Balkon gegenüber

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Das eine Kind hat laufen gelernt. Und wenn der Maler wieder einen guten Tag hat, bekommt er ein Bild in vier Stunden fertig. Dabei hört er immer laut Musik und hat nur eine Unterhose an. Zwischendurch steht er rauchend am Fenster, macht es aber nie auf und schaut raus. Er steht immer nur da, lehnt seinen Oberarm daran und blickt sich um in seinem Atelier. Die Eltern des laufenden Kindes wechseln sich ab mit dem Zubereiten des Abendbrotes, die darüber sitzen immer nur auf dem Sofa, während das Kind auf einer Decke liegt und mit den Füßen in der Luft strampelt. Der mir direkt gegenüber arbeitet auch immer nachts. Mit einer kleinen Stehlampe auf dem Schreibtisch, bis die Fenster ganz beschlagen sind. Dann kommt er manchmal und reibt eine kleine Stelle frei, durch die er schaut. Manchmal wird es dann schon wieder hell. Und sein Mitbewohner scheint nie da zu sein. Der Maler lebt allein. Unten wohnen die, die im Sommer immer auf dem Balkon saßen, Bier tranken, als ihr Kind einmal in die Scherben fiel. Es schrie und schrie und seitdem habe ich es jedoch nie wieder schreien gehört. Nur die Musik vom Maler, der manchmal, wenn er nicht malen kann, auf der Stelle joggt. In der Kohlengrube brennt Licht. Da brennt immer Licht. In Neonfarben.

Aber ich weiß, die da drüben können den Mond nicht sehen, der hell und groß auf meinen Boden scheint und einen Schatten von mir macht. Meinst du wirklich, niemand weiß, wie du lebst?

Liz hat es verfasst, und zwar am 6. Februar 2007 um genau 0:31 Uhr.
Kategorie : Berlin

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