Bucket List

Wir könnten eine Liste schreiben. Einen Zettel mit Reisezielen und Leckereien, mit Dingen, bei denen man sicherlich schreit, wenn man sie tut, mit leisen Versprechen und großen Ansprüchen, eine mit handfesten Träumen und wilden Vorhaben, eine mit Wünschen, die man nicht an einer Hand abzählen kann, weil man dafür eigentlich zwei Arme bräuchte. Wir könnten uns Menschen drauf schreiben und neue Orte, wir wären in Gedanken unglaublich weit weg oder soweit drin, dass man uns auch da nicht mehr sehen kann.

Wir könnten das Papier dann mit Tesafilm an den Schrank neben dem Schreibtisch kleben, immer mal wieder drauf gucken in dem ganzen Stress, einmal kurz seufzen und dann den Kopf wieder dahin drehen, wo die Musik spielt. Irgendwann würde es nicht mehr kleben, vielleicht würden wir umräumen und der Zettel wäre dann auf der Seite zur Wand, fiele herunter und unter den Schrank. Dort würden wir ihn erst finden, wenn wir den Schrank an zwei Ende anpacken und hochheben, weil unten der Laster und in einem anderen Stockwerk in einem anderen Haus ein neues Leben wartet. Wir würden ihn nehmen mit zerschundenen Fingern vom Schleppen, erst nur kurz draufschauen und dann doch die Faust zum Zerknüllen nicht ganz schließen.

Vielleicht säßen wir dann in einem anderen Stockwerk in einem anderen Haus in einem anderen Jahr und sähen, was wir uns wünschten damals. Was immer noch nicht in Erfüllung gegangen ist. Wofür wir immer noch nicht gekämpft haben. Von dem wir immer noch ausgingen, wir hätten genug Platz und Zeit dafür, immer später. Immer irgendwann. Vielleicht würden wir sie in den Schuhkarton legen mit den Dingen, die immer mitkommen. Wie dem einen Brief. Dem einen Foto. Dem einen Kassenzettel. Dem einen Stift. Dem einen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 29. Januar 2008 um genau 20:25 Uhr.
Kategorie : Wir

12 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. Annegretchen  |  29. Januar 2008 um 21:36

    Du bringst es mal wieder auf den Punkt und hast mich heute Abend daran erinnert, dass ich mir vorgenommen hatte, in der Gegenwart zu leben und nicht Bestimmtes auf die Zukunft zu verschieben. Die Hoffnung zu haben, es würde besser werden. Irgendwann mal.
    Danke.

  • 2. Ani*ka  |  29. Januar 2008 um 22:40

    Mit dreizehn hattw ich mir vorgenommen, bis spätestens fünzehn den Stefan von über uns mindestens einmal richtig zu küssen. Zum Glück ist das nichts geworden.

  • 3. Martin  |  30. Januar 2008 um 3:12

    Manchmal bleibt aber eben nur die Hoffnung in Zukunft, wenn die Gegenwart einem nichts bietet, mit dem man etwas anfangen kann.

  • 4. nath  |  30. Januar 2008 um 8:32

    1……
    2……
    3……
    4……
    5.lizdievorfahrtnehmen
    6…….
    7.vor dem cafe boomer in berlin mit einem berliner maedchen parken,das berliner bauchweh hat.

  • 5. to01  |  30. Januar 2008 um 10:46

    gegen das vergessen was da war und werden sollte, danke.

  • 6. Annegretchen  |  30. Januar 2008 um 16:39

    @Martin: Da hast du vollkommen Recht! Ich meinte damit, ein paar Dinge, die ich ändern könnte, wenn ich wirklich wollte! Und das durch Taten, und nicht durch Hoffnung auf Besserung, ohne eigenes Zutun. :-) Tja, tja, die Disziplin…

  • 7. antje  |  30. Januar 2008 um 17:56

    Ich mag deinen Blog. Die Texte, die Bilder… Einfach schön!

  • 8. Liz  |  30. Januar 2008 um 23:08

    @Annegretchen. Kein Problem. Gerne doch.

    @Annika. Nicht gut?

    @Martin. Anrufen.

    @nath. LizaufdemFußgängerwegdieVorfahrtnehmen?

    @to01. Gerne wieder.

    @antje. Lieben Dank!

  • 9. Ani*ka  |  30. Januar 2008 um 23:28

    naja, den Kindheitsfreund zu küssen ist ja ganz nett. Aber irgendwann ist man kein Kind mehr und man wächst aus solchen Sachen heraus und bessere kommen:-)

  • 10. brittbee  |  31. Januar 2008 um 13:08

    Liste so dolle festkleben, daß sie nicht mehr verloren geht. Und durchstreichen, ganz viel durchstreichen, weil erledigt. Meine Liste klebt mit Magneten auf der Wohnungstür und wird jeden Tag länger. Und durchgestrichener, auch. (boah, du mit Deiner subtilen Melancholie immer. Haut gerade voll rein, Herzchen.)

  • 11. Liz  |  31. Januar 2008 um 13:43

    @B. Ich … äh.. .das war doch nich.. aber. … (Das is angebor´n, ich kann da nix für.) Herzchen. Kommste heute mit Frank und mir zu Meks Lesung?

  • 12. brittbee  |  31. Januar 2008 um 14:01

    :-( doofes ding hier hat jetzt schon drei kommentare jefressen. last trial…
    tonite ohne mich, because…
    und melancholie hier: *.**.

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