Böe
Da kommt was in den nächsten Tagen. Und Winter danach. Sturm- und Orkantiefs vom Atlantik sollen gegen Donnerstag und Freitag über Deutschland (”Ja, auch im Flachland - das ist sonst eher ungewöhnlich - wird es ungemütlich!“) hinweg sausen. Und nach den großen Winden soll es Schnee geben am Montag oder Dienstag und “Dauerfrost, sie wissen schon, DAUERFROST!“.

Man solle die Dinge, die nicht niet- und nagelfest sind, in Sicherheit bringen. Man solle aufpassen und die Winterreifen - wenn nicht schon längst geschehen - rausholen. Ja, da könnten eine Menge Dinge kaputtgehen, sagen sie im Radio und man hört, dass sie grinsen dabei. Ich nehme also all meine Zweifel und Unsicherheiten, den ganzen Müll aus den letzten Jahren, die beschissenen Momente, die Fehler, den Unmut und die Reinfälle - und stelle den ganzen Kram auf dem Balkon ab. Lehne ihn nah ans Geländer zwischen die Stelen, damit ihn das Wetter mitnimmt. Soll doch auf die Straße fliegen, was hier nicht hingehört. Und die Schreiben der Autos zerschlagen, auf´s Pflaster knallen und vom Gerüst nebenan flattern. Sollen sie doch wehen, all die Fahnen und Taschentücher, all die Bettlaken und Fönfrisuren.
Nimm das doch alles mit und bitte alles und alles restlos. Und mach es so, dass ihnen die Münder offen stehenbleiben dabei und ihre Augen großwerden und sei laut dabei und unglaublich nah. Ich will, dass meine Fenster wackeln und sich die Bäume biegen und ich will mich dazustellen und danach nichts mehr wissen, wenn ich bis auf die Schuhsohlen nass durch die Pfützen gehe und über die Trümmer. Da wächst Gras drüber und so, sagt man doch immer.
Liz hat es verfasst, und zwar am 16. Januar 2007 um genau 18:14 Uhr.
Kategorie : Berlin
1 Kommentar Kommentar hinzufügen
1. peter | 16. Januar 2007 um 22:22
Dauerfrost? Schreckt mich nicht. Etwas gute musik, ein becher heisser kakao oder glühwein und einige texte à la Böe und Sagroberättare und der Winter soll kommen
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