
“Es ist die Brust einer anderen Person, die uns den Rücken stärkt, wir fühlen uns nur wirklich geschätzt, wenn jemand hinter uns steht, das besagt der Ausdruck selbst, in unserem Rücken, wie auch im Englischen, to back, jemand, den wir vielleicht nicht sehen und der uns den Rücken deckt mit seiner Brust, die uns fast berührt und uns am Ende immer berührt, und bisweilen legt uns dieser Jemand sogar eine Hand auf die Schulter, mit der er uns besänftigt und auch uns hält. So schlafen oder glauben die meisten Ehepaare und Paar zu schlafen, beide drehen sich auf die gleiche Seite, wenn sie sich verabschieden, so daß einer dem anderen im Laufe der ganzen Nacht den Rücken zukehrt und sich von ihm oder ihr, von jenem anderen, geschützt weiß, und wenn er mitten in der Nacht aufwacht, aus einem Alptraum aufschreckend, oder nicht in den Schlaf finden kann, da er Fieber hat oder sich im Dunkeln allein und verlassen glaubt, dann braucht er sich nur umzudrehen und das Gesicht dessen vor sich zu sehen, der ihn beschützt, der sich überall dort küssen lassen wird, wo das Gesicht küßbar ist (Nase, Augen und Mund; Kinn, Stirn und Wangen, es ist das ganze Gesicht), oder ihm vielleicht im Halbschlaf eine Hand auf die Schulter legen wird, um ihn zu besänftigen oder um ihn zu halten oder womöglich, um sich festzuhalten.”
(Javier Marias, “Mein Herz so weiß”, Wilhelm Heyne Verlag München 1998)

Es gab eine Zeit, da streckte sich in der Nacht meine Hand aus. Sie ging von allein einen halben Meter, einen ganzen vielleicht manchmal, wenn sie sich anstrengte, und lehnte sich dann gegen die Wand. Und wenn der Handrücken und die Rauhfasertapete einander berührten, schlief ich einen ruhigeren Schlaf. Und dann gab es einen Moment, da hast du beschlossen zu renovieren. Du hast alles herumgeschoben und abgerissen und angemalt und dann die Hände, deine Hände, in die Hüften gestemmt, von denen ich manchmal sagte, sie seien rau, weil sie so kalt waren wie die Wand in der Nacht, die Hände hast du in die Hüften gestemmt und nicht gelacht, aber zufrieden ausgesehen, das war dein Werk. Als du gegangen warst, lebte ich in einem Zimmer voller neuer Farben mit Wänden, an denen alle abrutschte, hinunterfloss, nicht halten wollte. Und in der Mitte ein See irgendwann, nur einen halben Meter, vielleicht einen ganzen von meinem Bett entfernt. Vor dem Einschlafen schaue ich nun vom Ufer aus auf kleine Wellen und das flatternde Ufer. In der Nacht dann rutscht meine Hand nun jedes Mal mit kleinem Anlauf von der Wandbettseite zurück auf mein Brustbein. Und morgens steige ich aus dem Bett, setze die Füße auf den Boden und das Wasser ist noch ganz dunkel und kalt.