Berlin ist ein Heini.
Ich habe etwas schönes gefunden, etwas, das genau zu dem passt, für den es sein soll. Es sieht schön aus, es fühlt sich gut an und ich möchte es bezahlen. Hinter der Theke steht ein Verkäufer. Den Hüftschwung kann er gut, er säuselt und schwebt dabei durch den Laden. Ich lege das Etwas auf den Ladentisch und gebe ihm meine Geldkarte. Er wird ganz aufgeregt und stopft sie mit roher Gewalt oben in die Öffnung seines Kartenlesegerätes. Weil diese zarte Karte solch blinde Aggression jedoch nicht verträgt, zerbricht sie mit einem lauten Knack, als der Mann mit der Faust drauf haut, damit sie ins Gerät rutscht. „Ach Gottchen“, näselt der Verkäufer, „na, wenn die nicht einmal eine starke Hand aushält.. tztztz…“ und gibt mir meine Karte in zwei Hälften zurück. „Da kann unsereiner ja auch nix mehr machen!“. Ich nehme die zwei Teile, lasse das Etwas auf der Theke liegen, atme tief ein und verlasse wortlos den Laden. Er fragt noch: „Nicht bar zahlen?“. Ich schließe die Tür hinter mir und schaue gen Himmel. An der Tür der Sparkasse, wo ich eine neue Karte beantragen möchte, stehen die Öffnungszeiten. Freitag 9-15 Uhr. Es ist drei nach drei, die Lichter sind aus.
Mit Schimpfworten versetzte Stoßgebete murmelnd gehe ich in Richtung Straßenbahn. An der Station steht auch eine Bahn. Vor dem Fahrerfenster jedoch steht ebenfalls ein Mann, der die Fahrerin wüst beschimpft. „Sie können doch nicht schon VOR der Station die Türen öffnen!“. Die Straßenbahnfahrerin schüttelt den Kopf und wackelt mit der einen Hand vor seinem Gesicht herum. Eine andere Frau möchte ebenfalls noch einsteigen, während die beiden streiten, aber die Tür geht nicht mehr auf. Auch eine Omi wackelt wieder zurück auf den Bürgersteig, weil alles verrammelt ist. Die Straßenbahnfahrerin zeigt auf die Ampel, es ist grün. Doch der Mann bewegt sich nicht weg und schimpft weiter. „HIER ist die Station, da wo ich stehe. Und nicht da vorne!“. Mit dem Finger zeigt er auf die Laterne drei Meter weiter. Die Bahn bimmelt und setzt sich dann langsam in Bewegung, den zeternden Mann anstubsend. Dieser muss sich, um nicht doch ganz mitgeschleift oder überrollt zu werden, mit einem Hechtsprung zur Seite retten. Die Omi schüttelt den Kopf, die Bahn fährt über Grün, der Mann brüllt: „Das werde ich mir merken“. Die nächste kommt in nichtmal einer Minute, ich kann sie schon sehen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 14. Dezember 2007 um genau 18:29 Uhr.
Kategorie : Berlin
2 Kommentare Kommentar hinzufügen
1. Annegretchen | 16. Dezember 2007 um 10:02
Einen schönen und geruhsamen 3. Advent wünsche ich dir!
Und das ohne Straßenbahn und Brüche, die man alleine nicht mehr kitten kann.
2. Liz | 16. Dezember 2007 um 12:50
@A. Lieben Dank und auch nur das Beste zurück zu dir!
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