Bagdad 2004

Sie sollten dieses Stück Geschichte mal in den Staaten laufen lassen, in den Ausbildungskasernen und im letzten Jahr der High School. Sie sollten diesen Film an Sonntagen in der Kirche an die Wand werfen, die Schocksekunden im Anschlag. Mir blieb der Mund offen stehen, die Glieder wurden starr, Bewegung war kaum möglich. Mein Blick auf den Fernseher geklebt, immer wieder Gänsehaut und unter einem Wasserfall aus Wut, Ekel, Schock und Gewohnheit.

Der eine Soldat sagt, er wünsche sich, dass seine Kinder nicht so dumm werden wie er, als es sein größter Wunsch war zur Army zu gehen.

Ich habe hier mal was über den Arlington Friedhof in Washington geschrieben. Jemand kommentiert das. Ich fänd es schön, wenn sich dazu noch ein paar Stimmen sammeln, denn bei diesen zwei Kommentaren blieben mir die Worte in den Fingern stecken irgendwie.

Liz hat es verfasst, und zwar am 15. März 2006 um genau 13:32
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 “Wir lachen, lernen und laufen”

Seite 15 des Feuilletons der SZ zieren heute halbseitig zwölf Mädchen in BH. Die Kandidatinnen von Germany´s Next Top Model wurden in Form gezupft und in Unterwäsche vor eine Hochhauskulisse gelegt. Darüber steht in großen Lettern die Frage: „Sind WIR zu dünn?“.

Keine Ahnung, man sieht ja nix außer Haaren und Brüsten. Die Damen mit weniger Oberweite wurden nach hinten gestellt, damit das mal schön üppig aus dem Bild hoppst und keine Omi weint, weil Cindy ihre Kekse nicht mehr anrührt. Cindy aber schaut jede Folge von Germany´s Next Top Model und tauscht sich über´s Telefon mit ihren Freundinnen aus, welches der minderjährigen Mädchen denn heute wieder scheiße aussah oder vielleicht ein bisschen zugelegt hat. Und weil das nicht reicht, meldet sich Cindy auch noch im Internetforum zur Serie an und diskutiert, was das Zeug hält. Natürlich auch über die Geschichten der letzten Tage. Da sagten Politiker, diese Sendung sei verantwortungslos, andere äußerten sich in derselben Richtung. Aber das kann Cindy nicht auf sich sitzen lassen, denn Cindy schaut diese Sendung ja gern. Das ist ihr Traum, der da gezeigt wird.

Und sie wäre gerne eines von den Mädchen, die jetzt einen Brief getippt haben, damit die Medien mal aufhören zu meckern und lieber schöne Bilder machen, denn was soll daran so schlimm sein, „wenn wir an unserem Traum arbeiten? Das verstehen wir nicht“. In dem Brief, der die untere Hälfte der Zeitungsseite einnimmt, steht auch: „Natürlich sprechen die Coaches unsere Schwächen an, kritisieren uns. Die harten Regeln für die Modewelt haben sie nicht aufgestellt“, aber trotzdem projizieren sie diese auf Schulmädchen, die naiv und mit durchgestrecktem Kreuz reihenweise in die Castings marschieren, sich halbnackt vor Camcordern räkeln und ihnen der Ausdruck erst einmal noch ins Gesicht geschminkt werden muss. „Um es klar zu sagen: Bei den Dreharbeiten muss niemand hungern. Im Gegenteil: Die Buffets sind superlecker“. Da kann man den Übergewichtigen, die zu Hause vor dem Fernseher sitzen, schön etwas vormampfen, denn die Anlagen hat man von Mutti, die Muskeln von Vati und zugenommen hat man eh eigentlich noch wirklich stark. Die Maßstäbe macht also die Zielgruppe. Man darf so dünn sein, denn das verlangt die Modewelt und wir sind alle so erwachsen, nehmen das an und Heidi ist sowieso die neue Mami der Nation. „Ich finde es auch schrecklich, wenn Mädels so ausgehungert aussehen und darauf achtet Heidi auch“, schreibt Tanz-Girl im Forum zur Sendung, „P.S. Ich habe selbst eine tolle, sexy Figur und kann essen, was ich will. (…) Bleib dir treu und verstelle dich nicht für andere“.

Geht ja auch nicht, wenn man noch nicht weiß, wer man ist und wo man hingehört. Modelliert wird im Fernsehen. Die da muss so laufen, die andere sollte nicht so stehen und überhaupt lach doch mal. Wandlungsfähig muss man sein, nicht zu ausdrucksstark, sonst hält die Maske nicht. Lange Haare sind gut, Möpse auch, ein bisschen Popo, aber nicht zuviel Hüfte. Scott07 meint außerdem: „Schöne Haut und gesunde Zähne sind selbstverständlich“. Und die Mädchen vor den Computern zu Hause battlen sich im Forum mit ihren Maßen. Aber verbiegen lassen? Wir doch nicht.

„Auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen: Wir haben eine geile Zeit. Das soll jeder wissen. Und bitte auch respektieren“ schreiben die Finalistinnen ans Ende ihres Briefes, unter dem sie dann alle auch brav mit bunten Stiften und in Kringelschrift unterschrieben haben. Es heißt ja immer, Disziplin sei die erste Eigenschaft, die man braucht, um im Modelgeschäft zu überleben. Ein eigener Kopf ist ja anstrengend. Ob dieser Brief jetzt disziplinierte Umsetzung dessen ist, was den Mädchen in einer Pause in strengem Tone gesagt wurde, oder ein Statement, in dem sich die Betroffenen wehren, bleibt fraglich. Hauptsache ist doch, dass Cindy neuerdings sogar zwei Stunden anstatt nur einer auf nackte Mädchenkörper starren darf und wenigstens für diese Zeit beschäftigt ist.

(Fotos von Pro7.de)

Liz hat es verfasst, und zwar am 8. Februar 2006 um genau 12:15
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