24 things

1.
Ich möchte, dass du morgens weißt, dass es okay ist, wenn du noch liegen bleibst. Wenn du die Hand ausstreckst zur kalten Stelle auf dem Laken. Dass es okay ist, wenn du fluchst, weil du dich mit der Nase im Traum an der Raufasertapete gestoßen hast, an der Hauswand, an einem Knochen oder dem Loch, in das dein Kissen immer fällst.

2.
Wir könnten eine Sprache haben, die ohne Laute und ohne Hände funktioniert, einen Fußcode, bei dem man die Zehen nicht sehen muss, es aber auf Zentimeter ankommt. So könnten wir an einer Bushaltestelle stehen, uns längst vergessen haben, aber ich wüsste beim Blick auf deine Schnürsenkel, dass du noch weiß, wie ich heiße.

3.
Ich will, dass du ein Bildtelefon hast für die Strecken, die du nicht mit dem Bus zurücklegst. Vielleicht würde meine Kamera an den Enden meiner Hosenbeine baumeln und ich könnte dir erzählen, wie das Wetter im Kopf gerade ist. Auch wenn du U-Bahn fährst.

4.
Dass du dir einen neuen Menschen in dich hineindenken kannst, der nicht so aussieht wie du und nicht so denkt wie du, der einen leeren Kopf hat, und immer wenn du etwas gesagt hast, was du nicht sagen wolltest, dann war er´s.

5.
Dass es beim Zähneputzen nie blutet, dass die Zahnseide nicht einschneidet oder die Zahnbürste auf der glatten Oberfläche quietscht. Dass du nie einen Krampf im Ellbogen bekommst, weil du so pedantisch bist.

6.
Ich möchte, dass du immer Stoppersockennoppen unter deinen Füßen hast. Wenn du es eilig hast und die Ampel zu lange braucht, wenn du auf glattem Parkett um die Kurve zum Wasserkocher willst und wenn du meinst, etwas aufgeben zu müssen, dass dir viel bedeutet hat. Immer einen Moment Halt.

7.
Dass sich immer in irgendeinem Schornstein, einem Ast oder in einem Haarnetz eine Sternschnuppe verfangen hat, die sich dann freikämpft, wenn du es nicht erwartest.

8.
Der Geruch von warmer Mandelmilch.

9.
Dass jemand nachts etwas an deinen Spiegel schreibt, indem er von dir träumt.

10.
Das Gefühl vom Vorankommen und wie sich die Straßenzüge und Gesichter, das Licht und die Farbe des Himmels verändern, je weiter du fährst. Das Nicht-Verpassen der Station.

11.
Dass es ruhig und gleichmäßig atmet, wenn du die Hand darauf legst.

12.
Du findest eine Kastanie im Wald, steckst sie in die Hosentasche und verlierst sie nicht.

13.
Dass es jemanden gibt, der auf deiner Hochzeit eine Rede hält, bei der du Gänsehaut bekommst.

14.
In Gedanken kannst du die Dinge zurückspulen. Ein Animated Gif draus machen. Langsamer erneut abspielen. Dir jede Sekunde merken. Das Flackern ausblenden.

15.
Du machst ein Photo von jemandem in einem der ersten Momente, und später, wenn du die Bilder entwickeln lässt, ist niemand zu sehen. Dass du für einen kurzen Moment glaubst, du hättest ihn dir nur ausgedacht.

16.
Du drückst auf einen Knopf und dein Leben wird zusammengedrückt. Es kommt als Muster aus dem Drucker, als aneinandergereihte, schmale, bunte Streifen. Und es sieht so aus, dass du es an eine weiße Wand deiner Wohnung hängen würdest.

17.
Dass du den Hebel umlegen kannst.

18.
Dass niemand an deiner verschwitzten Hand abrutscht, wenn es drauf ankommt.

19.
Es vergehen Jahre, der Dampf kondensiert an den kühlen Schreiben und läuft gleichmäßig in dich hinein. Am Ende stehst du so in dir, wie du sein willst. Aus den wichtigsten Dingen, den schwersten und den leichtesten, aus vielen Farben wird es am Ende durchsichtig. Und ganz klar.

20.
Eines nach dem anderen.

21.
Wir erkennen uns von weitem.

22.
Ich werde nachts wach, obwohl niemand klingelt und kein Wind weht und der Fernseher ist nicht mehr an und auch die Fenster sind alle geschlossen, im Kühlschrank brennt Licht. Und ich werde nur wach, weil du vergessen hast, vor dem Schlafengehen genug zu trinken.

23.
Manchmal fängt in deinen Händen etwas an zu glänzen und danach riechen sie nach Orange.

24.
Die Sache mit den Sternen ist ja die, dass es sie eigentlich schon nicht mehr gibt und man sie trotzdem sehen kann. Dann taucht jemand auf. Und du malst Karten und rechnest die Zeit danach, obwohl es ihn längst nicht mehr gibt. Dass du das kannst.