Gender Bender
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Liz hat es verfasst, und zwar am 20. Oktober 2006 um genau 20:07
Kategorie : Fragen | 19 Kommentare
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Liz hat es verfasst, und zwar am 20. Oktober 2006 um genau 20:07
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Schmetterlingsreisen hatte geladen. Das letzte Wiesn-Wochenende inklusive Karohemd und Bierkrughut. Für alle ledigen und verheirateten Männer zum Sondertarif. Im Preis ebenso inbegriffen: Logopädische Übungen (”Launige Lümmel lallen lustiger“) und motorische Anweisungen (”Hand an den Krug, Bein auf die Bank, Bauch auf den Tisch“). Die, die nicht per Reisebus anreisten, hatten ihre Gewinne vom letzten Jahr an den Rückspiegeln baumeln. Kleines, orangefarbenes Gewürm taumelte vor gierigen Sabbermündern, neben denen entweder genervt dreinschauende Mitvierzigerweibchen saßen oder kreischendes Dirndlchen aufgeregt flatterte.
Meine drei Bodyguards schlugen mit ihren bierkruggroßen Fäusten eine Schneise in die Menschenmasse, damit ich mich ungehindert fortbewegen konnte. Als Motivation hatte ich zehntausend Hostessen in extra knappem Kleidchen bestellt, Kotztüten und Bierkanülen hielten diese versteckt, aber jederzeit startbereit. Auch testeten die Herren das Fahrgerät auf Nebenwirkungen sowie jegliches Getränk auf Genießbarkeit. Kollektiv blinzelten wir in die grellen Lichter, verklebten uns die Gaumen mit allerlei Mandelklebkandierungsgedöns und spülten ordentlich nach. Gehen Sie auch mal, achten Sie nicht auf die Männer, die nicht einmal zu Kindern sondern zu Tieren werden. Achten Sie nicht auf die dämlichen Kopfbedeckungen in allen Größen, auf die verrutschten Strümpfe und die entgleisten Gesichtszüge. Ignorieren Sie die schlauen Sprüche von allen Seiten und drehen Sie an den Amplituden des Gesangs mit Hilfe ihres Verstandes. Lassen Sie sich nicht beeindrucken von den Heldentaten aka Hammerhauen und Free Fall. Und kaufen Sie eine Fliegenklatsche, Sie werden sie brauchen.
Es hatte sich zurückgegelt, was nur zurückzugelen ging. Den Kragen hoch (das muss da unten so, habe ich gelernt), die Schuhe geschrubbt und eins zwei drei tüff tüff den Selbstbräuner aufgesprüht. Hier tummelte sich, was weiß, wie Körpertuning geht. Die Männer nicht unter zwanzig, die Mädchen nicht drüber, dafür aber alles Models aka OC California. Und wir haben wieder was gelernt:
Regel Nr 1) Sehen Sie keinem Mann länger als zwei Sekunden in die Augen. Sonst ist dies eine Einladung zu Körperkontakt.
Nr 2) Sehen Sie auch keinem Mann nur einen Tick länger als zwei Sekunden auch nur irgendwoanders hin. Außer Sie wollen Körperkontakt.
Nr 3) Bewegen Sie sich nicht. Es sei denn, Sie wollen sofortigen Körperkontakt.
Nr 4) Stehen Sie nicht am Gang. Dies gilt als Einladung zu Körperkontakt.
Nr 5) Setzen Sie sich nicht. Dies gilt als Einladung zu Körperkontakt.
Nr 6) Tritt Ihnen jemand auf den Fuß, ignorieren Sie ihn. Sonst ist dies eine Einladung zu Körperkontakt.
Nr 7) Gehen Sie niemals mit Single-Männern dahin. Denn diese werden dort einziehen wollen.
Nr 8) Eigentlich ist es egal, welche Haarfarbe Sie als Frau haben. Trotzdem sind irgendwie alle blond und langhaarig. So sollten Sie also auch herumlaufen, wenn Sie nicht auffallen wollen.
Nr 9) Tragen Sie Ihre Chucks wie High Heels von Manolo Blahnik. Das Publikum wird es Ihnen glauben. Denn es hat noch nie Chucks gesehen.
Nr 10) Im Club telefonieren ist total hip.
Nr 11) Atmen Sie auf. Sie werden nie dazu gehören. Deswegen können Sie sich dort auch so köstlich amüsieren. Für unsereiner wird es im Gegensatz zu den Stammgästen nie langweilig sein, an der Bar zu stehen und einfach nur zu gucken. Sehen Sie das als Privileg.
Nr 12) Schämen Sie sich zur Wiesnzeit nicht, wenn Ihnen jemand einen Heliumballon in Form weiblicher Körperteile oder Alkoholika schenkt. Es ist nur nett gemeint. Form und Farbe spielt keine Rolle mehr nach 10 Uhr morgens.
Ich mache sowas ja sonst nicht. Aber Abenteuer sind gut für den Lebenslauf und das Selbstwertgefühl. Wieder was geschafft, gell? Wieder überlebt, nich? Nach soviel Anstrengung bezüglich Abgrenzung und Überlebenstraining sind die Muckis im Kopp wieder gestählt und wir können uns beruhigt in das Berlin zurückziehen, in dem einen zum Glück jeder in Ruhe lässt.
Davor aber nochmal alle zusammen: “I´m a survivor, I´m not gonna give up, I´m not gonna stop, I´m gonna work harder…“
(Das hab ich übrigens auch im P1 gelernt…)
Liz hat es verfasst, und zwar am 3. Oktober 2006 um genau 2:34
Kategorie : Fragen | 17 Kommentare
Nach einem halben Jahr Knochenarbeit und kreativer Vollauslastung ist jetzt das Wochenende kollektiver Endfeierei gekommen. Ich fahre zur Wies´n. Der Schweizer und ich wagen uns auf das Oktoberfest, angeführt vom heimatkundigen Chef des süffisanten Kicherns. Jedoch nicht ohne Vorbereitung. Die Kontakte nach München reichen von familiärer Leitung bis hin zu entfernten Bekannten. Aber der nette Kollege Koch ließ es sich nicht nehmen, mich nach ängstlichen Bekundungen meinerseits elektropostalisch einzuweisen. Man lese selbst…

1) Früh hingehen. Immer zum Seiteneingang rein, Haupteingänge sind meistens zu. Wenn gar nichts geht: Bargeldbestechung der Security (Aufgabe des männnlichen Begleiters).
2) Für die erste halbe Stunde im Zelt Atmen sowie Denken einstellen. Notfalls diesen Zustand eine weitere halbe Stunde verlängern.
3) Schnell ein bis zwei Mass trinken. Mass mit kurzem “a” sagen, nicht “Maß”. Bedienung immer topfreundlich behandeln und ihr ein gutes Trinkgeld geben. Mit ihr steht und fällt das Ganze.
4) In beliebiger Abfolge: Autoscooterfahren; Bier trinken; Hähnchen essen; auf die Bank (nicht den Tisch!) steigen und gleichzeitig singen und Bier trinken; “Runde drehen” (wahlweise im Zelt oder draußen); mher Bier trinken; jemanden küssen, der entweder richtige Tracht trägt oder Jeans, keinesfalls moderne “Landhausmode”.
5) Nicht in der S-Bahn spucken.
6) Zuhause vor dem Bett Mineralwasser, Magnesium und Aspirin. Fertig.
Über weitere Kniffe und Bedienungsanleitungen freue ich mich sehr. Ein Erfahrungsbericht samt angewendetem Wissen folgt nach bestandener Prüfung.
Liz hat es verfasst, und zwar am 27. September 2006 um genau 12:21
Kategorie : Fragen | 11 Kommentare
Der Spiegel hat ein neues Banner und setzt damit ein kleines Zeichen. Terroristen in Deutschland.
Was will uns dieses Banner sagen?
“Liebe Deutsche,
rechnet bitte mit weiteren Fällen. Die Angst ist angekommen.
Benutzt keine Koffer mehr, man könnte euch verdächtigen.
Traut niemandem mehr über den Weg. Und beäugt jeden kritisch, der sich neben euch setzt.
Fahrt am besten nur noch Fahrrad und bitte nicht mehr durch die Ballungszentren.
Zieht in die Berge.”
Ein Banner im Panorama. In der Bannerlandschaft zu finden zwischen Jahrhundertsommer und Atomstreit. Schön schwarz und natürlich sind die Koffer auch drauf. Es seufzt und stöhnt der gehetzte Passagier. Und doch googelt er nach Feierabend die Zutaten der Bombe. Schäuble hat wohl selbst auch schon einmal nachgeschaut, drum installieren wir nun die Kameras auch im Netz. Davon wird alles besser. Natürlich.
Und die Situation wiegelt sich selbst auf. Wir schlittern in die Science-Fiction-Romane und halten die Zeitungen in der U-Bahn noch höher. Und während Otto Normalverbraucher auf der einen Seite süchtig ist nach News (ja, das Berliner Fenster tickert Minute für Minute das Weltgeschehen in seiner objektivsten Form), klammert er sich auf der anderen Seite aus und macht das Weltgeschehen zum Unterhaltungsfaktor Nummer Eins. “24” nicht mehr nur in Echtzeit, jetzt auch zum Mitfühlen. Wir brauchen keine großen Apparaturen mehr, die uns virtuelle Realität in Empfindungen umwandeln.
“Gehen Sie auf die Suche. Werden Sie Bild-Lokal-Redakteur. Knipsen Sie Handyfotos von Verdächtigen. Und beschatten sie Schäuble im Urlaub. Sie bekommen Geld dafür. Und dürfen teilhaben. Partizipieren Sie. Auch im Forum von Spiegel Online oder in der U-Bahn heute abend.”
Der Spiegel hat ein neues Banner und wir die brave new world.
Liz hat es verfasst, und zwar am 23. August 2006 um genau 11:46
Kategorie : Fragen | 1 Kommentare
“Mein Haus, mein Auto, mein Ipod!”. Es scheint eine Krankheit zu sein. Die Welt und das weiße Phänomen.
Da macht die FAS eine Themenseite und Blogger schreiben nur noch: “..Ich lief da lang und hatte meinen Ipod dabei”, anstatt zu schreiben, dass sie Musik hörend die Straßen entlang marschierten. Ein Freund beschwert sich über seine kaputten weißen Kopfhörer und wenn man die Freundin fragt, was sie sich zum Geburtstag von den Eltern gewünscht hat, kommt als Antwort: “Och, nen Ipod. Mir ist nichts anderes eingefallen”.
Sony revivalfaked den Walkman, während Elektronikläden mittlerweile ihre Wände farbig anstreichen müssen, damit man zwischen dem ganzen weißen Ipod-Zubehör überhaupt noch den Weg nach draußen findet. Zudem bekommen freakig bunte Knalloprallo-Werbeagenturen den Zuschlag für eine jugendliche Europa-Kampagne und verlosen nicht etwa eine Reise oder ein Stipendium sondern einen Ipod, nur damit mal jemand hinhört.

Hab ich was verpasst? Wird die Welt besser von einem kleinen Musikabspielgerät? Und wieso erschrecke ich mittlerweile, wenn den Leuten zur Abwechslung mal andersfarbige Schnüre aus den Ohren baumeln als weiße? Ist der Ipod das neue Handy? Muss man permanent seine komplette Musiksammlung mit sich herumtragen? Wo ist die morgendliche Gemütlichkeit geblieben, die sich auf den Kaffee legt, wenn man sich mit noch ganz kleinen Augen überlegt, wie der Tag wohl wird und welche Musik vielleicht passt, diese dann auf das Gerät spielt, losgeht und manchmal eben mit Hilfe von Liedern feststellt, dass der Tag anders wurde als erwartet?
Wenn´s einem dann eventuell doch tierisch auf den Sack geht, kann man immer noch ausmachen und mal gucken, wie die Welt sich so anhört fernab von riesigen Musikarsenalen in Hosentaschengröße.
Liz hat es verfasst, und zwar am 10. Februar 2006 um genau 15:14
Kategorie : Fragen | 4 Kommentare
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