“The click click is not part of the song”

Er war krank, der Bart wie schon auf den Pressefotos buschig (und wenn man ihn von der Seite anschaute, war es eher eine Rutsche aus Haaren, eine breite Rutsche aus Haaren), mit Mütze und Schal saß er auf der kleinen Bühne im Schokoladen, dahinter die Rosentapete und der Raum so vollgestopft mit Menschen, dass die Luft nach kurzer Zeit knapp wurde und die Scheiben beschlugen. Überall Hüsteln und schniefende Nasen und William Fitzsimmons ganz vorne mit dabei. Das erste Mal in Europa sei er und als Kind dachte er, er käme nie nach Berlin. Das war das und dazwischen immer mal Witze, die Mädchen vor mir lachten bei jedem Satz, nach drei Minuten reden wurde das sehr anstrengend. Und dann war da natürlich die, die während der Lieder mit der Spiegelreflex Fotos machte, aber nicht so, dass sich der Auslöser dem Beat anpasst, um Gottes Willen, obwohl das durchaus mal konzeptfähig wäre, nein, immer schön in den stillen Momenten, in den Atempausen, in dem Zittern dazwischen abgedrückt, als wäre sie nicht wegen der Musik sondern wegen Bildern hier. Und er bewegte sich nicht einmal viel, streckte manchmal die Finger aus, gab den Kichermädchen die Hand, vielleicht aus Unsicherheit und einem Gefühl der Fremde, er wirkte, als sei die Ironie seine Rettung auf der kleinen Bühne, weil die Leute ihm fast auf dem Schoß hingen und nicht einmal hinzuhören schienen, sondern frenetisch alles beklatschten und belachten. Auch als er von der explodierten Scheiße auf dem Raststättenklo erzählte. Haha hihi huhu.

Und dazwischen stehend fühlte ich mich ganz seltsam mit dem fremden Atem ständig im Gesicht, der Tasche im Rücken und dem Zopf der Vorderfrau im Blick. Gern hätte ich alle hinausgejagt, ihn in die Mitte eines Stadions in den runden Kreis gesetzt mit einem Mikrofon. Und dann hätte ich in der Kurve gewartet, hätte ab und mal meine Position, meinen Sitzplatz gewechselt, aber er hätte nicht schauen und nichts sagen müssen sondern einfach spielen. Ich glaube, er ist am besten, wenn er einen gar nicht bemerkt. Wenn er gar nicht Notiz davon nimmt, dass er einen dort trifft, wo selten einer vorbeikommt.

Liz hat es verfasst, und zwar am 4. Dezember 2008 um genau 16:38
Kategorie : Ton | 4 Kommentare


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