Als Mindestdicke für die Tragfähigkeit gilt für eine Einzelperson: 4cm.

Sich mit einem Knie auf dem Boden aufstützen, das andere unter dem Kinn, damit man die Schuhe auch sieht, die man bindet, und den Bodenbelag. Mit der Fußspitze einen Kiesel wegschubsen, über die Kälte in Gedanken leise stöhnen und sie doch so vermisst haben, weil es einem schlagartig klar wird im Kopf, wenn man aus der Tür tritt, den Kragen hochklappt, die Hände verstaut. Und das Knacken in den Knien, auch das beim Laufen nur, erinnert an die alten Tage. Die Narben sind mehr geworden, und wenn man mit einer Nadel in die Umgebung piekt, merkt man gar nichts mehr. Auch wenn man das am Anfang nicht glaubt. Ist das einmal richtig gut verheilt, die Nähte einwandfrei, die Fäden gezogen, die Schwellung zurückgegangen, die Haut gut verwachsen, dann spürst du nichts mehr. Kein Haar verirrt sich dorthin, alles wunderbar Brachland. Die Schraube kannst du spüren, wenn du mit dem Finger langsam am unteren Rand der Kniescheibe entlang fährst. In der kleinen Mulde das Harte, damit haben sie es festgezurrt. Da rutscht nichts, das hält.

Sich mit dem Kinn auf der Hand aufstützen, die andere an der Stirn. Es liegt kein Schnee, aber blendet trotzdem. Manchmal ist es nur Gewohnheit, selbst im Dunkeln. Man sieht dadurch nichts besser, aber es fällt dir wenigstens nichts auf die Wimpern, das ist doch auch mal was, wir sind doch Optimisten, wir gucken brav geradeaus. Der Rückspiegel reicht und geht man nach Hause, wird der ebenso brav nach innen geklappt. Die Treppen hinauf, mit der Hand in der Tasche schon den Schlüssel gesucht, wir verschwenden keine Zeit, nur Namen. Mit einem großem Schwung haben sie die Stadt leer gefegt und zurück bleiben alte Damen in Pelzmänteln und ein paar Verirrte, die Mützen tief in der Stirn. In dieser Zeit schneit es hier selten, das war schon immer so. Man klopft sich die Hose ab, wenn man wieder aufsteht und die Schuhe richtig sitzen, ich hätte mir auch mit lautem Geräusch die Klettverschlüsse auf- und zukleben können. Doch du drehst den Kopf plötzlich hin zum Wasser und bewegst dich nicht mehr. Die Enten können schon drauf stehen, schieben ihre Fettbrüste mit Schwung auf die dünnen Platten. Das Kind nimmt Anlauf für nichts. Und die ganze Zeit klirrt es an den Schiffsbäuchen, dem Steinufer, eingewachsenen Bäumen. Unaufhörlich ein leises Zischen, fast ein Zwitschern von zu dünnem Eis.

Liz hat es verfasst, und zwar am 27. Dezember 2007 um genau 0:49 Uhr.
Kategorie : Berlin

4 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. reisch  |  27. Dezember 2007 um 11:00

    ist die stadt wirklich so leer gewesen, wie ich sie mir vorstellte?
    auf dem dorf tummelten sich die firmenwagen und verursachten einen stau und noch einen weiteren - bestimmt.

  • 2. Liz  |  27. Dezember 2007 um 11:32

    @reisch. das waren sie. in meinem heimatbezirk, dem heutigen mekka der zureisenden, waren die meisten fenster dunkel und auf der straße musste man suchen, um jemanden zu finden.

  • 3. lars  |  28. Dezember 2007 um 12:01

    hallo liz, ich lese dich zwar erst seit sehr kurzer zeit und auch nur sporadisch, aber du hast eine tolle art zu schreiben. schade, dass ich nicht bei der lesung dabei sein konnte, wenn du nur annähernd halb so schön vorliest, wie du textest,…

    werde hier gerne wieder reinschauen und schmunzeln. bis bald und gutes ankommen im neuen jahr. auch wenn man sich das ja lieber direkt in die visage sagt.

  • 4. Liz  |  2. Januar 2008 um 10:57

    @lars. Danke für die Blumen. Und vielleicht gibt es ja bald wieder eine Gelegenheit, sich über den Weg zu laufen. Wer weiß. Ein schönes neues Jahr. Ich freu mich ja immer sehr von denen zu hören, die hier mitlesen.

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