Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Monat: Dezember, 2009

Geodäsie am lebenden Objekt.

(Video (c) “You and Me and Everyone we know” by Miranda July)

Sich selbst ein Ort sein. Das lernt man nicht von gestern auf heute. Und auf morgen vielleicht auch noch nicht. Die Sache mit dem Aushalten und dem inneren Juchzen, das nicht gehört werden muss und dennoch genügt. Das große Fressen, das Menschen hin und wieder miteinander veranstalten, und hier und da einen Finger mitgehen lassen, eine Hand, einen Arm, und mit dem Arm vielleicht ein Stück Herz. Solche Geschichten enden immer mit Resten, es ist selten so, dass du dir den vollgefressenen Bauch streichelst, während du den Abwasch machst, und alles sofort in Ordnung bringst. Das Stehenlassen der Dinge über Nacht, das muss man lernen. Und dass man nachts aufwacht und jeder Zentimeter um einen herum kühler ist als man selbst. In mehreren Orten gleichzeitig zu sein, an einem gewissen Platz nicht mehr stattzufinden, dich manchmal unsichtbar zu machen, das begreifst du nicht am ersten Tag. Am zweiten auch nicht. Aber vielleicht am sechzehnten. Vielleicht hast du ein paar Jahre lang nicht richtig in den Spiegel geschaut und es fällt dir erst auf, wenn er einen Sprung hat genau dort, wo deine Narbe sonst ist.

We have our looks and perfume on.

In meinem Leben passiert manchmal allerhand Kurioses. Manches ist so kurios, dass man vor lauter Kuriosität jedes Talent dafür verliert, anderen Menschen von den kuriosen Dingen zu erzählen. Manchmal liegt das aber auch an der drübergestreuselten Absurdität der Dinge. Das Fazit meiner Schwurbelei ist: Macht in Gedanken damit, was ihr wollt, aber stellt euch vor, wie ich gerade mit M. im Waschkeller meines Schuhkartonhauses sitze und amüsiert auf die Waschmaschine gucke, die laut Anzeige noch sieben Minuten braucht, bis sie mir saubere Kleidungsstücke ausspuckt. Bei Minute 4 dann öffnet sich die Tür zum gruseligsten Flur der ganzen Welt, der meiner Meinung nach eigentlich nicht zu dem Haus sondern zu einem Horrorfilm allerschärfster Kajüte gehört. Dieser Flur macht Geräusche, obwohl nichts drin ist, was eigentlich Geräusche machen kann, dieser Flur hat eine Beleuchtung, die keine Beleuchtung ist, weil sie nicht sonderlich viel leuchtet, und es gibt diverse Türen, hinter denen sich andere gruselige Dinge verbergen. Der Waschkeller an sich hat was von Dittsche, man könnte da auch sowas drehen, denn es gibt eine Bank, deren Sitzbretter sich bis zum Boden durchbiegen, wenn man sich draufsetzt, und es gibt mit einem Monsterschloß an einer Stange befestigte Münzeinwurfkästen, die irgendwas zählen, ich weiß nur nicht so genau, was. Dann gibt es noch eine Anleitung, wie man die dort befindlichen Maschinen zu bedienen hat. Die Anleitung besteht aus kleinen Kästchen, in die reingemalt wurde, was man tun soll, damit alles reibungslos von statten geht. Ich weiß nicht, ob’s am Laufe der Zeit liegt, aber so einige Kästchen mit so einigen Schritten scheinen nicht mehr von Nöten zu sein, deswegen hat man sie ordentlich durchgestrichen. Aber zurück zum Thema.

Man stelle sich vor, wie M. und ich auf der Bank sitzen, ja, auf der mit dynamisch-agilen Sitzleisten. Der M. bewundert die Typo auf der Waschmaschine, ich persönlich stelle mir vor, wie ein Mops von innen an die Waschmaschinenscheibe kotzt, weil jemand ihn in der Hosentasche vergessen hat. In unsere augenscheinliche mit weißen Fliesen unterlegte Idylle platzen nun also bei Minute 4 plötzlich drei riesige, nicht unsere Sprache sprechenden, Jogginganzug tragenden, von der Statur Sumo-Ringern ähnelnde Wesen. Während M. und ich noch damit beschäftigt sind, unsere verduzten Blicke zu sortieren, haben die Frotteeberge anscheinend ähnliches zu tun, gucken verduzt abwechselnd uns und die Maschinen an. Anschließend fängt das Mittelstück des Trios an aufgeregt zu erzählen, zeigt mit Fingern hierhin und dorthin, seine menschliche Einrahmung nickt und streckt uns graumelierte Hinterteile entgegen. M. und ich machen erst einmal nichts sondern gucken weiter auf das vor uns befindliche U-Boot-Guckfenster, als vermuteten wir dahinter eine ferne Galaxie. Eine Minute vor Waschmaschinendrehschluss verschwinden die puscheligen Riesen mirnichtsdirnichts wieder in den gruseligen Flur und die Digitalanzeige des Säuberungsapparates springt auf Null. Wir bleiben ratlos zurück.

Ich bin der festen Überzeugung, dass diese drei in Stoffservietten gehüllten Wesen hinter den blauen Türen des Flures wohnen. Und dass ihre Unterhaltung was mit Ufos zu tun hatte. Wenn ich das nächste Mal waschen gehe, werde ich mich vorher als Silk Spectre verkleiden.

“Uuuuh!” - “Baby oder kleines Tier?” - “Damien Rice.”

(via Con)

What do you do when nobody’s watching?


> Hum songs that do not heighten my artsy fartsy indie coolness score.
> Imagine what I would look like if I were a racoon, penguin or lemur.


> Dabble in telekinesis.
> Hunt gummi bears.


> Check if the shoe fairy came by.
> Sleep.

(And sometimes wonder what Katinka, Sue, Malte, Herm & Nilz do when nobody’s watching…)

Weekly Melody: Board Game

You can hibernate in my house.
And then get back to life in May.

I love you, too. But what is love?

Nothing to write home about.

Zum Nachdenken kommst du an den Abenden nicht, weil du einschläfst, bevor du merken kannst, wie kalt es ist. Weil du im nächsten Lied bist, um nicht auf den Text vom letzten zu achten, dir keine Zeile zu merken, nicht in die Verlegenheit zu kommen, am Ende doch das eine oder andere Wort mitzusingen, vielleicht nur den Nachhall, den Takt mit dem Daumen an der Hose zu klopfen. Zum Nachdenken kommst du an den Morgen nicht, weil du stehst, bevor du merkst, wie kalt es ist, weil du den Schal bis an die Nase ziehst, bevor du deine Atemwolke siehst, weil du das Haus verlassen hast, bevor du hörst, wie leer es ist. Zum Nachdenken kommst du, wenn du in der Müdigkeit vergessen hast, einen Vorhang zu schließen und mitten in der Nacht von einem Mond geweckt wirst, der dich anguckt, sodass es nichts bringt, die Augen zu schließen und sich umzudrehen, weil er so schaut, dass du ihn im Nacken spüren kannst. Der dich noch anschaut, wenn der Wecker klingelt, wenn auch nicht mehr so offensichtlich, aber immer noch so, dass du beim Anziehen besser den Blick senkst.

Dann legst du den Finger an die Scheibe wie ein Hallo, wie zu Beginn einer Annäherung, aber der Mond hat keine Hände.

When I was your age…

Ab inicio.

Den Fuß in die Tür stellen, den Arm nicht sofort wegziehen, ein bisschen zu lange zwinkern, sich nicht sofort wegdrehen, einfach noch bleiben, einfach schon losgehen. Die Station laufen, nicht warten, laut mitsingen, alle beisammen haben, jede Tasse aus dem Schrank zerdeppern, den Sicherungen beim Rausspringen zusehen, sich mal locker machen, das Weite suchen, sich Nähe trauen, der warme Schmerz in der Stirn auf dem Boden, voneinander ablassen, sich entscheiden zwei Zentimeter abzugeben, sich noch einmal umdrehen, aufschrecken und merken, dass es kein Traum war. Durch die Seiten gehen, die Nummern löschen, eine Erinnerung finden und merken, dass man sie nicht ohne Grund beiseite gelegt hat, denn beiseite steht ihr gut. Sich neu erfinden, jemandem einen Namen geben, ein Format suchen, eine Form entwickeln oder die Photos vom vorletzten Urlaub. Eine Reise machen und nie wieder ganz zurückkehren, das leise Prickeln, das laute Tosen, einmal ganz kurz vor dem Abgrund stehen, es einmal ganz knapp schaffen und dann einmal mit Vorsprung. Runterschlucken, ausspucken, den Geschmack ertragen, keinen Mucks von sich geben, bemerken sich richtig entschieden zu haben. Den Sprung wagen, sich bemühen zu bleiben. Aus Versehen, mit Absicht, aus Intuition.

Mit jedem Anfang spüren, wie ein Anfang nun mal so ist.

Zeit der Herzwärme.