Anschreiben schreiben an X
Es ist zum Ausrasten. Da schreibt man sich sonst die Finger wund und den Kopf blöd, da fallen einem unterwegs tausend Sätze ein, die man nicht verlieren will, da hat man Bilder im Kopf zu Musik und Musik zu Worten und Worte zu Bildern, aber wenn es dann mal drauf ankommt, krepelt man herum wie auf Krücken. Anschreiben schreiben macht mich zur Denklahmen, meine Worte sind plötzlich wie Steine im Mund, der Ausdruck mit Kleber verstopft. Gebt mir die Leichtigkeit zurück.
Jemanden, den man noch nie gesehen hat, von sich zu überzeugen, dabei glaubhaft und man selbst zu bleiben, ohne sich aber völlig zurückzunehmen oder zu überschlagen: es ist mir ein Gräuel. Ja bitte, schauen Sie sich meine Bewerbung an. Ja, um Gottes Willen, ich bin hoch motiviert und nicht doof dazu. Ja, ich bin jung, aber deswegen nicht dumm. Ja, ich hab noch nicht tausend Praktika gemacht, aber deswegen will ich ja zu Ihnen. Nein, ich kniepel mit den Fingern nicht am Saum meines Rockes, wenn sie mich einladen. Mir schlackern auch nicht die Knie. Vielleicht frage ich mich, wohin mit meinem Blick, aber das gibt sich ja, das gibt sich immer.
Sich selbst ins rechte Licht rücken ohne Schatten auf den Wangen zu machen oder die Stirn zu sehr glänzen zu lassen. Es ist wirklich das Schlimmste an so einer Bewerbung. Formulier mir in drei Absätzen, warum ich mir dein Journal überhaupt durchlesen soll, ohne dabei in Klischees zu stochern oder langweilig zu sein.
Witz, komm raus, du bist umzingelt.

Kommentare
Ich bin ja selbst auf der Suche und habe keine Praktikumsstellen zu vergeben. Aber mit einem derart leidenschaftlichen Anschreiben wärste bei mir stantepede engagiert, wenn ich was zu sagen hätte. Hätte, wäre, wenn. Festival der Konjunktive. Anyway: Meine Daumen sind Dir gedrückt!