(9) Inspiriert sein - mit Chrischa Oswald

Mittlerweile ist März, die Bäume und Sträucher sind alle grün gepunktet, bisweilen auch gelb. Und es scheint, als krieche der Winter dieser Tage langsam zurück in sein Loch. Zum Beginn der Woche also ein Gesprächsfetzen zu der Schwelle zwischen Gedanke und Tat, Idee und Umsetzung. Es antwortet: die Künstlerin Christina M. Oswald.

Hast du einen Ort für Ideen?
Das ist eine gute Frage, weil sie genau mein Problem anspricht. Es gibt keinen konkreten Ort. Die Folge davon ist: Meine Ideen wälzen sich durchs Bett, wachsen aus dem Traum, liegen verstreut auf Zetteln an diversen Plätzen meiner Wohnung, warten verlassen als digitale Datei, dass ich auf sie zurückgreife, sie hängen in Kopfwinkeln und verschwinden dann manchmal auch wieder, bis dieses “…da war doch was…” sie womöglich noch einmal vor dem endgültigen Abschied bewahrt. Manche Ideen liegen auch halb angefangen in Schubladen oder sind einfach gewisse Begegnungen, Wörter, Banalitäten, Materialien etc, die darauf warten, zu etwas Konkretem zu werden. Ich denke, dass die meisten Ideen immer in “unpassenden Momenten” kommen, wenn ich sie gerade nicht so gut festhalten kann. Und auch ziemlich oft im Bett, vorm Einschlafen oder nach dem Aufstehen, naja und auch im Traum manchmal. Eigentlich ganz gut: Ich kann ins Bett gehen und sagen, ich arbeite.

Und welchen Weg nimmt die Idee, bevor sie durch deinen Stift auf einem solchen Zettel landet?
Ich hole sie nur am Bahnhof ab, aber die Reise an sich verläuft irgendwo zwischen Impuls, Überlegung/Hinterfragen und Recherche (wobei die manchmal erst viel später kommt, wenn die Idee schon mal auf dem Zettel steht). Meistens gibt es irgendwas, das mich “inspiriert”. Dann denke ich darüber nach, mit welchem Medium ich das verarbeiten könnte und ob es überhaupt Sinn macht bzw. interessant oder relevant genug ist, um es zu realisieren. Oft scheitert es genau daran, dass mir zwar ästhetisch etwas einfällt, aber ich das Gefühl habe, dass da noch etwas fehlt, das dem Ganzen am Ende eine Relevanz gibt und über die Ästhetik hinausgeht. Dann muss die Idee wieder in die Warteschleife und irgendwann darf sie dann vielleicht wirklich landen.

Wo hat die Reise der schönsten Idee angefangen?
Auf irgendeine Weise ist jede Reise schön, weil anders. Und mir sind die Projekte auch größtenteils gleich wichtig. Diejenigen, die mir noch einmal auf einer persönlichen Ebene am meisten bedeuten, wurden geboren in der Zukunft, der Begeisterung für Lampions und der Faszination für meine Oma , im T€DI-Ramschladen , im Ganz-oder-Gar-Nicht-Gefühl, dem Blick aus dem Fenster und der Beklemmung.

Heute schon gearbeitet?
Ich würde sagen, ja. Ein bisschen für ein Projekt gezeichnet und ein Interview gegeben. Email-Korrespondenz. Internetrecherche. Und sonst halt Hausfrauenpflichten, die durchaus auch mit dem Wort Arbeit zu würdigen sind. Gestrickt hab ich auch ein bisschen, aber ich glaub, das gilt jetzt nicht. Überarbeitet hab ich mich heute aber definitiv nicht…Wer weiß aber, was noch an Inspiration und somit auch “Arbeit” auf mich wartet, wenn ich ins Bett gehe.

Liz hat es verfasst, und zwar am 10. März 2008 um genau 10:42 Uhr.
Kategorie : Sein

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