Blindfelder

Es gibt diesen kleinen Bäcker in der Nähe der Modersohnbrücke. Einer von denen, die neu sind und von der modernen Allzwecksorte. Plastikschilder stehen vor der Tür, die Donuts sehen eingefallen aus, sowieso kommt das ganze Backwerk nicht aus den Händen derer, die da müde hinter der Theke stehen. Draußen auf dem Bürgersteig sind die Metallstühle mit orangefarbenem Überzug ordentlich angeordnet, kein Krümelchen auf dem Tisch und drinnen erwartet einen das Summen einer riesigen Kühltruhe mit Zuckerwasser. Die Regale sind nur halb gefüllt mit Kondensmilch, Nudeln, passierten Tomaten. Drei Packungen von jeder Sorte und dazwischen immer ein kleines Stück Platz. Die Wände sind orange gestrichen. Wischtechnik. Moderne Optik, nennt man das im Einrichtungshaus vielleicht. Anscheinend zu sehr für die meisten.

Und sie sitzt mit kleinen schwarzen Augen an einem der runden Metalltische im Innenraum. Unter den kleinen Blumentöpfen liegen Häkeldeckchen, vor ihr eine Frauenzeitschrift mit Kreuzworträtsel. Von draußen sieht sie aus, als würde sie eifrig schreiben, aber wenn man dann am Tisch vorbei zur Kasse geht, wo noch die Osterüberraschungseier stehen und Puffreis, sieht man, dass sie jedes Quadrat mit einem Muster ausgefüllt hat. Keine Worte, nur Kringel und Streifen, feine Linien an den Rändern. Kein “Dach der Mundhöhle”, kein “Tabakgebiet auf Sumatra”, nicht einmal die “Heimarbeit für die Schule”. Auch von den Brötchen gibt es nur zwei Stück pro Sorte. Denn: “Wenn leer is, is leer“.