A sound from your left lung
Heute morgen auf dem Fahrrad hab ich gemerkt, dass sich diese eine Melodie eingenistet hatte. Auf ihrem Platz und mit den Erinnerungen, die damals beim Erscheinen der Single noch Gegenwart waren. Es war immer normal, dass sich damit eine kleine Kälte auf den Schultern breitmachte, und mich die Angst, die eigentlich im Nacken saß, plötzlich biss. Es war zur Gewohnheit geworden, dass ich leise mitsummte, während ich das Kratzen des Schals noch spürte und mir die Nummern vor den Augen tanzten, die ich den Tagen gegeben hatte. Das Fahrrad machte auf den Gehwegplatten ein hartes Geräusch, es klapperte und mühte sich, während mit der Beat einen Arschtritt verpasste. Ich konnte nicht stehenbleiben und ich dachte, es müsse immer weitergehen so, das könne ja gar nicht aufhören. Es dürfe nicht.
Das Lied hatte es sich in meiner Unsicherheit gemütlich gemacht, war von Bande zu Bande geschlittert, hatte die Grenzen wahrhaftig ausgereizt. Und ich bot ihm die Stirn, kniff die Augen zusammen, weil die Umstände das verlangten. Und weil ich es wollte. Weil ich daran glaubte, dass Durchhalten hilft und man sich mit dem Frühling entspannte. “Alles wird gut, du musst den Winter nur aushalten.” Ich summte und klapperte mit dem Winterstiefel im Takt. Immer und immer wieder. Während ich darauf hoffte, dieses Lied würde nie gehen, damit ich meinen Antrieb nicht verliere, verpasste ich den Moment, in dem es nutzlos wurde. Im Sommer hatte ich es beiseite gelegt, weil der Frühling die Erwartungen nicht erfüllte. Trotzig, wie er war. Und er war sowieso ein Verwirrter, ob Anfang ob Ende, er und ich wussten nicht so genau, was wir nun miteinander anfangen sollten. Notgedrungen ist er dann abgereist und ich habe mich dem Sommer an den Hals geworfen. Es ist so nett, wie schnell sie sich immer abklatschen und den Stab übergeben. Und wie sie einen ansehen dabei.
Heute morgen dann hörte ich wieder das Geräusch des schlecht aufgepumpten Reifens auf den Gehwegplatten. Gleichzeitig stieg mir der Geruch erster Heizungen in die Nase und ich erschrak, als plötzlich Karl Rasmus auf meinem Gepäckträger saß und mich ins Ohrläppchen biss. Ich wäre fast überfahren worden, das Gefühl von damals war für den Moment einer Schocksekunde zurückgekehrt. An der nächsten Kreuzung bat ich ihn, abzusteigen und den Rest zu Fuß zu gehen. Mit meinem platten Hinterreifen fuhr ich an ihm vorbei. Und mein Herz raste ohne Vorwarnung in den nächsten Lastwagen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 28. September 2006 um genau 14:32 Uhr.
Kategorie : Ton
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