tun. Wenn schon, denn schon.

Liz hat es verfasst, und zwar am 14. Januar 2008 um genau 22:38
Kategorie : Filme, Ton | 0 Kommentare

 (3) Da sein - mit Lars und Lisa

Das montägliche Kurzgespräch muss heute aufgrund von vorweihnachtlichem Zeitmangel ausfallen. Dafür gibt es frisch und munter ein Coverstück von Lars und mir passend zum Titel und ein bisschen melancholisch. Dabei sein ist alles. Nächsten Montag wird sich aber wieder brav unterhalten. In echt, Farbe und Heimeligkeit geht es dann ums “Leise sein” mit Julius.

Liz hat es verfasst, und zwar am 10. Dezember 2007 um genau 10:13
Kategorie : Sein, Ton | 3 Kommentare

 “Berlin is always the new Berlin”

Die Stadt hatte sich zurechtgemacht gestern. Im Haus des Rundfunks standen sich Schalträger mit funkelnden Ringen die Beine in den Bauch, sie trugen ihre Gläser mit Sekt herum und durften sie nicht mit in den Sendesaal nehmen. Und dann saßen sie in Reihe und ein bisschen hibbelig herum, bis Rufus Wainwright in grünem Neon-Glitzer-Tamtam-Anzug mit seiner Band in ähnlich waghalsigen Outfits die Bühne betrat. Er legte los von Anfang an, die angeschrägten Sitzreihen brauchten ein bisschen um warm zu werden, der Lichtmann musste sich einfitzeln, aber dann lief der Schweiß und die Gänsehaut.

Pompöses Entertainment, eine Stimme, die bis an die Decke reicht, und das Gefühl, nicht in dieser Zeit zu leben, sondern irgendwo anders irgendwann. Natürlich wurde sich umgezogen und nach dem Anzug, der im Dunkeln leuchtete, wurde die Lederhose ausgepackt und ich fragte mich, ob schon jemals zuvor, jemand in Lederhosen mit Glitzerkettchen zwei Songs von Judy Garland begleitet vom Flügel und mit soviel Inbrunst gesungen hat.

Berlin fühlte sich wohl unter seinen ständigen Komplimenten. Und natürlich rastete das Publikum aus bei dem Song, den man in Málaga sehr geliebt, aber in Madrid gehasst haben soll. Berlin findet das alles gut und gibt die Komplimente tosend zurück. Unterstreicht die süße Selbstbeweihräucherung des Protagonisten, der nach den Lederhosen erst im Bademantel ein paar Songs spielt, um dann auf Highheels zu performen und sich von seiner Band tänzerisch umgarnen zu lassen.

Die Palette an Gefühlszuständen durch, manchmal vielleicht ein bisschen verloren, weil die Stimme ja doch sehr markant ist und die Lieder hin und wieder sehr ähnlich klingen, aber weggehauen von der Professionalität, Selbstironie und dem Charme von Rufus Wainwright verlassen wir im Nieselregen das große mit grinsenden Gästen gefüllte Foyer. Die Ohren sausen vom Applaus, Berlin ist immer noch das novembrige Berlin, dem es nie schnell genug gehen kann. Wir fahren langsam durch die Nacht, das Radio bleibt aus.

“Do I disapoint you in just being human and not one of the elements you can light your cigar on?”

(Rufus Wainwright)

Liz hat es verfasst, und zwar am 1. Dezember 2007 um genau 12:55
Kategorie : Ton | 3 Kommentare

 Not a word, not a word.

Ich brauche nichts über technische Voraussetzungen zu sagen, nichts über zu wenig Luft oder Zweitstimmen, ich werde keine objektiven Reden schwingen. Vielleicht reicht es, die Platte zu hören, die seit heute draußen ist (und zu der es gestern die Record Release Patry gab), einen wunderschönen Titel trägt und für die es so lange Zeit und so lange Geschichten und diese paar Menschen mit all den Jahren gebracht hat. Ich brauche nicht zu sagen, in welchen Straßenbahnlinien welche Lieder von “It tends to flow from high to low” am besten sind. Und eigentlich auch nicht, dass die großen, euphorischen Jubelschreie auf Konzerten irgendwie nicht dazu passen. Aber ich sehe, dass man stolz ist, sich überwunden zu haben. Und das darf man verdammt nochmal auch. Dass I Might Be Wrong jetzt da auf der Bühne stehen, zusammengewürfelt und raufgebaut, mag für den einen, der nicht weiß, woher die kleinen Gesten und Unsicherheiten rühren, eine nette Geschichte sein, sehr poppig für Sinnbus, mit hübschen Mädchen und talentierten Jungs, keine Verbalunterhaltung, aber textsicher und mit Überraschungen.

Für die anderen, die die vielleicht am Rand stehen und denen der Blick wegknickt, die die keine unbekannten Gesichter da vor sich haben, die sie noch von vor Jahren kennen und wissen, wie welche Stirn damals noch aussah, wie welches Haar und dass es die Umwege vielleicht auch brauchte, für die ist das noch ein Gefühl von früher. Die Stimmung von Kornfeldern und Steinbrüchen in entfernteren Wäldern vielleicht, die leisen Wünsche am Morgen in der Scheune oder auch nur der Bezirk, in dem fast niemand mehr ist mittlerweile. Aber dort hat alles angefangen. Dort hört es aber nicht auf. Der rote Salon war gestern Retrospektive in eine Zeit, die so lange noch gar nicht vorbei ist, aber irgendwie trotzdem sehr weit weg. Wenn Musik das wieder ranholen kann, ist das gut. Und auch, dass sie Geheimnisse hat.

“I could write a book about your life. You could never write a word about my life.”
(I Might Be Wrong)

Liz hat es verfasst, und zwar am 23. November 2007 um genau 19:06
Kategorie : Ton | 1 Kommentare

 Heima

Kleine Lichter leuchteten an den Rängen, vier Männer auf der Bühne im Admiralspalast. Vorher ein Gewusel aus bekannten Gesichtern der Berliner Nächte, ein paar aus der Uni, ein paar unbekannte, aber doch alle aus derselben Schublade, hier und da ältere Herrschaften, ansonsten Indievolk mit roten Wangen und kalten Händen. Nach einer schrecklichen Ansage eines mir unbekannten Menschen mit Mikrofon saßen sie dann auf der Bühne, vier Männer, und alles wurde still. Sigúr Ros präsentierten ihren Film “Heima”, der ihre letzten Konzerte in Island dokumentiert, die sie 2006 nach ihrer Welttournee gegeben haben.

Selbst ein Husten, das sich in die Töne mischt, klingt nach einer Entschuldigung. Alle atmen so leise wie möglich, Augen leuchten im Gegenlicht, Hände suchen einander und der, der allein ist, schließt die Augen oder zumindest das, was dahinter ist. Drei Livestücke spielen sie, dann beginnt der Film, der gestochen scharfe Bilder auf die Leinwand und sehnsüchtige Mimik in die Gesichter der Zuschauer wirfst. Hast du jemand soviele rote Drachen an einem blauen Himmel gesehen? Jeder Ort der zweiwöchigen Tour bekam ein Lied im Film, irgendwo auf den weiten Flächen der Insel, in einer still gelegten Fabrik oder einem winzigen Haus, wo ihnen alte Frauen mit ihren klirrenden Kaffeetassen zuhören. Und dazwischen - man sieht, außerordentlich spendabel subventioniert - Gesichter des Landes eingestreut, Charaktere, Eindrücke und Farbverläufe.

Wirst du nächstes Mal die Augen öffnen, wenn du auf einer Wiese liegst? Und wirst du dich erinnern an die Halme und die ausgedünnten und trotzdem satten Farben? Struktur liegt dem zugrunde, obwohl es auf den ersten Ton und auf den ersten Blick nicht zu schaffen scheint, man verliert sich ja doch und mittendrin glaube ich, es gibt nichts besseres, als von einem Konzert in einem Raum von Menschen ganz weit weg zu kommen. Raus. Und dass es nichts größeres gibt, als wenn es jemand schafft, die Flecken sichtbar zu machen, Schattierungen und dünnen Oberflächen. Man braucht sie nicht zu berühren, es tut schon weh, wenn man weiß, wo sie sind. Und Sigur Rós haben hier ein Bild von sich vorgestellt, das unsicher, aber in dieser Unsicherheit unglaublich souverän ist. Eine Selbstinszenierung, die ein Schauspiel ist, weil wir uns soetwas nicht vorstellen können, weil wir sowas hier nicht haben. Nicht soviel schroffen Platz, der bespielt oder einfach nur in Ruhe gelassen werden kann.

Der Film zeigt Landschaften, Nahbilder, Menschen und Musik. Der Film scheint ein bisschen in jeden hineinzuschauen, der da gestern gebannt nach vorne starrte. Abgründe, Tiefen, Sehnsüchte und Ängste, woher kommt diese Falte und hast du mich wirklich angesehen, alle kleinen Verletzungen, die man so mit sich trägt und die irgendwann dazu gehören in grün und blau, in Stein und Haut, wirre Haare wie Gras und Meer wie die Stimmen ineinander, wenn man nicht mehr weiß, wer was genau gesagt hat. Nach Hause kommen und trotzdem weit weg sein. In der Ferne wissen, dass man daheim ist. Und sich jeden Tag wieder auf eine Bühne stellen und versuchen, ehrlich zu sein. Das machen, was man können muss, weil es einem alles bedeutet. Das machen, bei dem es nicht darauf ankommt, wieviele zuhören, weil man gar nicht anders kann. Das tun, bei dem man immer irgendwie allein sein wird. Niemand hört das so wie du. Niemand sieht dich wirklich. “Heima” ist eine Ode an das Innere, an die Wortlosigkeit. Am Ende gingen alle raus in die Nacht, die Bahnen fuhren wie immer, aber wir sprachen leise. Mit roten Wangen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 22. Oktober 2007 um genau 9:44
Kategorie : Ton | 8 Kommentare


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