Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Thema: Filme

Say it and mean it.

“You know that place between sleep and awake? That place where you still remember dreaming? … That’s where I’ll always love you, Peter Pan. That’s where I’ll be waiting.”

(Tinkerbell, in “Hook”, 1991)

Geodäsie am lebenden Objekt.

(Video (c) “You and Me and Everyone we know” by Miranda July)

Sich selbst ein Ort sein. Das lernt man nicht von gestern auf heute. Und auf morgen vielleicht auch noch nicht. Die Sache mit dem Aushalten und dem inneren Juchzen, das nicht gehört werden muss und dennoch genügt. Das große Fressen, das Menschen hin und wieder miteinander veranstalten, und hier und da einen Finger mitgehen lassen, eine Hand, einen Arm, und mit dem Arm vielleicht ein Stück Herz. Solche Geschichten enden immer mit Resten, es ist selten so, dass du dir den vollgefressenen Bauch streichelst, während du den Abwasch machst, und alles sofort in Ordnung bringst. Das Stehenlassen der Dinge über Nacht, das muss man lernen. Und dass man nachts aufwacht und jeder Zentimeter um einen herum kühler ist als man selbst. In mehreren Orten gleichzeitig zu sein, an einem gewissen Platz nicht mehr stattzufinden, dich manchmal unsichtbar zu machen, das begreifst du nicht am ersten Tag. Am zweiten auch nicht. Aber vielleicht am sechzehnten. Vielleicht hast du ein paar Jahre lang nicht richtig in den Spiegel geschaut und es fällt dir erst auf, wenn er einen Sprung hat genau dort, wo deine Narbe sonst ist.

“Du fühlst dich an wie Abschied.”

Man kann nicht einfach umziehen. Man muss aussortieren, polieren, ummelden, Tschüß sagen, nochmal rumlaufen, verschenken, entwurzeln, erinnern, kündigen, winken, einatmen und nicht wieder aus, ignorieren, dalassen, den Countdown vergessen, sich freuen und traurig sein, man muss das Hallen im leeren Zimmer ignorieren, Adressen aufschreiben, Dinge in den Hof stellen, umarmen und auswählen, wen man noch sehen will in den letzten Sekunden und Stunden, bevor der Ausblick jeden Morgen ein anderer ist. Man muss die Stadt bedacht in fremde Hände geben.

Aus dem Müll deiner Nachbarn, die so laut sind nebenan, strickst du dir eine Geschichte und erzählst sie irgendwann. Doch wer erzählt deine? Wer erzählt deine?” (ClickClickDecker)

Never fuck the company?

Mein neues Faible: Filmchen mit Liebe am Arbeitsplatz drin. Vielleicht drehen wir im Büro ja auch bald einen. So mit “Liebe deinen Nächsten” und Sitznachbar und so. Ich bin ja eh für mehr Liebe für alle. Und wenn alle soviel arbeiten, dann eben dort. Aber: Sonne macht auch glücklich. Ein bisschen zumindest.

Mehr tolle Filmkleinode gibt’s bei Future Shorts.

Post-It Love
Music: Masaki Kurihara, Kuricorder Orchestra
Editing: Sam Rice Edwards
Cast: Charity Wakefield, Lee Ingleby
DoP: Carl Neilsson
Producers: Elizabeth Gower, Lucy Gossage

(M)ein Herz für Blogs

Herr Stylespion hat zur allgemeinen Empfehlung aufgerufen. Mach ich doch gern und deswegen hier zehn Highlights meiner Blog-Lektüre:

Montt Blog: Claudius Prösser ist vor einiger Zeit mit seiner Familie nach Chile gezogen und beschreibt seinen Alltag. Mit tollen Bildern und dem nötigen Ernst.

Frau Liebe: Jessica näht und arbeitet in einem Kindergarten und hat ein unglaubliches Talent, Details zu entdecken. Die, auf die es manchmal eben ankommt.

ruhepuls: Maike wirft Schnipsel in den Raum, die einem manchmal zum lauten Lachen, manchmal aber auch beinahe zum Weinen bringen.

Six Percent Recall: Lars und Nadja und ihre Anekdoten. Köstlich.

Gut wie Gold: Leipziger Musikgeschwader. Gerade sind zwei davon in Amerika unterwegs und berichten von ihrer Tour durch die Musikszene der Staaten.

Happy Schnitzel: Sue hat mein Münchenbild drastisch verändert. Und Sneakergirls halten zusammen.

Flannel Apparel: Schöne Schläue. Oder einfach auch nur: Yes, Lady.

Ich seh das so: Caro und ihre Kamera betrachten die Welt. Ganz unaufgeregt und momentan noch aus New York.

ktinka: Mein Lieblingsschwedenaddcitedgirl. Mit gutem Gespür für Bild und Musik.

Stephane Leonard erzählt momentan von seiner Reise durch Osteuropa. Und immer von Kunst.

Nach Tagen oder Wochen

Das Ortsschild passieren, etwas wiedererkennen, den Müll im Fußraum schon einmal zusammenschieben, sich im Rückspiegel kurz anschauen und nicht mehr an der Tanke halten. Die Fortschritte der Baustelle erkennen, manchmal einen Nachbar auf der Straße, der gerade vom Einkaufen kommt. Und dann dreht man den Schlüssel im Schloss um und es riecht seltsam und noch fremd, erst ins Bad, dann durch die Zimmer mit dem Blick in den Hof und einmal kurz lüften und auf den Balkon treten und dann schnell wieder reingehen und noch keine Musik anmachen sondern sich einfach kurz auf’s Bett legen und die Decke anschauen, um sich dann aufzusetzen und die Taschen noch nicht auszuräumen, um dann einen Kaffee zu machen und die kalten Füße zu bemerken und den Wäschehaufen und das Rattern der Listenpunkte und was man davon zuerst und was erst später machen sollte und könnte und müsste - und denken, dass eigentlich immer eine Stunde Pause sein sollte zwischen dem Moment, in dem man die Tür aufschließt und dem Moment, wo man wieder zuhause ist, eine Stunde Beatmungszeit, in der man sich wieder aklimatisieren, einspielen und langsam in den gewohnten Modus fahren kann, eine Stunde Stillstand, in dem die Wolken anhalten und man den Kopf auf die Tischplatte legt, um zu horchen, ob alles ist wie vorher. Um Veränderungen bemerken zu dürfen und sich an den veränderten Takt zu gewöhnen, die Füße flach auf den Boden zu stellen und wieder hier zu sein, weiterzumachen. Und sich nicht darüber zu ärgern, dass man das Tempo so schnell verlernt, denn das ist ja der Sinn des Meerblicks, das muss ja so sein. Das ist ja der Grund.

Ein Film über Lotta

Martina hat nicht nur einen Kalender gemacht, sondern ihren schon etwas älteren Animationsfilm “Lotta und der Zauber in der Nacht” noch einmal überarbeitet. Dieser liegt als DVD auch dem gleichnamigen Buch bei, das im November bei luxbooks erschienen ist. Die Musik zum Film kommt von Nils Frahm.

Gefühlsbashing

Das Montagsgespräch über Befindlichkeiten ist ausgefallen. Aufgrund von Befindlichkeiten. Sie wissen ja, wie das ist. Nächste Woche geht aber alles seinen gewohnten Gang. Stehen an diesem Abend dann aber auch noch drei schicke Männer unangemeldet mit einem breiten Grinsen vor der Tür und laufen bis in den vierten Stock, um ihr Konzert am Donnerstag ganz persönlich anzukündigen und die Wohnungsbewohnerin zum neuen Jahr einmal ordentlich in die Luft zu schmeißen, dann wandeln sich diese undefinierbaren Montagsbefindlichkeiten in eindeutig gute Stimmungen um. Leider werde ich am Donnerstag nicht dabei sein können, wenn Leander & Microstern im Rosi´s spielen, denn ich bin bei (”Das wird ganz schlimm für mich, wenn du mich mal verlierst“-) Manfred Krug in der Philharmonie. Das ist aber eh ausverkauft, der Rest ist unerheblich. Also kommt alle brav nach Friedrichshain, das wird sicherlich sehr toll, das hier ist eine ausgeprochen dick unterstrichene Empfehlung. Ich komm auch noch nach, wenn Manfred früh Schluss macht.

Zur Einstimmung kann man noch einen kleinen Film über die neue Delbo-Platte angucken. Hat auch was mit Befindlichkeiten zu tun. Wenn schon, denn schon.

Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schornsteinfeger ist es nicht.

Hier gibt es die Termine für den Film mit der schönsten Kapuze der Welt. Und dem schönsten schneebedeckten Feld. Und sehr guter Filmmusik. Und einer wunderschönen Eule.

Full Metal Village

(Bild: filmstart.biz)


Ich meine, sie hat einen guten Blick. Cho Sung-hyung. Unaufgeregt und klar ist ihre Perspektive auf die Bewohner des Dorfes Wacken in Schleswig-Holstein, in dem jährlich das Wacken Open Air Festival stattfindet. Ein Metal Festival. 2006 kam der Film ins Kino, und während ich hier fleißig Wadenwickel wickle, Tablettenschachteln sortiere, Tee einflöße und Wärmflaschen auffülle, habe ich mein Kino eben im November 2007 nachgeholt. Zuhause.

Wacken ist eigentlich auch unaufgeregt. Die Älteren haben sich abgefunden, leben verheiratet oder verwitwet. Resigniert oder aufrecht. Die meisten etwas wehmütig. Und der, dem die Felder gehören, findet sich selbst ziemlich gut. Er steht nach dem Essen auf, auch wenn seine Frau noch nicht fertig ist. Sie beschwert sich leise, lächelt für die Kamera. Er legt sich auf´s Sofa und schläft. Nach dem Festival fährt er mit seinem kleinen Mobil über die Wiesen, wo die Jugendlichen den Müll einsammeln. Er schaut auf seinen Besitz und gibt Anweisungen, fährt kleine Kurven.

Dann gibt es das Mädchen, das mit seiner Freundin in einem kleinen Fitnessraum trainiert. Diättipps kleben sie mit Klebeband an die Wände, sie machen Gymnastik auf zwei Isomatten zu einer Anleitung aus dem Radio. Für den Nationalsozialismus interessiert sie sich, weil ihre Oma von der Flucht erzählt hat damals, da kauft sie sich auch mal Lektüre zu. Mit ihrer Freundin bewirbt sie sich bei einer Modellagentur. Und auf´s Wacken geht sie, weil man so schnell Leute kennenlernt dort. Dass diese vom Satan besessen sind, wie ihre Oma glaubt, denkt sie nicht. Ihre Oma hat auch eine Freundin. Mit der macht sie aber nicht Gymnastik, sondern isst Kuchen und singt im Chor. Da sieht sie dann wieder ein bisschen jung aus, wenn sie singt von Rollschuhen und im regionalen Akzent.

Der Kuhbauer holt seine Frau vor die Kamera, das habe sie sich schon lange gewünscht. Sie stehen nebeneinander, er gibt ihr einen Kuss. Und ganz ruhig zieht er an der Zigarette im Kuhstall, während die kleine Katze aus der Milchkanne trinkt. Aber man stellt doch schon Stühle vor die Häuser, denn bald geht es los. Und alle machen mit. Als Ordner, Platzanweiser oder am Ausschank. Es gibt eine Einweisung vom Wachtmeister aus dem Nachbarort. Manche fahren weg, die Kinder bleiben da.

Und natürlich sind alle aufgeregt, als die meist schwarz gekleideten, oft langhaarigen Fans kommen, aber das ist zu erwarten, das kennt man. Jugendkultur mit Symbolen und Praxen, der Bruch ist ganz nett, als die Wackener Feuerwehr zur Festivaleröffnung mit dem Orchester auffährt. Die Metalheads finden das gut, die Einwohner auch. Man schunkelt zusammen. Und dann gibt es die typischen Bilder vom Festival, Regen, Schlamm, headbangen. Interessant ist jedoch, wie sich dieses Dorf nicht aus der Ruhe bringen lässt, nicht vom Weg ab. Es verändert nichts in deren Leben, alles geht weiter wie vorher, man nimmt es so hin. Und morgen wieder Ernte und Mittagessen.