Ich stehe hier im Garten…

…voll mit Deppen und muss warten, bis irgendeiner alle wegscheucht…”
(Samba)

Szene 1.
Morgens. Lisa sitzt auf der Bank an der Warschauer Straße, nach nur wenig Stunden Schlaf, entnervt, weil zu spät und auf dem Weg zu diesem blöden Kurs. Caro kommt auch zu spät und wir verpassen die U-Bahn, weil irgendein Typ möchte, dass Caro sich eine Pappscheibe vor die Nase hält und etwas in seine Kamera brabbelt. Dann der, der mit Regenbogen-Batik-Shirt und einer Peace-Zeichen-Kette vor uns steht und die Straßenzeitung verkauft. Seine Wollmütze kringelt sich mit den Locken um die Wette. Ja, er ist nett, ja, ich gebe ihm Geld, nein, ich will keine Zeitung. Dann kommt seine Dankesrede, die ich nicht wörtlich aber doch sinngemäß wiedergeben kann.

Er: (mit Engelsstimmchen): “Als Dank dafür, dass du mich unterstützt, gebe ich dir einen Tipp. Lächle direkt nach dem Aufstehen!”

Ich: (Skeptischer Blick nach oben und eigentlich nur der Wunsch in Ruhe gelassen zu werden)

Er:“Glaub mir, es hilft. Das wird einen völlig anderen Menschen aus dir machen. Du musst einfach nach dem Aufwachen ein großen Lächeln in dir ausbreiten. Denn Lächeln ist kein Gesichtsausdruck sondern ein Zustand. Das Leben wird sich dir zuwenden, der Tag wird dich anlächeln. Und wenn du das jeden Tag machst, wird sich alles komplett verändern!”

Ich: (Ein Blick in seine Augen und in Gedanken im gestrigen Abend, an dem mir noch gesagt wurde, ich sei zu naiv. (Zweite Klammer im Kopf: Naiv macht schief. Und ich laufe noch recht gerade. Und ein Gutmensch bin ich mit Sicherheit auch nicht) Also die Frage im Kopf: Wer ist hier naiv, HE HE?)

Er brabbelte noch weiter (”Ihr müsst viel spontaner sein, den Menschen spontan ein Lächeln schenken…”), aber hatte sich schon abgewandt. Ein Lächeln fand mich ja wirklich und er uns dann auch noch einmal in der Bahn Richtung Uni.

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Szene 2
Rückfahrt. Powerpoint hat mir die Powerpoints geklaut. Diagramme und Designvorlagen dieses Programms haben mir die Birne weichgekloppt und der Typ schräg hinter mir kann einfach seinen Mund nicht halten. Das ist die Sorte Mensch, die jegliche Bewegung von Materie kommentieren muss. Wäre morgen nicht der letzte Tag, ich hätte ihm seinen dämlichen Akzent um die Ohren gehauen und ihm das Maul mit Gaffa gesperrt. Es tut mir leid, dass ich hier so ausfallend werde, aber manche Menschen haben einfach kein und noch weniger als kein Gefühl für die simpelsten Bedürfnisse der Mitmenschen.
Wir sitzen also in der Bahn. Ein Pärchen steigt ein. Caro und ich schauen uns an und das Lächeln wurde zu schallendem Gelächter allererster Kajüte. Grund war der Aufzug dieser zwei Menschen, die nicht noch mehr mit ihrem Outfit nach Aufmerksamkeit heischen konnten. Ziel erreicht.
U-Bahn-Begegnung Nummer Drei war wieder von bekehrender, aber musikalischer Natur. Akkordeon wurde mit Rap vertauscht. Super Sache an sich. Wenn mich nur nicht heute anscheinend alle zu mehr Liebe und Lächeln in dieser ach so grauen Stadt überreden wollen würden. Ich kann es nicht mehr hören. Würde euch allen so sehr die Sonne aus dem Arsch scheinen, wie ihr immer predigt, bräuchten wir keine Energiesparlampen mehr.

Liz hat es verfasst, und zwar am 30. März 2006 um genau 23:06 Uhr.
Kategorie : Berlin

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