2010: Das Jahr der guten Dinge

Ich hatte beschlossen, dies müsse das Jahr der guten Dinge werden. Ich hatte es einfach so beschlossen und gewartet dann. Und obwohl vieles letztendlich als Katastrophe begann, wurde am Ende alles gut. Und trotzdem es all diese Kräfte kostete, lagen wir später grinsend in den Kissen, wir bekommen nichts geschenkt, wir möchten auch nicht. Ich habe losgelassen und bin dem Vertrauen näher gekommen. Es war ein gutes Jahr, ein Traum ist wahr geworden, mein erster. Und ich habe mir rechtzeitig einen neuen zurechtgelegt. Ja sagen, von ganzem Herzen. Immer wieder. Denn es war auch das Jahr der großartigen Menschen in meinem Leben.

Januar
Schnee1
Wien
Schnee2

Das Jahr begann mit Everything Counts von Depeche Mode. Es ging weiter mit gedrückten Daumen, weil ständig Menschen ins Krankenhaus kommen, die da nicht hin gehören. Ich habe zwei Lieder (1,2) gemacht, den Geburtstag einer wundervollen Person gefeiert und sehr viel Bill Cosby geschaut. Ich habe Herzen im Schnee gefunden und Wien besucht. Jemand hat mich bei der Hand genommen und das Warten hatte ein Ende. Mein erstes Buch habe ich in den Händen gehalten und abends im Schwimmbad das Glasdach bewundert. Morgens nach einer Nacht im Pudel am Wasser gestanden, die Kräne angeschaut und auf dem Weg durch den Schnee nach Hause war ich mir sicher. Ich war mir allem sicher. Der Januar war At The Drive In, The National und Everything Is Made In China. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben etwas gewonnen, nämlich meinen Blick damals vom Taipeh 101 gedruckt für die Wand. Zwei Bücher gelesen, unter anderem John Green.

Februar
Uhr
HH
Kühlschrank

Ich habe noch ein Lied gemacht (3). Das Buch ist erschienen und ich bin ihm ein paar Mal in Buchläden über den Weg gelaufen, ich habe mich bis heute nicht an dieses Gefühl gewöhnt und erschrecke jedes Mal wieder. Ich habe mich in einen kleinen Kaossilator verliebt und in ein riesiges Schloss aus Götterspeise aus “Cloudy with a chance of meatballs”. Jedes Jahr ist im Februar ein Geburtstag, zu dem es keinen Menschen mehr gibt aber viele Orte. Ich bin dann immer einer davon. Betrunken bin ich geworden von zuviel Hustensaft und vor meinem Haus hoppelten Hasen durch den Schnee. Der Februar waren Seidenmatt, Joanna Newsom und Gisbert zu Knyphausen. Das erste Paar Kopfhörer ging zu Bruch und ich habe mir einen neuen Organspendeausweis zugelegt. Innen drin habe ich mich sehr bedankt für all die Reaktionen auf das Buch, für die Lesungen, für all diese Menschen. Außen hoffentlich auch.

März
Trio
Hole
Skirt

Ich war auf der Buchmesse in Leipzig und habe Bielefeld besucht. Lars hat auf der Release-Lesung in Berlin gesungen und ich war sehr gerührt. In Bielefeld habe ich seit Jahren mal wieder Ligretto gespielt und später bewiesen bekommen, dass ich niemals werde für einen Bodyguard bezahlen müssen, weil ich die besten in meiner unmittelbaren Umgebung habe. Der März waren Foals und Pantha Du Prince. Ich habe das erste Waffeleis des Jahres auf der Schanze gegessen und im weichsten Hotelbett der Welt gelegen. Ich besitze seit März einen Donut-Ring.

April
Rosa
Nah
Fern

Im April habe ich Weidenkätzchen geschenkt bekommen und den Kongress für Anders besucht. Zum ersten Mal habe ich auf einem Flomarkt ein gut sitzendes Kleidungsstück gefunden ohne suchen und viel Geld bezahlen zu müssen. Ich war auf der re:publica und habe in Graz sowie im Hamburger Literaturhaus gelesen. Man konnte zum ersten Mal barfuß im Park liegen. Ich habe Ostereier gefärbt und Statistics gehört. “Wir sind wie Mischgemüse, wir gehören zusammen.” Ich bin durch Mitte gelaufen durch die Straßen meiner Kindheit und habe geguckt, was noch übrig ist.

Mai
Boot
Kopf
Feuer

Wir haben gemeinsam “How to look like your shirt print” zum Leben erweckt und ich habe mich daraufhin mit der Bild gestritten. Ich habe eine weitere große Entscheidung getroffen und mir zur Belohnung Mutantengänseblümchen gekauft. Berlin hat mich wieder bekommen und ich habe dort auf den Deutsch-Israelischen Literaturtagen gelesen und über Heimat gesprochen. Ich habe The National & einen der schönsten Halbmonde live gesehen und Thomas Pletzinger gelesen.

Juni
Eis
Füße
Rucksack

Ich habe einen neuen Schreibtisch bezogen und eine neue Wohnung. Ich habe sehr viel Eis & sehr viele Brausestäbchen gegessen, einen Schreibtischstuhl allein aufgebaut, das zweite Paar Kopfhörer geschrottet und zu zweit zu “Radar Detector” getanzt immer wieder. Serj Tankian hat im Admiralspalast gesungen und ich wünschte mir einen großen Rasenmäher und eine Wiese dazu. Schulklassen haben vor den Sommerferien mein Buch im Unterricht gelesen. Frank Giering ist gestorben und alles war voll mit winzigen Resten von Wolken, alles war ganz weiß. In Mitte haben wir eine T-Shirt-Party gefeiert und Fußball geschaut.

Juli
Tinka
Janine
Lisa

Ich habe Stralau zurückerobert und vor der Arbeit sind wir zum Badeschiff gefahren. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Schuhe gekauft, deren Absatz höher als 3 Zentimeter ist, sowie mein erstes Kunstwerk. Gisbert zu Knyphausen hat zwei wunderbare Konzerte gegeben. Der Juli waren Hundreds & Fanfarlo. Die Loveparade ist passiert. Und ich habe damit begonnen, jeden Tag ein Foto zu machen. Der weiße See war meine Zuflucht.

August
ostsee
Oskar
Lenken

Ich habe im Atrium der FAZ über das Buch gesprochen und Abende auf der Modersohnbrücke verbracht. Es war ein bisschen wie früher. Christoph Schlingensief ist gestorben und ich habe viel an ihn gedacht. Der August gehörte Troels Abrahamsen. Wir sind ans Meer gefahren und ich habe einen Elefanten geschenkt bekommen.

September
Fofel
Tape
Jump

Ich habe mich gesorgt, ich habe mich zurück verfrachtet gefühlt und trotzdem funktioniert. Ich habe gekämpft und gehofft und es ist gut gegangen am Ende. Ich habe auf dem Weg ins Krankenhaus die ersten Kastanien gefunden und wurde photographiert. Jónsi war der September. Auf dem Dach des Tresors hat mich die Sonne geblendet. Wir haben in der Schaubühne gespielt und gelesen, Lady Gaga gecovert und einen wunderbaren Abend verlebt. Als Stars auf dem Dach des Hostels gespielt haben, zwei Meter von mir entfernt, da habe ich gehofft, dass ich es mitnehmen kann, behalten.

Oktober
Weg
Gefüß
Büro

Ich habe die Dame verabschiedet und ihr nachgewunken, ich war in Hamburg und bei diesem emotionalen Abschiedskonzert im Admiralspalast. Ich habe in Lüdenscheid gelesen und hatte wundervolle Begleitung. Mein Geburtstag war großartig, so auch der größte Kuchen der ganzen Welt. Der Oktober war Geoff Farina und Seabear und eine kleine Sehnsucht nach Hamburg. Ich stand in einer Halle und jemand hatte ungefähr eine Million Papierschmetterlinge über mir aufgehängt.

November
Lisa
Mallorca
Katzen

Die Arbeit war viel und ich oft in Hamburg. Foals, Escapado und Gaslight Anthem haben mir den Kopf durchgepustet live. Hamburg ist ein Stück nach Berlin gerückt und München wieder zurück nach Hause. Und wir haben der Stadt den Rücken gekehrt und sind auf die Insel geflohen, die so verlassen lag wie der Planet der Affen. Ich habe gemerkt, wie weit es wirklich ist bis San Francisco und einen Fotoband gekauft nur wegen eines Spruchs darin.

Dezember
Michelberger
Reh
Zapfen

Ich habe mir den Kopf waschen lassen und das beste Weihnachten seit langem erlebt. Ich habe eine Sekunde beschrieben und kurz darauf den Plan eines Hauses in Portugal ins Auge gefasst. Wir haben einen Umzug gemacht und gewunken. Norman Palm hat im Michelberger Hotel gespielt und ich erinnerte das Jahr zuvor, das Ankommen in Hamburg, alles war ganz still dabei, keine Reue. Ich habe in Bremen gelesen und endlich einmal wieder Kuchen gebacken. Wir sind Schlitten gefahren, uns stand der Schnee bis zum Hals. Das Jahr hat gehalten, was ich ihm versprach. Ich freue mich sehr.

Was kommt:
Für 2011 gebe ich dem Format Sekunde eine Chance.