What I’m gonna miss #5

Man merkt nicht, dass man die Stadt im Rücken hat. Das Wasser liegt still, als bereite es sich schon auf die Winterstarre vor, die Wohnanlagen im Hintergrund verschwinden in den dichten Nebelschwaden. Die Scheiben des Rohbaus vorne an der Straße, wo man noch die Treptowers und das Ostkreuz sehen kann, sind tiefblau heute, die ersten Büsche kahl, die anderen brüllen in Farben. Viele Jalousien wurden noch nicht einmal hochgezogen, das Haus am Wasser, in dessen Bauch wir ein Leben träumten, hat Gänsehaut aus Raureif. Darüber liegt eine Sigur Rós Melodie, das unsichtbare Kraftwerk erwacht langsam, die Maschinen kommen in Gang wie der Magen eines Monsters, das seinen Morgenhusten geradeso übersteht.
Dann der Steg, auf dem wir im Sommer Beeren und Sonne gegessen haben, den die Boote immer ansteuern und dann im letzten Moment kehrtmachen, weil die Kapitäne dann doch nicht wissen, was sie sagen sollten, uns mit den Zöpfen und Sonnenbrillen. Dahinter die Hecken der Kleingärtner, die wie Lawinen über den Zäunen hängen. Das Asphaltstück, mit den Pollern zum Anlegen der Schiffe, trägt einen gelben Teppich aus herzförmigen Blättern, die kein Stück Teer durchschimmern lassen, keinen Zentimeter. Man muss sich bemühen, sich nicht einfach fallenzulassen und liegen zu bleiben. Hinter der Kurve wird der Angler stehen, das Fahrrad an die Laterne gelehnt, bis die anderen kommen, die es nicht geschafft haben, so früh aufzustehen. Er geht dann immer nach Hause mit einem Eimer, aus dem es leise platscht.
Die schwarzen Kiesel als Passepartout der bunten Tupfer in allen Formen und Farben. Das kleinste Blatt ist doppelt so groß wie der Nagel meines kleinen Fingers, manche sind schneeweiß. Und vorn an der Stirnkante bläst der Wind alle durcheinander und den Nebel dazwischen, ein paar auf den dunkelbraunen Tanker, der aussieht, als würde er nie wieder ablegen. Das andere Ufer ist nur eine Ahnung.
Stralau, my love.
