4 Tage Georgia

Ein amerikanisches Dorf, wie man es aus den Filmen kennt. Riesige Grundstücke, keine Zäune. Soziales Miteinander ist ebenso verpackt. Es reicht immer bis zur Tür. Ob Haus, Auto, Kirche, Supermarkt, Fitnesscenter. Und dazwischen sind Straßen. Gerade breite Wege, an deren Abfahrten die Schilder erzählen, welche Fressstationen ansässig sind. Überall kann man Autos kaufen, überall kann man essen, hier und da ist auch mal ein Arzt oder ein Bowlingcenter.

20h Showprogramm. Und sogar nachts ist es nicht vollkommen still, da rattern Luftreinigungsstation und Ventilatoren um die Wette. Ein Fernseher in fast jedem Zimmer. Die Kinder trinken den ganzen Tag Sprite, aber der Tee wird mit teurem Ersatz-Bio-Zuckermittel gesüßt. Das Essen ist ständig Mittelpunkt und doch immer nur nebenbei. Man schaut Fox News und zum Frühstück gibt es PopTarts für den Jungen. Nicht getoastet, gleich frisch aus dem Karton. Man isst von Papptellern und trinkt aus Pappbechern, nur der Kaffee (einen dreiviertel Löffel auf 5 Tassen) wird in Porzellanbechern zu sich genommen, abwaschen ist doof, da guckt man lieber fern. Eine große Mülltüte reicht für einen Tag.

Man verbietet den Kindern “kill” zu sagen, aber kauft ihnen Sturmmasken und Armyklamotten, in denen sie die ganze Zeit Soldat spielen. Hinter dem Haus geht der große Sohn schießen. Mit den Spielzeugwaffen zielen die Kleinen auf Menschen. Spricht man hier von Doppelmoral oder Naivität? Als sähen sie die Dinge nicht mehr in ihren Händen, wenn sie ihre Namen nicht aussprechen.
Dem Mädchen wird gesagt, es darf nicht raufen, weil es ein Mädchen ist. Mit den Hunden spielen, das darf es. Davon gibt es ein halbes Dutzend hinter dem Haus. Der ganze Garten ist voll davon. Garten ist vor allem Wiese.

Am Straßenrand bleiben die Baumwollbüschel im trockenen Gras hängen, daneben schlafen Unfallruinen. Schilderwald Autowald. Man kann nur vermuten, dass in diesen langen, wabernden Würmern aus Blech Menschen sitzen. Draußen sieht man kaum welche davon. Man ahnt die Gesichter hinter den getönten Scheiben, die Bäuche hinter den Lenkrädern. Und in den kleinen bunten Häuschen am Straßenrand, auf deren Parkplätzen einem das Fett ins Gesicht schlägt, sammeln sie sich. Man sieht sie hier und da an den Tankstellen und Drive-In-Schaltern. Dazwischen ist Asphalt und flattern Fahnen im Wind. Die gehören zum Bild wie die aufgeklebten Schleifen auf den Heckscheiben, auf denen steht: “Support Our Troops”.

Auf dem Soldatenfriedhof stehen die Steine in Reih und Glied. Wenn man im richtigen Winkel draufschaut, bleibt nichts ausser den Namen auf weißem Stein. Selbst in den Gedenkstätten sind die Wege breit und asphaltiert, auch hier läuft man nicht, sondern fährt mit dem Auto durch. Die Tafeln stehen so, dass man sich nicht recken muss, um sie lesen zu können. Und der Picknickplatz ist gleich nebenan. Macht den Gedanken zu einem Familienausflug, packt Sprite ein und Chips. Asphaltiert die Geschichte und das Gedenken, bis es in kleiner Form auf dem Backblech liegt. Ich warte auf den Tag, an dem man Gedanken im Supermarkt kaufen kann. Tiefgefroren, für die Mikrowelle. 3 Minuten warten, dann macht es pling und wem das nicht reicht, der schiebt den Rest auf Gott. Das soll so sein, der macht das schon. Alles ist gut. Und jeden Tag frische Handtücher.