Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Monat: Mai, 2011

Fathom

Carmi

Mit der Zeit lernt man, Abstände einzuschätzen zwischen hier und dort, dem einen und dem anderen, dir und mir. Wir schauen einander an und wissen, da ist noch eine ganze Menge Platz und das wird weniger mit der Zeit, wir sehen einander an und wissen, dazwischen liegt eine ganze Menge Holz und das geht nicht weg. Manchmal, wenn wir Zeit mit dem ganzen Rest verbringen, sehen wir herüber, kurz nur und meistens unbewußt, um uns zu vergewissern. Bist du noch? Ich bin noch da. Wie weit bist du fort? Du kannst mich sehen. Und manchmal zieht ein Nebel auf, den man erst wahrnimmt, dass man einander kaum noch sieht. Und manchmal geht das ganz schnell, weil sich Mauern bauen, wo man sie oft nicht vermuten würde. Manchmal stubst die Nasenspitze plötzlich eine andere Nasenspitze an, wo man eigentlich sonst nichts außer Wind und Weite vermutet hätte. Und hin und wieder fasst man ins Leere dort, wo eigentlich seit Jahren etwas war. Irgendwann einmal hat uns jemand einen Zollstock geschenkt und auf die Seite den eigenen Namen mit Kugelschreiber geschrieben. Irgendwann einmal stellten wir fest, dass wir tatsächlich ein Maßband besitzen. Aber meistens peilen wir nur über den Daumen, meistens haben wir keine Ahnung davon, wie weit es wirklich ist, nur wie es sich anfühlt, und am Ende ist nicht wichtig, wie viele Schritte du gehen musst, sondern wie lange es dauert, sie zu gehen, um sich zu begegnen. Es geht nicht darum, die Schnur straff sondern darum sie fest zu halten.

Zunutze

Universe

Den Ärger gebrauchen, um etwas anderes daraus zu machen. Man braucht eine Weile dafür. Anfangs steht man da und wird umgeworfen von seiner Wucht, von Dingen, die Menschen anderen Menschen so antun, weil ihnen nichts besseres einfällt oder nichts schlechteres. Und in manchen Fällen hast du nicht einmal wirklich was damit zu tun, in mehr Fällen, als du denkst, ist das wirklich so. Dass es Zufall ist, ein Versehen, irgendeine wahllose Aneinanderreihung von Umständen, in die du hinein stolperst, ohne dass auch nur jemand deinen richtigen Namen kennt, und schon hast du eine Latte am Kopf oder eine Zecke im Herzen. Sowas geschieht, weil irgendjemand irgendwo einen Schuhkarton aus dem Regal nimmt und damit Staub aufwirbelt, der sich wiederum absetzt auf einem Schalter, welcher dann macht, dass Dinge explodieren. Nun gut.

Früher hätten wir uns aufgeregt, Kratzer abgeleckt und mit Salbe bestrichen, wir hätten aufgeschrien, die Flucht ergriffen, einen Angriff gestartet, in jedem Falle gekämpft, ob in die eine oder andere Richtung aus Hilflosigkeit, weil so ein Schmerz sehr viel Beton sein kann. In der Menge kann einem so etwas Angst machen, es kann einen zum Fortlaufen zwingen, mitunter sogar in Höhlen, aus denen man nicht von heute auf morgen wieder herauskommt.

Was gut ist: Wenn man es raus hat, die Wallung, in die das Hirn durch Schmerz gerät, zu nutzen, aufzufangen, aus der Unwucht etwas zu machen, die Energie zu speichern, die Veränderung zu erkennen, den Wortlaut umzuformen, damit du am Ende als derjenige dastehst, der weiß, was passiert ist, der sich erinnern kann, der da durchkommt, derjenige, der etwas mitgenommen hat daraus, weil man immer etwas mitnehmen sollte, nicht nur ein Zucken der Augenbrauen, nicht nur Schrecksekunden. Du kannst dir immer sagen: Das sind alles Geschichten, alles neue Zeilen. Du kannst dir immer sagen: Das, was weh tut, wird eine Figur. Wenn du das übst, das mit der Hitze und dem Antrieb und wie man aus dem einen das andere macht, dann wird es beim nächsten Mal leichter. Und du größer, nicht härter.

I dedicated my book to him. For a reason.

You don’t know how good you are.

Spring

Die einen, die da sind, die müssen sich nichts mehr verdienen, die haben all die Jahre ausgehalten, mitgemacht, sind gerannt und gelaufen mit einem, die bleiben einfach in der Hand und am Herzen kleben, auch wenn man einen Moment nicht aufpasst, auch wenn sie mal müde werden, die bleiben. Und die anderen, die kommen manchmal neu dazu, und man wartet kurz, um sich zu gewöhnen und dann gehen sie wieder. Die einen mit Lautstärke und die anderen ohne einen Ton. Hin und wieder kommt jemand zurück, meistens bleiben sie einfach fort und als Ahnung hinter dem Ohr, manchmal nehmen sie alles mit, was an sie erinnern könnte, manchmal sogar noch mehr. Selten ist es, dass jemand neu dazukommt und bleibt, ohne dass man etwas dafür tut. Aber wenn das passiert und man einfach da sitzt und sich anschaut, dann wird es warm, dann bleiben keine kalten Hände. Wenn man solche hat, die wichtigen, die dazugehören ohne Einrichtung zu sein, und die, die ohne Anlauf an Bedeutung gewinnen, wenn man solche hat, ist es ein großes Glück. Eines von der Sorte, das, wenn es einmal da ist, wie ein Wetter einfach mitkommt überallhin.

Bedrucktes Papier im Mai.

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In der neuen Ausgabe des PAGE Magazins kann man mich gleich zweimal finden. Aus unserer Reihe “Lisa erklärt ihre Hobbies” dieses Mal: Lisa und ihre Idee “How to look like your shirt print” sowie alles zum Thema “Lesen und gelesen werden”.

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