Beipackzettel

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Es ist Frühling. Ich weigere mich zu sagen, es sei schon Sommer. April gehört definitiv nicht zum Sommer. Auch wenn sich die Temperaturen hin und wieder so anfühlen. Jedenfalls ballern die Bäume im Frühling ja Pollen raus, als gelte es das Leben, als wäre es das letzte Mal, als könnte man da was gewinnen. Großstadtfolge: Heuschnupfennasen. Es niest und schnaubt und rötet und tränt, dass es keine Freude ist. Die Pharmaindustrie lacht sich derweil ins Fäustchen und schmeißt in solcher Konsequenz wie die Bäume Pollen neue Mittelchen auf den Markt, um der allgemeinen Stadtkindverrotzung ein Ende zu machen. Und wir - gefangen in unseren Bergen aus Taschentüchern und Gruppenzwang (Denn nein, drinnenbleiben bei Sonne und Sommerhauch ist freundschaftlich streng verboten, da wird eins zwei drei an die frische Luft gegangen und den Freizeitminisportaktivitäten gefrönt. Wer drinnen bleibt, hat schon verloren) - wir probieren und kaufen und schlucken und studieren Packungsbeilagen, die teilweise größer sind als U-Bahn-Fahrpläne.

Beim Lesen ellenlanger Listen der möglichen Nebenwirkungen (und die gibt es auch bei den homöopathischen Ablegern) fragt man sich jedoch, ob man nicht einfach lieber doch zuhause bleiben, die Fenster verriegeln und einfach den ganzen Tag staubsaugen sollte: schneller Herzschlag, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen, Mundtrockenheit, Übelkeit, Erbrechen, Darmentzündung, Schwächegefühl, Leberfunktionsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit/Benommenheit, Krämpfe, Muskelzittern, Geschmacksstörungen, Nervosität, Schlaflosigkeit, Angst, Unruhe, Halluzinationen, psychotische Störungen, trockene Haut, Hautausschlag, vermehrtes Schwitzen, Nesselsucht, Haut- und Schleimhautschwellung, Blässe, Bluthochdruck…

Liz hat es verfasst, und zwar am 30. April 2007 um genau 9:38 Uhr.
Kategorie : Fundstücke

5 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. Christoph  |  30. April 2007 um 21:36

    Ja, mein Mitgefühl ist bei denjenigen, die das Frühlingserwachen so dicht miterleben müssen.
    Doch die Angst bleibt; sagte mir doch unlängst meine Hautärztin auf die Frage nach der Gefahr des Entwickelns von Kreuzallergien, dass sich eine Allergie jederzeit entwickeln kann. Netterweise somit auch nach 20, 30, 40 etc. Jahren.
    Also stehe ich auch irgendwann vor der Entscheidung:
    Drinne bleiben und die Wand bestaunen oder Minigolf und anderer Schabernack.
    Tja, Blässe ist ja vielleicht nicht so schlimm, aber was war nochmal Nesselsucht? Ist sicher nicht erstrebenswert, dass genauer herauszufinden.
    Dann doch lieber Halluzinationen:
    “I saw you walking
    Only yesterday
    When I ran to catch you
    You disappeared
    And the street was gray”

  • 2. Emma  |  1. Mai 2007 um 10:48

    Richtig, lieber Christoph, mich hat der Heuschnupfenwahn mit satten 24 Jahren erwischt. Seitdem weicht er nicht mehr von meiner Seite.

    Liebe Liz, hast Du inzwischen eins der tausend Mitteln erprobt und für wirklich gut befunden? Ich bin nämlich immer noch auf der Suche.

  • 3. Liz  |  1. Mai 2007 um 21:38

    @Emma. Also Lorano und Reactine Duo sind so meine Favoriten bisher. Obwohl der zitierte Beipackzettel von letzterem stammt und ich dementsprechend skeptisch bin.

  • 4. Bea  |  2. Mai 2007 um 14:44

    Das ist ja wirklich schlimm. Zum Glück gehöre ich zu den Menschen, die den Frühling unbeschwert genießen dürfen. Mein Kollege vom Büro gegenüber leidet sichtlich. Mit triefender Nase und geschwollenen Augen

  • 5. Liz  |  2. Mai 2007 um 15:20

    @Bea. GENIESSEN!

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