Auf der Zunge eine Insel

Wie man im Mund noch die beiden Konsistenzen auseinander halten kann, das Flüssige, den Saft und dazwischen die winzigen Überbleibsel der Frucht. Und wenn man die Zunge an den Gaumen drückt, bleiben ein paar Fasern zurück. Die Säure ist nur zu erahnen, die Süße klebt ein wenig, aber rutscht langsam in den Bauch und mit einem Schluck Mangosaft bin ich meistens wieder auf dem Balkon im vierten Stock in Puerto Naos, wo wir saßen und auf den schwarzen Sand schauten, auf das Meer, das nicht blau sondern meistens weiß war, weil die Sonne sich darin hundertfach spiegelte, blendete, sich in der weißen Wäsche auf dem weißen Dach noch einmal reflektierte und am Strand verschluckt wurde.

Wir saßen an dem großen Holztisch, um uns herum Kakteen und Aloe, das Aquarium mit den drei kleinen Schildkröten, die man den ganzen Tag mit ihrem Refugium hin und her schieben musste, weil die Sonne wanderte und sie sonst ausgetrocknet hätte. Die orange-rote Markise, die beim ersten Anzeichen von Sturm eingeholt werden musste mit der quietschenden Kurbel. Mit einem Schluck Mangosaft bin ich wieder bei dem Geräusch der Badelatschen auf der Steinpromenade, den handtellergroßen Kakerlaken am Abend, die in den Ritzen der Mauer zum Strand verschwanden, und bei dem Sonnenuntergang, der mit den Palmen davor aussah wie von einem dieser Pärchenplakate in den Mädchenzeitschriften. Weichgezeichnet in rosa und lila.

Ich stehe wieder am Fuße der Berge, über die die Wolken wie eine Lawine aus Schlagsahne schwappen, zwischen den Pinien mit ihrem erlösenden Schatten und mit nackten Beinen im Schnee, während sich unten das Meer in den Abend funkelt. Und wir sitzen auf der Bank unter einer der wenigen Laternen auf der Klippe über dem Ort, wo ich das erste Mal geküsst wurde, von wo aus wir Kiesel ins Meer warfen und ihren Aufprall nicht mehr sehen konnten. Ich esse wieder Churros auf der Mauer vor dem großen Hotel, die es nicht mehr gibt, weil das Meer unablässig an der Insel frisst, aber die es damals gab und wenn der Wind gut stand, spritzte das Wasser uns bis ins Gesicht.

Das Geräusch, das die Paraglider über dem Ort machten und das Surren des kleinen Kühlregals im Supermarkt mit den orangefarbenen Tüten. Die Stille der Nachmittage, die nur das Schnurren der Katze und Flappen der Markisenwimpel im Wind begleitete. Wie am Abend die Menschen wieder aus den Häusern kamen und schnatterten auf der Promenade in den Plastikstühlen. Wie sich am Morgen erst die Kiesel unter den Füßen und dann der feste Schaumstoff des Schwimmbretts am Bauch anfühlten, während eine Welle über einem zusammenschlug. Ein Schluck Mangosaft und ich möchte aus frischen, reifen Avocados das Fleisch herausschälen direkt auf die riesigen Brötchen, dazu Manchego mit drüber geriebenem Knoblauch. Ich will dabei die kalten Fliesen an meinen Füßen und den salzigen Film auf meiner Haut, die auch nachts noch nach Sonne roch. Den Geruch von Papaya, Orangen und den kleinen Bananen aus dem Hain am Berg. Durch die Cumbrecita wandern, mich von Eseln begleiten lassen, an einen Drachenbaum lehnen und durchatmen. La Palma und ein Schluck Mangosaft.

Liz hat es verfasst, und zwar am 21. Juni 2008 um genau 10:53 Uhr.
Kategorie : Blicke

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