Arlington Cemetery

Hügelweise Grabsteine. Der blaue Himmel ist nicht geheuchelt, der ist einfach da. Mit riesigen Flugzeugen drauf, die über einen hinwegdonnern, während Touristenbusse an einem vorbei über die asphaltierten Straßen fahren. Und einen Hügel weiter tragen sie einen Menschen zu Grabe. Schnee schmilzt neben den Füßen.
Bäume geben den Blick auf das Pentagon frei und die Menschen dort können zurückschauen. Sollten sie vielleicht. Tun sie vielleicht. Touristen watscheln manchmal in Gelächterwolken die Wege entlang. Die Flamme auf dem Grab von John F. Kennedy kann man ja vom Bus aus nicht sehen.
Und mir die Gänsehaut, als ein riesiger Vogelschwarm hinter den Bäumen auftaucht, während uniformierte Männer einen weißen Sarg schultern. Die Menschenmenge dahinter ist nicht groß und wir wenden uns ab, während die Vögel ein großes Schweigen anstimmen. Motorenbrummen und das Stadtrauschen im Hintergrund übertönt das nicht, der Himmel ist und bleibt, während die Stufen auf dem Weg zum Grab des unbekannten Soldaten weniger werden.

Und da stehen sie wieder in Uniformen, mit Digitalkameras und Camcordern, nicht in Reih und Glied, aber ordentlich angezogen, die Orden poliert. Die Blicke flirren, vor dem Gedenkstein steht einer stramm, wirft ein paar Worte in die Menge und dann salutieren sie. Die rechte Hand geht an den Kopf, den Mützenrand. Und die, die nicht folgen, die photographieren und filmen. Halten alles fest und grinsen dabei debil, während es den anderen fast die Knöpfe von den Jacken sprengt. Stolz geschwellte Stirne in die Sonne gereckt, das Vaterland, das Vaterland, es ist nicht einmal ihres, aber der Akt ein militärischer und da scheinen sie alle gleich mit ihren Schulterpolstern und zusammengekniffenen Arschbacken. Geht hinaus in die Welt und marschiert, was das Zeug hält.
Mir drückt es die Luft ab, als ein Kranz niedergelegt wird.
Dann dürfen sie wieder bequem stehen und entfernen sich sofort, das Spektakel ist vorbei, ab in die Busse und zum nächsten Termin. Zurück bleibt der Wachmann, er läuft wie auf Eiern und der Baggern nebenan darf weiterschaufeln.
Noch die Gräber in Reih und Glied, Linien für´s Land. Angelegt, um den Stolz zu verkünden, auf der großen Steinfläche am Kennedy-Grab steht, du sollst nicht fragen, was dein Land für dich tut, sondern was du für dein Land tun kannst. Und wenn du bis zum Letzten gegangen bist, dein Leben gelassen hast irgendwo, sie dich dann zurücktransportiert haben, dann leistet das Land dir den Dienst, dann lebst du mietfrei in diesen Reihen, dann sind sie stolz auf dich.

Erst bitten sie um Ruhe und Respekt, dann spucken sie auf die Wege. Erst wollen sie Gedenken, dann rollen sie Touristen in Bussen daran vorbei. Und als die Vögel wieder schreien, finde ich keinen Ton.

Liz hat es verfasst, und zwar am 18. Dezember 2005 um genau 2:00 Uhr.
Kategorie : Blicke

9 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. T.Little  |  11. März 2006 um 6:58

    Hallo Lisa,
    ich habe deinen Bericht Arlington Cemetery durch zufall gelesen und muss sagen, das mich deine Ansichten dies bezueglich ganz schoen treffen, obwohl es trotzdem recht nett geschrieben ist.Na ja, ansichtssache!
    Es mag richtig sein, das fuer deutsche Verhaeltnisse alles etwas seltsam erscheint, da man ja hierzulande auf nichts mehr wirklich stolz sein darf, ohne auf eine Vergangenheit hingewiesen zu werden, die wir ja beide nicht mitmachen mussten.
    In den USA ist das noch etwas anderes, da hat man noch Nationalstolz und das ist auch gut so, ob das wiederum fuer jeden sinnvoll erscheint, ist wahrscheinlich zu bezweifeln.Und dir kommt es ja anscheinend extrem laecherlich vor!
    Ich sehe das etwas anders als du.Es ist eine grosse Ehre dort begraben zu sein, auch fuer die Hinterbliebenen!
    Auch der Name meines Grossvaters ist auf einem dieser Grabsteine eingemeisselt, und ich kann dir garantieren, das er ein herzensguter Mensch war!
    Ich habe auch die Traenen meiner Oma von den Wangen gewischt, als ihr das gefaltete Banner ueberreicht wurde, was mir auch nicht gerade leicht gefallen ist.
    Auch ich war erstaunt, als mir mein Vater eine Kamera in die Hand gedrueckt hat, um Photos zu machen, ist halt bei uns in deutschland nicht ueblich. Andere Laender andere Sitten!
    Ich habe die Zeremonie, die du anscheinend so laecherlich empfindest, als Ehrung fuer meinen Opa empfunden, und wenn du ein bischen nachdenkst, dann kommst du vielleicht auch darauf, warum der Soldat beim “Unknown Soldier” so mechanisch marschiert!
    Ich bin irgendwie etwas angesauert, immer wieder von Menschen zu hoeren/sehen, die einerseits “Toleranz” ausrufen und andererseits jedesmal das Wort “Kriegstreiber” benutzen, wenn es dann um die americaner geht.Mag nicht alles richtig sein, was eine Regierung tut, aber es ist nicht die Regierung, die in Arlington Cemetery begraben liegt, sondern der Soldat, der das wertvollste gegeben hat was er hat!Sein leben.
    “Erst bitten sie um Ruhe und Respekt, dann spucken sie auf die Wege”….. Wer tut das ???
    Wer erzaehlt dir so einen Bloedsinn, oder willst du mir erzaehlen, das du einen “Uniformierten” gesehen hast, der genau das getan hat!?
    Ich “hatte” auch hier in deutschland Freunde, die im Irak gefallen sind, in einem Krieg den sie nicht wollten und in dem sie keinen Sinn sahen,und auch sie wurden nicht gefragt, ob sie Lust dazu hatten. Sie haben ihr bestes gegeben, auch als sie an der Strassensperre standen, die sie nach Arlington “gebombt” hat!
    Wuerdest du den hinterbliebenen Frauen und Kindern sagen, “Dein Daddy ist umsonst gestorben, und die Anteilnahme des Militaers ist geheuchelt”?!
    What the heck are you talking about Lisa,
    I hope you will never need one of these “Arschbacken zusammen kneifenden” uniformed boys to save your butt one day, they might not care about you at all by reading your Arlington thing,.
    Well, anyways.
    Ich find es trotzdem schoen, das es auch deutsche nach Arlington verschleagt!
    Liebe Gruesse, Thorsten

  • 2. Liz  |  11. März 2006 um 13:16

    Lieber Thorsten.
    Der Nationalstolz kommt mir geheuchelt vor, wenn fremde Leute fremde Begräbnisse photographieren und dann lachend ihres Weges gehen. Es ist nicht die Zeremonie des Begräbnisses, die ich lächerlich finde, nein. Sondern die Reaktionen der Touristen, der Besucher. Und dass aber auch diese bei Erklingen der Nationalhymne ihre Hand auf´s Herz legen, wo sie noch drei Minuten vorher grinsend ein Begräbnis photographierten.

    Ich finde die Atmosphäre auf dem Friedhof eigentlich sehr schön, d.h. die Hügellandschaft und den freien Blick. Wie man einen Friedhof eben schön finden kann. Und trotzdem rückt mir dabei nicht der Gedanke vom Nacken, dass das alles Menschen waren. Ich weiß, dass dort auch Angehörige liegen. Aber all dieses TamTam um das Einmarschieren in fremde Länder und was steht am Ende? Hügelweise Grabsteine und Löcher in Familienfotos.

    Ich sage nichts gegen die einzelnen Soldaten, die dort liegen. Es ist die Entscheidung des Einzelnen.

    Siehst du nicht, dass da steht “mir drückt es die Luft ab?”. Dass ich eigentlich Respekt vor solchen Zeremonien habe, aber dass die, die das immer am lautesten proklamieren, sich eigentlich einen Scheiß drum scheren? Und die Amerikaner, die zu Hause brav eine Flagge vors Haus und ein Bild des Präsidenten auf den Kamin gestellt haben, laufen in ach so großer Anteilnahme über die Wege des Cemetery und spucken dann drauf. Das ist die zweite Seite der Medaille. Und ich kann diese Doppelmoral zum Teufel nicht ausstehen. Uniform hin oder her. Und ja, ich bin kein Freund von Uniformen. Und kein Freund der Army.

    Was bekommt denn der Soldat zurück für das Wertvollste, für deine Aufopferung? Touristenbusse, Photographien seines Grabes udn Leute, die auf die Wege spucken neben Schilder, auf denen steht: “Respect”.

    Mein Gott. Leg deine Uniform im Kopf ab.
    Lass mal locker und beweg dich wie ein Mensch und nicht wie eine Maschine.

    Liebe Grüße,
    Lisa

  • 3. T.Little  |  13. März 2006 um 0:45

    Liebe Lisa,
    Du hast schon recht,wenn Du von Heuchlerei mancher sprichst. Aber es sind halt nur manche.
    Touristenbusse auf Friedhoefen sind sicherlich geschmacksache, aber es gibt halt einen ganzen Haufen Soltatenfriedhoefe in aller Welt, bei denen das nicht unbedingt anders ablaueft (ich meine jetzt “Respeckt und spucken”).
    Es sind uebrigens auch nur ganz kleine Teile wie das Kennedygrab, Unknown Soldier und Lee’s Home fuer Touristen zu besuchen. Fuer die “neuen” Grabstaetten braucht man einen extra Ausweis/Genehmigung, die man auch nur als Familienangehoeriger eines verstorbenen bekommt.
    Abgesehen davon, wenn Arlington fuer “auslaendische” Besucher geschlossen wuerde, heisst es dann sicher wieder “Typisch Americaner”.
    Auch glaub ich weiss schon was Du meinst, aber allgemein anti americanisch zu denken machts auch nicht besser, bzw. ist in meinen Augen auch klein kariert.
    Das wir egal wo wir leben so und so von hinten bis vorne belogen werden steht ja nicht zur Debatte. Ich finde es halt schon lustig, wenn immer nur auf die USA eingehaemmert wird, die es letzt endlich nicht viel anders machen als die meisten Laender dieser Welt, bis auf den Unterschied, das sie halt noch durchsetzen, was sie fuer richtig halten.Es geht halt um Resourcen die knapp sind, schon traurig.
    Aber das man sich in Deutschland von allen anderen abhaengig macht (Gas aus Russland-Atomenergie aus Temelin etc.) kanns dann auch nicht sein und fuehrt unumgaenglich irgendwann dann auch zum Final countdown.
    Ich denke mal, das man sich als deutscher auch veraeppelt vorkommen muss, wenn man im nachhinein erfaehrt, das der BND “Targets” uebermittelt hat, und die Bundeswehr der US Army Spuerpanzer (Anti-Abc) “geliehen” hat, da diese solche Fahrzeuge nicht im Fuhrpark haben.
    Man koennte das dann als “Turbo heucheln” bezeichnen, wenn ich die eigene Bevoelkerung dann auch noch im guten Glauben Anti-Kriegs-Demos auffahren lasse.
    Jetzt bin ich etwas vom Thema abgewichen, back to Arlington.
    Der Soldat bekommt natuerlich nichts, kann er ja leider auch nicht. Aber die Familie bekommt die Anteilnahme des Arbeitgebers, in diesem fall das Militaer und somit auch in einem angemessenen militaerischen Rahmen.
    Aber letztendlich wird wohl auf jedem Friedhof gleichermassen geheuchelt!
    Also ich hab keinen americaner rumspucken gesehen, obwohl es ausser Birkenstock nicht immer leicht ist, einen auesserlichen Unterschied feststellen zu koennen.
    Aber ganz sicher gibt es auch respectlose americaner. Die Frage stellt sich dann allerdings, wozu deren Arlington trip gut war.
    Was hat eigentlich Dich nach Arlington bewegt, oder war es mehr Zufall? Wuerde mich schon auch interessieren !
    Liebe Gruesse,
    Thorsten

  • 4. Liz’s blogging &raq&hellip  |  15. März 2006 um 13:41

    […] Ich habe hier mal was über den Arlington Friedhof in Washington geschrieben. Jemand kommentiert das. Ich fänd es schön, wenn sich dazu noch ein paar Stimmen sammeln, denn bei diesen zwei Kommentaren blieben mir die Worte in den Fingern stecken irgendwie. […]

  • 5. Stefan  |  15. März 2006 um 22:19

    Thorsten:

    Ich glaube, ein solcher Friedhof zeigt in seiner Größe vor Allem, dass zu viele Menschen für meist sinnlose Kriege gestorben sind, die eine der Regierungen der USA mal für sinnvoll hielt, um z.B. den Kommunismus zu bekämpfen(weil der ja für alle schlecht ist und sowieso), ein paar netten Kumpels in der Öl- und Energierwirtschaft zu helfen oder weil man sonst irgendwelche Probleme hatte. Und nicht um Amerika zu verteidigen. Den zweiten Weltkrieg gabs auch noch, aber das war ja eher eine Ausnahme und antikommunistische Hintergedanken waren da wohl auch eher der Grund, in den Krieg einzutreten. Insofern ist es für mich schwer, ernsthaften und einseitig betrachteten Respekt für Menschen zu haben, die sich von der Anwerbung einer für Gewalt und Krieg stehenden staatlichen Organisation gelockt fühlten und dann bei Einsätzen zu Tode kamen (zumindest sofern das freiwillig geschehen ist). Und das hat für mich nichts mit “für sein Vaterland sterben” oder Pflicht und Ehre zu tun, sondern von billiger Ausnutzung des Staates seiner Einwohner, von denen eine Leistung abverlangt wird, die der Staat durch keine Gegenleistung quittieren kann. Er versucht es, indem von Ehre gesprochen wird oder solche Friedhöfe wie dieser eingerichtet werden, auf denen man Zeremonien abhält, die in ihrer Hinterhätltigkeit kaum zu überbieten sind. Das ganze gilt, richtig, auch für einige andere Staaten, mindert aber keineswegs das Problem, dass zivilisierte Menschen mit Krieg haben sollten. So fair und nett man auch im Privaten sein mag, mit welcher Argumentation bricht man auf, um Menschen zu töten? Etwa immer noch das alte “die haben angefangen”?

  • 6. T.Little  |  17. März 2006 um 7:57

    Stefan,
    man sollte nicht vergessen, das Arlington ein Soldatenfriedhof ist, der schon sehr lange so besteht. Er ist ein nationales Monument mit allem was in den USA dazu gehoert!
    Mir hat es missfallen, wie Arlington Cemetery von Lisa dargestellt wurde, denn egal welche Einstellung man auch haben mag, man sollte fairer Weise nicht den Eindruck vermitteln, in Arlington wird rumgespuckt und aehnliches, denn so ist es wirklich nicht!
    Es werden auch keine Touristenbusse herangerollt, die kommen von selbst und anscheinend auch freiwillig, wie das wohl auch bei Lisa der fall war!
    Ich bin zu jung, um beurteilen zu koennen ob vorangegangene von den USA gefuehrte Kriege “gerechtfertigt” waren, aber ich bin der festen Ueberzeigung, das die US Soldaten z.B. in den Iraq “aufgebrochen” sind, um erst Saddam zu beseitigen (freiwillig haette er ja wohl nicht abgedankt) um dann den Samen des Friedens zu saeen. Das nicht jeder im Iraq mit diesem “erzwungenen” Frieden etwas anfangen kann ist wohl irgendwie verstaendlich, nachdem sie so lange terrorisiert wurden. Freiheit kann man nicht erzwingen, aber man kann dabei helfen! Und es gibt Gottseidank nur einen kleinen militanten Teil in der Bevoelkerung, so mancher Iraqer arbeitet sogar im Polizeidienst um Frieden herzustellen und sich dann an der Seite von Americanern von irgendwelchen fanatikern in die Luft jagen zu lassen! Alle Achtung!
    Egal ob das Iraqische Polizisten sind oder US Soldaten, fuer mich sind es Helden, die fuer ihre Ideale und den Glauben daran etwas zu verbessern ihr Leben lassen!
    Und nicht nur weil sie “fuers Vaterland” gestorben sind werden sie in Arlington geehrt, sondern vor allem weil sie fuer die Grundrechte aller Menschen “Liberty And Justice For All” fochten, wie sie es mit der “Pledge of Allegiance” jeden Morgen in der Schule geschworen haben!
    Der gute Vorsatz einzelner wird oft mit einem politischen oder wirtschaftlichen Hintergrund von Regierungen uebertuencht und ausgenutzt.
    Gegen das sind wir leider alle machtlos!
    Egal wie man das aber auch sehen mag, ich bin auf die jenigen Stolz die mir die Rechte “erkaempft” haben, die ich als normal oder gegeben sehe! Sie haben mir ein Leben in Freiheit ermoeglicht, das ich als selbstverstaendlich empfinde , weil ich es nie anders erlabt habe!
    Und von Zeit zu Zeit bedanke ich mich dafuer in Arlington, fasse mir mit der Hand ans Cap, kneiffe die Arschbacken zusammen und stehe da mit geschwellter Brust so das es mir die Knoepfe fast fast sprengt …
    Nein Stefan, der Gedanke, diese Menschen koennten aufgebrochen sein, um zu toeten, kommt mir hierbei nicht! Ich verspuere nur Trauer!
    Egal auf welcher Seite wir auch vom Gedankengut her stehen moegen, wir werden alle immer grundsaetzlich politisch nach Strich und Faden belogen.
    Trotzdem kann ich mich an keinen Krieg erinnern, den die USA “begonnen” haben. Weder der 1ste noch der 2te WK, nicht Korea oder Vietnam, auch nicht der Iraqkonflict wurde begonnen. Auch die Menschen im Iran koennten ohne Angst weiterleben, wenn ihre Regierung einlenken wuerde, wo ist das Problem?
    Letzt endlich haengt dann das Leid von vielen, von wenigen sturen Regierungskoepfen ab. Und anders als so mancher das sehen mag, ich glaube nicht, das man die immer in America suchen muss!
    Koennte da Stunden weitermachen, aber bringts wirklich was?
    Natuerlich will ich keinem auf den Schlipps treten, weder Dir noch Lisa, obwohl mir ein gewisser Gedankenaustausch wiederum recht gut gefaellt.
    Eine Antwort auf meine Frage an Lisa, warum sie denn letztendlich in Arlington war, waere trotz allem nett gewesen. Schade, das manchen die Worte in den Fingern stecken bleiben…
    T.

  • 7. Liz  |  17. März 2006 um 10:59

    …ich werde ein bisschen wütend, weil du partout nicht zu verstehen scheinst oder sehen willst, was ich sagen wollte. es gibt leute, die spucken auf arlingtons wege. und dass sie das tun, ist nur zeichen dieser dicken amerikanischen doppelmoral. da dürfen kleine kinder nicht “kill” sagen, aber den ganzen tag in army-klamotten rumrennen und mit spielzeugpistolen rumballern, während der große bruder hinter dem haus vögel abknallt. und dann spricht man von werten.

    für mich ist das gelogen und geheuchelt. setzt sich denn einer der im touristenbus herangekarrten (ständig muss man von der straße, weil wieder so ein bus an einem vorbeiwill) wirklich damit auseinander? mir kommt es so vor, als wolle man lediglich ein bild für´s photoalbum haben und dann geht´s weiter zur nächsten sehenswürdigkeit. als sei es sehenswürdig, wieviele leute ihr leben gelassen haben.

    ich habe nicht gesagt, dass die touristenbusse herangerollt werden, die kommen von selbst. das ist ja das seltsame. einen friedhof zu einem monument umzugestalten ist mir fremd und passt aber in mein bild, dass ich mir von amerika gemacht habe. doppelmoral, ich sagte es schon.

    “Ich bin zu jung, um beurteilen zu koennen ob vorangegangene von den USA gefuehrte Kriege “gerechtfertigt” waren, aber ich bin der festen Ueberzeigung, das die US Soldaten z.B. in den Iraq “aufgebrochen” sind, um erst Saddam zu beseitigen (freiwillig haette er ja wohl nicht abgedankt) um dann den Samen des Friedens zu saeen.”
    –> wie jung bist du, dass du so naiv bist?
    –> wer hat das recht, anderen leuten zu sagen, was richtig und was falsch ist? das hat man einfach so, das ist ja toll. was passiert denn dann übermorgen?

    “Egal ob das Iraqische Polizisten sind oder US Soldaten, fuer mich sind es Helden, die fuer ihre Ideale und den Glauben daran etwas zu verbessern ihr Leben lassen!”
    –> ich habe vor kurzem einen blogeintrag zu einem film geschrieben, der auf arte kam und von soldaten berichtete, die im irak stationiert sind. der eine sagte, er hoffe, dass seine kinder nicht so dumm sein werden, zur army und in den krieg zu wollen. mir scheint, als denkst du ein bisschen wie ein kind. was sind das für ideale?

    grundrechte und “fürs vaterland sterben” sind für mich sehr unterschiedliche dinge. und man stirbt nicht fürs vaterland, wenn man für bush in den irak zieht, man stirbt lediglich für bush und seinen ausgeprägten wunsch, sich aus angst vor machtverlust überall einzumischen. dass das auf ihn zurückfällt, sehen wir gerade zu genüge.

    werd erstmal erwachsen. ich behaupte nicht von mir, dass ich das bin. aber du erinnerst mich an die leute in den staaten, die z.b. mit einem funkeln in den augen von der kirche und dem glauben sprachen, die sich dabei in rage reden und alles andere und logische und menschlich fehlerhafte ausblenden. ein bisschen sektenhaft. deine worte von stolz und vaterland machen mir gänsehaut. nicht, weil ich aus deutschland komme und vielen menschen hier die wurzeln fehlen (das ist ein anderes thema), sondern weil es nicht mein charakter ist, meine identität auf den staat oder mein heimatland zu übertragen. ich bin ich und ich bin nicht deutschland.

    vielleicht hast du ein bisschen zuviel hollywood und ein bisschen zuwenig krieg gesehen (ich muss den nicht erst sehen, um im ansatz zu wissen, was er bedeutet)… wenn du noch so reden kannst.

  • 8. T.Little  |  26. März 2006 um 19:45

    Lisa,
    ich glaube nicht, das es ueberhaupt moeglich waere, Dich falsch zu verstehen. Deine Berichte ueber Arlington, Byron etc. sind ja doch mehr als deutlich!
    Allerdings bin ich etwas erstaunt, das „DU“ etwas wuetend bist, dachte eigentlich, das stuende eher mir zu!?
    Abgesehen davon, das Du Dir damit schon extreme Beispiele rausgepickt hast, ist es mir natuerlich bewusst, das Du mit deinen 21 Jahren vieles nur aus einem sehr eingeschraenkten Blickwinkel betrachten kannst und sich Deine Ansichten dies bezueglich dann natuerlich dementsprechend einseitig darstellen muessen!
    Es ist schon ein grosser Unterschied, ob man so wie Du mit Deinen Berichten ganz pauschal ein Volk beurteilt, oder dessen Regierung!
    Du sprichst von Touristen, die mit Bussen nach Arlington gekarrt werden, Photos machen, americanischer Doppelmoral und aehnlichem. Kommt es Dir nicht etwas zynisch vor, das genau “Du” zu diesen Menschen zaehlen zu scheinst? Welche Beweggruende moegen es wohl bei Dir gewesen sein? Willst Du mir etwa weismachen, Du warst in Arlington, um der Toten zu gedenken?
    Doppelmoral, fang doch mal bei Dir selbst zu suchen an….
    Wundert es Dich wirklich, wenn man das dann auch kommentiert?
    Ich dachte auch nicht, das es noetig waere, Dir zu erklaeren, warum es meistens genau die Menschen sind die zur Army gehen ,von denen Du in „4 Tage Byron“ schreibst!
    Nicht weil sie vielleicht hinter dem Haus auf Voegel schiessen oder die Kinder in Army-klamotten rumlaufen gehen sie zur Army!
    Schon mal bedacht, das sie anders als das bei Dir der Fall sein mag, keine kostenlose Schulausbildung geniessen konnten und oft mangels hoeherer Bildung „leichter“ von ihrer Regierung manipulierbar sind als andere?
    Ist Dir in Georgia nicht aufgefallen, das es einen ganzen Haufen armer Americaner gibt, die auf Grund ihrer schlechten Ausbildung sehr oft gar keinen anderen Job bekommen koennen um ihre Familien zu ernaehren, als die Army?
    Das sie dann auch ihren Job erfuellen muessen, egal wo das dann auch sein mag, ob sie es moegen oder nicht ist Dir klar, oder?
    Ich sprach von Idealen des einzelnen und nicht von Ansichten /dem Verhalten einer Regierung!
    Es ist auch ein grosser Unterschied, ob jemand zur Army will (muss s.o.), oder ob er in den Krieg ziehen will! Oder stellst Du die These auf, das jeder der zur Army geht, auch gleichzeitig ein Kriegsbefuerworter sein muss?
    Habe ich gesagt, das irgendwer fuer mich ein Held ist, weil er in den Krieg zieht?
    Allerdings muesstest Du es Dir ja eigentlich denken koennen, das ich meine Informationen anders als Du, aus erster Hand bekomme und mich nicht ueber TV informieren muss!
    Und mal ganz abgesehen von der Iraq sache, kenn ich persoenlich keinen americaner , der von Papptellern isst oder Voegel hinterm Haus schiesst, auch wenn’s solche wohl geben mag!
    Ich finde es schon fast witzig, wenn Du mir Naivitaet unterstellst und fast im gleichen Atemzug behauptest, US Soldaten wuerden fuer Bush in den Krieg ziehen, beziehungsweise wenn man bemerken muss, das Du doch tatsaechlich der Meinung bist, ein Praesident der USA haette die Macht als Einzelperson ueber Krieg oder Frieden zu entscheiden!
    In welcher Fantasywelt schwebst Du, wenn Du solche Weisheiten verkuendest?
    Krieg kann wohl keiner wirklich „wollen“, aber willst Du mir etwa weismachen , Du siehst in Bezug auf Machtansprueche oder wirtschaftliche Interessen einen Unterschied zwischen Bush, Schroeder, Putin , Blair und wie sie alle heissen?
    Zitat …“wer hat das recht, anderen leuten zu sagen, was richtig und was falsch ist?“…
    Dein jugendlicher Idealismus zeugt schon von sehr viel Lebenserfahrung, hmmmm….
    Wenn Du Dir die Muehe machen wuerdest, etwas mehr zwischen den Zeilen zu lesen, koenntest auch Du sehen, das ein Grossteil der Americaner diesen Krieg genau so wenig will wie Du und ich…., und trotzdem einen Sticker am Auto haben kann auf dem „Support our troops“ steht! Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun.
    Vielleicht hast Du ja auch den Sticker „bring the boys home“ der auch sehr viele Autos schmueckt nur nicht sehen „wollen“ ?
    Fuer Dich ist das wohl wiederum alles mit „fetter“ Doppelmoral zu erklaeren.
    Du solltest vielleicht Deine Themenwahl etwas ueberdenken, wenn Du dann am Ende die beleidigte, missverstandene Leberwurst spielen musst, wenn nicht jeder Deine Ansichten teilt!

  • 9. nachtschwester  |  30. März 2006 um 13:50

    Das ist ja eine ganz frustrane Dikussion zwischen euch.
    Thorsten, ein grundlegender Unterschied zwischen “uns” und “euch” ist, dass euch von klein auf Patriotismus und Nationalstolz ins Hirn gespült wird - indem ihr z.B., wie du sagst, jeden Morgen in der Schule die Pledge of Allegiance schwört. Und das habt ihr einfach absorbiert. Sind die Ideale der amerikanischen Verfassung im eigenen Land umgesetzt? Was war mit der Sklaverei, den native Americans, McCarthy, Vietnam? Ist euch egal. Ihr seid eben stolz, no matter what.
    Wir Deutschen dagegen wachsen in den Schulen mit Holocaust-Filmen auf, machen Ausflüge nach Auschwitz, lesen Anne Frank und über tragischen Helden des Widerstands, die Geschwister Scholl. Nationalstolz ist nicht Bestandteil der Erziehung, denn wir sollen kritische, unabhängig denkende Menschen werden, damit hier nie wieder eine Ideologie Fuß fassen kann, egal welche. Du sollst nur auf dich selbst und dein Gewissen hören, bevor du Entscheidungen triffst.
    So ist das bei uns. Deshalb können wir mit Begriffen wie “Soldatenehre” oder “für das Land kämpfen” nichts anfangen, und deshalb verstehst du und Liz euch nicht. Das hat nichts mit mangelndem Horizont oder Lebenserfahrung zu tun.
    Ich war noch nie in Arlington, aber mein Großvater liegt auf einem riesigen Soldatenfriedhof in Belgien. Ich hatte dort kein Empfinden von “Ehre” und hätte es auch nicht gehabt, wäre er auf Seiten, sagen wir Großbrittaniens gefallen anstatt für Hitlerdeutschland. Nur Trauer über die Sinnlosigkeit eines Verlustes, den meine Großmutter und mein Vater nie verwunden haben.
    Stellte sich die Frage, mich an einer internationalen Intervention meines Landes zu beteiligen, würde ich es tun, wenn ich von der Richtigkeit der Sache absolut überzeugt wäre. Für die Sache. Nicht für mein Land oder meine Regierung.
    Dabei bin ich stolz auf vieles hier. Ich lebe gern in Deutschland, gerade weil ich auch anderes kenne.
    Ich finde euren Streit hier typisch für euro-amerikanische Diskussionen, ich habe selber gerade darüber nachgedacht, wie wenig Gemeinsamkeiten eigentlich zwischen uns bestehen, wenn man mal ein bisschen an der Oberfläche kratzt.

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