Scheitern ist oft gar nicht mehr so furchtbar, wenn es dann wirklich passiert. Wenn der Punkt erreicht, die Linie überschritten, das Fass endlich zum Überlaufen gebracht wird. Wenn es knackt und du weißt, das ist der Moment, auf den du all diese quälenden Stunden gewartet hast. In der Sekunde, in der das Kartenhaus über deinem Kopf zusammen schlägt und die Balken über dir brechen, kann man eigentlich nur erlöst seufzen und die Augen öffnen. Ohne Geräusch und manchmal auch in Zeitlupenoptik dabei zusehen, wie alles in und durch die Luft fliegt.
Dann ist die Zeit der Verkrampfung vorbei, das elende Warten auf die ersten Anzeichen einer Talfahrt, der verzweifelte Versuch, das aufzuhalten, was längst nicht mehr aufzuhalten ist, die knirschenden Zähne nachts, das bange Gefühl beim Verlassen des Hauses, der unsichere Blick in den Himmel mit der Ungewissheit, ob es an diesem Tag passiert. Dann ist der Schrecken vorbei, der einen durchfährt, wenn das Telefon klingelt, das Gefühl im Bauch beim Öffnen der Mailbox, das stumme Ausweichen des Blickes vor einem Spiegel.
Manchmal muss man sich richtig verlieren, die Teile nebeneinander ausbreiten und von oben anschauen, alles auseinander schrauben, weil man nur so die Chance hat, den Fehler zu finden. Die Arme dorthin, das Gewissen darüber, den Mut und die Angst nebeneinander in die Ecke, die sollen sich mal kennenlernen, vielleicht das Bauchgefühl mal an die Decke hängen dort, wo früher die Lampe war, und das Schlüsselbein, wohin mit dem Schlüsselbein, neben die Lilien vielleicht, wo auch schon die Hände liegen. Damit das Rauschen vorüber geht und das ständige Aufwachen in der Nacht. Damit einem die Worte wieder einfallen und nicht nur als Silben an den falschen Stellen herumstehen und stören. Es knackt, wenn man die Verbindungen löst, manch einer schreit auf, der andere krampft die Zehen in die Auslegware, um sein Gesicht nicht zu verlieren, dabei sollte auch dies auseinander geschraubt und mal ordentlich durchgepustet werden, damit es wieder passt.
Und weil es auch wie das Gefühl ist, wenn man nach einem anstrengenden Film im Kino die Bauchmuskeln wieder locker lässt, sich aus dem Sitz und aus seiner Passform erhebt, den süßsalzigen Geschmack wie gegoren noch im Hals hat und dann raus an die frische Luft tritt. Die Welt ist nicht stehengeblieben, aber plötzlich fühlt sich jeder Schritt wieder an, als habe er eine Bedeutung. Am nächsten Morgen ist dann alles wie immer. Endgültig scheitern ist wie die Erleichterung am Morgen, vom schlechten Film am Abend nicht geträumt zu haben. Eine Überwindung, das G am Ende des Wortes, weil man sie schon hinter sich hat, die Sache in dem Moment, wo man sagt, man sei gescheitert, der Vergangenheit angehört.