Bevor man geht.

Da war er wieder, in der Straßenbahn. Dieser kleine Moment, in dem man ahnt, was passieren wird. In dem sich die innere Architektur darauf einstellt, in Beschlag genommen zu werden und etwas aushalten zu müssen. Das simple Zählen der Tage, die stille Vorbereitung und das Gefühl, dass es nicht das erste Mal ist. Wenn du dich anschnallst und dich nichts und niemand mehr ablenkt, wenn deine Sozialisation durch Bücher und Filme und Musik dich dazu bringt, dieser Situation, der Stimme des Kapitäns, dem Blick aus dem Fenster, dem Geräusch der Motoren etwas abzugewinnen. Und während du sitzt und schaust und Mr. Shuffle sich mal wieder wichtig machen will und genau diesen Song spielt, dann weißt du, es hat dich erneut.

Was, wenn. Man sich entschließen würde, nicht zurückzukehren. Die Grenzlinien neu zu ziehen. Die Prioritäten falsch sind. Man sich schon längst verlaufen hat. Etwas passiert. Nichts passiert. Man zurückkommt und nichts hat sich verändert. Man zurückkommt und alles hat sich verändert. Das bisschen den Unterschied macht. Man sich neu justiert. Die Uhrzeit vergisst. Die Sprache verlernt. Den Regeln nicht folgt. Die Regeln nicht kennt. Neue macht. Man sich selbst ausgesetzt ist. Schonunglos. Nur du.

Liz hat es verfasst, und zwar am 18. April 2008 um genau 16:11 Uhr.
Kategorie : Moi

3 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. Annegretchen  |  18. April 2008 um 18:01

    Gute Reise!
    Und Berlin verändert sich ja jeden Tag. Komm einfach gesund wieder. Gesund und mit vielen neuen Eindrücken, die dir niemand mehr nehmen kann.
    Gute Reise!

  • 2. strumpel  |  18. April 2008 um 18:24

    liúxín !

    et bon courage!

  • 3. Martin  |  18. April 2008 um 23:39

    Dieses Spiel spielt man immer wieder. Alle diese Spiele. Wenn man wieder einmal einen besonders heftigen Flug durch Regen und Donner abbekommt das des Absturzes, bei dem man als einziger als ruhig bleibt während alle andere panisch um ihr Leben boxen. Oder das wenn man schweißdurchtränkt allein durch den Regenwald läuft und es langsam dunkel wird und einem wieder die Geschichten von Pumas, die vor Jahren Kinder an gleicher Stelle fraßen, in den Kopf kommen oder aber wirklich jene des Aussteigens aus der Mühle des bisherigen Lebens und sich jenen selig ruhigen Bewohnern des Dorfes anzuschließen, die so viel weniger und doch viel mehr haben als man selbst und damit zufrieden sind und eben nicht gehetzt dem was uns umgibt und immer weiter an unsere Grenzen drücken will.

    Doch am Ende passiert alles doch nicht und man macht es nicht was man sich ausmalt und etwas wünscht, nur eben nicht genug. Am Ende kehrt man immer wieder in sein Nest zurück und hat für eine kleine Weile diesen anderen Schein in den Augen, doch der verblasst viel zu schnell — sowohl für einen selbst als auch alle anderen. Und schon nach einigen Tagen, bestimmt aber Wochen findet man sich wieder in seinem Alltag wieder — bis zu jenem Punkt an dem man es nicht mehr aushält und wieder in den Flieger steigt und wieder jene Spiele anfängt zu spielen …

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