Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Monat: August, 2009

Stichwort Konfetti

10 Jahre Immergut Festival - DER FILM from ZWOELFBERLIN on Vimeo.

Den schönsten Moment dieses Festivalsommers gibt es bald im Kino zu sehen. Schon die Vorschau macht so allerhand Erinnerungskisten auf…

Family Bonds

Am Ende liegt die familiäre Verantwortung ja doch immer hinter der Kurve. Du kennst die Strecke, du bist sie hundertmal gefahren. Jedes Bild, jede Ausfahrt, manchmal spielen sie im Radio sogar dieselben Songs. Du kennst das Licht und wie es auf deine Stirn fällt, sobald du unter der Brücke durch bist. Die Namen der Städte, das hügelige Land. Als Kind warst du still, wenn ein Käfer über die Scheibe gekrabbelt ist, der war neu und nicht schon so abgetragen, den hast du angeschaut und mit den Augen verfolgt, bis am Rastplatz die Tür geöffnet wurde. Ein Flügelschlag mit dem Knistern der Alufolie.

Und das Seufzen wurde gut verpackt. Liegt jedem auf dem Schoß, manchmal dem Fahrer nicht, dafür hat der Beifahrer zwei oder eines liegt hinten auf der Ablage und rutscht bei jedem Bremsen ein Stück weiter nach vorn, bis es dir in den Nacken piekt. Jeder hat eins und alle halten die Hände darum, damit es nicht verrutscht, runterfällt, kaputtgeht, dazwischen ist nur Schweiß. Keiner gibt seins aus den Händen, außer der Fahrer, der schaut in den Rückspiegel, immer wieder besorgt. Die müssen alle heil ankommen, um dann als Geschenk mitgebracht und überreicht zu werden, gemeinsam geöffnet. Mit dem Abwischen der Hände wie im Chor.

Erwartung und Enttäuschung wurden zusammengelegt, übereinander, eines für jeden Anlass, extra gebügelt und gefaltet. Am Ende zerknittert, jeder kann sehen, wie weit du gekommen bist, jeder kann sehen, dass beides nicht ganz passt. Nicht mehr oder immer noch nicht. Eines kneift immer, auf dem anderen ist ein Fleck, hier und da wird gezuppelt und gezerrt, für das Photo reicht’s immer. Wir haben uns alle hübsch gemacht, wie jedes Jahr. Am unteren Rand sieht man noch die Reste vom letzten Mal, wenn man ihn umschlägt für einen Moment könnte man meinen, wir hätten sie extra gekauft, neu aufgelegt und mit einer Hand am Kinn bedacht ausgesucht. Aber es sind dieselben wie immer. So nah beieinander und falsch etikettiert.

I know, in the most protected part of my heart.

Manchmal wünschte ich, wir hätten mehr vorgehabt. Große Pläne geschmiedet und wären mit dem Finger so über den Globus gefahren, natürlich hätte danach Staub dran geklebt und natürlich hätten unsere Augen geleuchtet und wir wären im Bett noch ganz aufgeregt gewesen und hätten nicht einschlafen können. Manchmal wünschte ich, wir hätten ein bisschen was davon gemacht oder zumindest Vorbereitungen getroffen.

An Vorbereitungen hält man sich fest, die sind ordentlich standhaft und lassen einen nicht im Stich, da kann man immer etwas von hier nach dort räumen, etwas nachgucken, recherchieren, ein Buch ausleihen oder gar kaufen, es am Ende sogar lesen und sich Dinge anstreichen. Man kann sich einen Schlafsack ausborgen oder eine Tischdecke, dann damit sorgsam umgehen, weil man es wohlbehalten zurückgeben möchte, wenn man wieder da ist. Man kann diese kleinen Proben in der Drogerie kaufen, Tüchelchen und Döschen und Cremchen, und abschätzen, ob sie wohl genügen für die Zeit, die man weg ist. In Vorbereitungen hätten wir uns gut gemacht, du hättest dich auf’s Wesentliche beschränkt und ich hätte aus dem Bauch heraus alles auf mein Bett geworfen, anprobiert, zurückgestopft und erneut hervorgeholt. Du hättest gelacht und das Zimmer verlassen und nur fünf Minuten für’s Packen gebraucht, mir beim Abendessen erklärt, was ich brauche und was nicht anhand einer Geschichte, sodass ich den Löffel hätte hinlegen und zuhören müssen.

Vorbereitungen sind gut, denn sie führen meistens irgendwohin. Während man vorbereitet, zählt man Tage oder Wochen oder Minuten, man stresst sich ein bisschen, stolpert über diese oder jene Kante, aber am Ende, da ist dann alles, wie es sein soll oder zumindest ein bisschen so. Da steht man dann da und ist vorbereitet und dann kann es kommen, was auch immer es ist.

Ich war sehr unvorbereitet, als ich erfuhr, dass du gestorben bist. Es ist einfach so dazwischengerutscht. Als habe ich sich jemand in der Seite geirrt oder im Sender, das wollten wir nicht, das war so nicht geplant. Es hatte keinen Anfang und hat bis heute kein Ende. Dass du nicht zurückkommst. Und wir hatten nicht mehr vor, als dass eigentlich alles hätte so weitergehen können. Es gibt nichts, dass ich jetzt noch machen könnte, dir zu Ehren. Kein Reiseziel, keinen Ort. Ich kann nur versuchen, den speckigen, zerknüllten Zettel in der Hosentasche nicht zu verlieren, auf dem “Restleben” draufsteht. Eine Art Plan.

Sometimes all you need is a wimpel.

Das Geräusch der Bergmannstraße erinnert an Meer zur Zeit.

Whatever happened in my lunch break


(Vorher)


(Nachher)

Run down the forrest.

Bevor am 25. September das neue Album von I Might Be Wrong erscheint, kann man sich bei Sinnbus für nix den Track “Woodpecker” runterladen. Und wer noch einen oben drauf hören mag, bitteschön.

Gelüste sind kein Schichtproblem.

Zug. Der Mann mit dem Jacket und dem Laptop vor sich nimmt sein Brötchen, wickelt es aus der Frischhaltefolie, klappt es auseinander, pult den Fettrand vom Schinken, legt ihn beiseite, klappt die Hälften wieder zusammen und isst das Brötchen. Am Ende fegt er mit der Handkante die Krümel vom Tisch, um sich danach die auf der Frischhaltefolie aufbewahrten Fettrandreste alle auf einmal in den Mund zu stecken. Beim Kauen schließt er die Augen.