Ein 31er-Soundtrack

lisa rank

Du kannst anstoßen, schlafen, dir die Ohrenstöpsel noch tiefer ins Ohr drücken, Ausschau halten, wütend gegen eine Wand hauen, es verpassen, jemanden küssen, lächeln, eine Hand nehmen, eine Katze streicheln, ein Taschentuch vollrotzen, dein Gesicht ins Kissen drücken, ein Glas zerdeppern, dir noch Nachschlag holen, alles wegtanzen, auf einen Anruf warten, an jemanden denken. Du kannst dazu morgen eigentlich alles.

The Go Find - New Year
Death Cab For Cutie - The New Year
Morrissey - I Don´t Mind If You Forget Me
Weezer - Change The World
Anois - Tracery On A Frosted Window
Amanda Rogers - Days, They Came And Went
Jenny Wilson - Let My Shoes Lead Me Forward
Regina Spektor - My Dear Acquaintance (A Happy New Year)
Broken Social Scene - Finish Your Collapse And Stay For Breakfast
The Charlatans - A Day For Letting Go
My Darling You! - New Year´s Eve
Damien Rice - I Remember
Seabear - Hands Remember
Ben Folds Five - Don´t Change Your Plans
Modest Mouse - Float On
Teitur - Let´s Go Dancing
ClickClickDecker - Wer hat mir auf die Schuhe gekotzt
Bing Crosby - Let´s Start The New Year Right
Kashmir - New Year´s Eve
Sir Simon Battle - The Last Year
The Concretes - Change In The Weather
Sophia - If A Change Is Gonna Come
Lali Puna - Fast Forward
Me Without You - January 1979
Goo Goo Dolls - January Friend
Bloc Party - I Still Remember
Juno - January Arms
Camera Obscura - Happy New Year
Azure Ray - The New Year
Brandtson - January
The Knife - New Year´s Eve
The Walkmen - In The New Year

Liz hat es verfasst, und zwar am 30. Dezember 2008 um genau 14:32
Kategorie : Ton | 5 Kommentare

 Sagen Sie jetzt nichts.

Frage 1: Sind Sie eher schön oder klug?


Frage 2: Welches Tier sieht Ihnen am ähnlichsten?


Frage 3: Mit welchem Gesichtsausdruck finden Sie sich unwiderstehlich?


Frage 4: Mit welchem Gesichtsausdruck kann man Sie provozieren?


Frage 5: Wie sehen Sie aus, wenn Sie lügen?


Frage 6: Was empfinden Sie, wenn Sie an Deutschland denken?


Frage 7: Was fehlt Ihnen zum Glück?

(Die Erklärung zu dieser Geschichte finden Sie in der Erinnernug an ihre Wochenendzeitungsroutine oder beim SZ-Magazin. Dort darf sich jetzt jeder selbst interviewen, dabei die Klappe halten, schnappschießen und das Ergebnis hochladen. Sie sollten das mal machen, Sie da, und davon berichten. Natürlich dürfen Sie sich Ihre eigenen Fragen ausdenken. Die da oben sind ja nun schon reichlich durchgenudelt und abgefrühstückt und sowieso - ich bin mir sicher, Ihnen fallen bessere ein als meiner faulen Wenigkeit. Ach und: Vielen Dank dem Photographen für´s Photographieren.)

Liz hat es verfasst, und zwar am 29. Dezember 2008 um genau 14:06
Kategorie : Moi | 8 Kommentare

 24 things

1.
Ich möchte, dass du morgens weißt, dass es okay ist, wenn du noch liegen bleibst. Wenn du die Hand ausstreckst zur kalten Stelle auf dem Laken. Dass es okay ist, wenn du fluchst, weil du dich mit der Nase im Traum an der Raufasertapete gestoßen hast, an der Hauswand, an einem Knochen oder dem Loch, in das dein Kissen immer fällst.

2.
Wir könnten eine Sprache haben, die ohne Laute und ohne Hände funktioniert, einen Fußcode, bei dem man die Zehen nicht sehen muss, es aber auf Zentimeter ankommt. So könnten wir an einer Bushaltestelle stehen, uns längst vergessen haben, aber ich wüsste beim Blick auf deine Schnürsenkel, dass du noch weiß, wie ich heiße.

3.
Ich will, dass du ein Bildtelefon hast für die Strecken, die du nicht mit dem Bus zurücklegst. Vielleicht würde meine Kamera an den Enden meiner Hosenbeine baumeln und ich könnte dir erzählen, wie das Wetter im Kopf gerade ist. Auch wenn du U-Bahn fährst.

4.
Dass du dir einen neuen Menschen in dich hineindenken kannst, der nicht so aussieht wie du und nicht so denkt wie du, der einen leeren Kopf hat, und immer wenn du etwas gesagt hast, was du nicht sagen wolltest, dann war er´s.

5.
Dass es beim Zähneputzen nie blutet, dass die Zahnseide nicht einschneidet oder die Zahnbürste auf der glatten Oberfläche quietscht. Dass du nie einen Krampf im Ellbogen bekommst, weil du so pedantisch bist.

6.
Ich möchte, dass du immer Stoppersockennoppen unter deinen Füßen hast. Wenn du es eilig hast und die Ampel zu lange braucht, wenn du auf glattem Parkett um die Kurve zum Wasserkocher willst und wenn du meinst, etwas aufgeben zu müssen, dass dir viel bedeutet hat. Immer einen Moment Halt.

7.
Dass sich immer in irgendeinem Schornstein, einem Ast oder in einem Haarnetz eine Sternschnuppe verfangen hat, die sich dann freikämpft, wenn du es nicht erwartest.

8.
Der Geruch von warmer Mandelmilch.

9.
Dass jemand nachts etwas an deinen Spiegel schreibt, indem er von dir träumt.

10.
Das Gefühl vom Vorankommen und wie sich die Straßenzüge und Gesichter, das Licht und die Farbe des Himmels verändern, je weiter du fährst. Das Nicht-Verpassen der Station.

11.
Dass es ruhig und gleichmäßig atmet, wenn du die Hand darauf legst.

12.
Du findest eine Kastanie im Wald, steckst sie in die Hosentasche und verlierst sie nicht.

13.
Dass es jemanden gibt, der auf deiner Hochzeit eine Rede hält, bei der du Gänsehaut bekommst.

14.
In Gedanken kannst du die Dinge zurückspulen. Ein Animated Gif draus machen. Langsamer erneut abspielen. Dir jede Sekunde merken. Das Flackern ausblenden.

15.
Du machst ein Photo von jemandem in einem der ersten Momente, und später, wenn du die Bilder entwickeln lässt, ist niemand zu sehen. Dass du für einen kurzen Moment glaubst, du hättest ihn dir nur ausgedacht.

16.
Du drückst auf einen Knopf und dein Leben wird zusammengedrückt. Es kommt als Muster aus dem Drucker, als aneinandergereihte, schmale, bunte Streifen. Und es sieht so aus, dass du es an eine weiße Wand deiner Wohnung hängen würdest.

17.
Dass du den Hebel umlegen kannst.

18.
Dass niemand an deiner verschwitzten Hand abrutscht, wenn es drauf ankommt.

19.
Es vergehen Jahre, der Dampf kondensiert an den kühlen Schreiben und läuft gleichmäßig in dich hinein. Am Ende stehst du so in dir, wie du sein willst. Aus den wichtigsten Dingen, den schwersten und den leichtesten, aus vielen Farben wird es am Ende durchsichtig. Und ganz klar.

20.
Eines nach dem anderen.

21.
Wir erkennen uns von weitem.

22.
Ich werde nachts wach, obwohl niemand klingelt und kein Wind weht und der Fernseher ist nicht mehr an und auch die Fenster sind alle geschlossen, im Kühlschrank brennt Licht. Und ich werde nur wach, weil du vergessen hast, vor dem Schlafengehen genug zu trinken.

23.
Manchmal fängt in deinen Händen etwas an zu glänzen und danach riechen sie nach Orange.

24.
Die Sache mit den Sternen ist ja die, dass es sie eigentlich schon nicht mehr gibt und man sie trotzdem sehen kann. Dann taucht jemand auf. Und du malst Karten und rechnest die Zeit danach, obwohl es ihn längst nicht mehr gibt. Dass du das kannst.

Liz hat es verfasst, und zwar am 24. Dezember 2008 um genau 10:48
Kategorie : Moi | 6 Kommentare

 Make yourself at home in a matchbox

Manche fahren in diesen Tagen an einen Ort, aus dem sie herausgewachsen sind. Der zu klein geworden ist für sie oder einfach verrutscht, vielleicht hat man mit den Jahren ein Loch hineingelaufen, durch das es nun bei Regen rinnt. Manche fahren nach den Feiertagen zurück in eine Stadt, in die alle zurückkommen, die langsam aber sicher wieder an Bevölkerung, an Puls und Herzblut. Und manche schließen dann ihre Wohnung auf und wundern sich über den eigenartigen Geruch, der nach ein paar Tagen Stille und Staub einkehrt, der eine Weile braucht, um sich breit zu machen, aber so schnell wieder fort ist, dass man kaum zwei Schritte gemacht hat. Manche stehen dann am Fenster und sehen auf eine Straße und sehen jemanden vorbeikommen, den sie nicht kennen. Manch einer bemerkt in einem solchen Moment, dass die Schwierigkeit darin besteht, das mitzunehmen, was man genießt, wenn es einem gut geht, das warme Gefühl, mit dem die Füße nicht und die Hände nicht und die Nase nicht kalt werden und auch nicht die Haarspitzen und die Umarmungen nicht. Dass es darum geht, den Moment, in dem man dazu ansetzt, es zu bemerken, das gute Gefühl, den Moment zu konservieren, zusammenzufalten und einzupacken, vielleicht neben dem Backenzahn mit sich herumzutragen für schlechte Zeiten, klamme Abende, unwirtschaftliches Tiefkühlfachgefühl oder Abhandengekommensein.

Manch einer macht sich dann selbst ein Geschenk, vom Grundriss her so groß wie eine Streichholzschachtel, aber doppelt so hoch. Bunt getupft und schwarz bestrichelt. Etwas, das erst einen Ton macht, wenn man nicht sofort nach einer Drehung aufgibt sondern durchhält. Etwas, das man überall aufstellen, überall hin mitnehmen kann, wenn man ein wenig aufpasst, es nicht zu zerdrücken. Eine kleine Box, auf der ein Gefühl steht, das ein Lied ist, welches aber das Gefühl des Musiktitels vertreibt, sobald man es anspielt. Bobby & Blumm. “Not at home”. Portable. I love. I´m on the safe side.

Liz hat es verfasst, und zwar am 23. Dezember 2008 um genau 13:01
Kategorie : Fundstücke | 1 Kommentare

 2008. Ab und auf.

Januar. Ich habe den Kalender aus Papier noch benutzt. Ich habe zum ersten Mal den Satz gesagt: “Ich bin auf Tour”, wenn auch nur als Stimmungsaufheller und nur drei Tage lang. Mir wurde in einem Fastfoodladen ein Ultraschallbild entgegen geschoben. Wir fingen an joggen zu gehen.

Februar. Ich bin zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder zum Friedhof gefahren. Rocky Votolato war in der Stadt und ich habe “Ja” gesagt, als man mich nach Taiwan einlud.

März. In einem Gitter vor dem U-Bahn-Eingang steckte eine Pistolenkugelhülse. Ich habe Londoner Eichhörnchen beobachtet. Am Ostkreuz bauten sie den Zaun vor das Fahrkartenstempelgerät und schnitten ein Loch hinein, sodass jeder weiterhin stempeln konnte. Es hat geschneit.

April. Zum zweiten Mal in meinem Leben interviewte ich Menschen vor einer Kamera. Und in Taiwan las ich “Kleine Lichter” von R. Willemsen.

Mai. Ich habe einen Papierflieger auf der Straße gefunden, auf dem stand: Ich liebe dich. Wir machten das erste Picknick des Jahres im Weinbergspark. Und als es irgendwo hinter der Warschauer Brücke brannte, dachte ich zuerst an einen Anschlag. Ich übernachtete in einem verstaubten Märchenland und habe auf der PopUp Menschen photographiert, denen M&Ms in der Nase steckten.

Juni. Bodi Bill auf dem Weekend-Dach. Und C und ich sahen in diesem Monat aus wie Geschwister. Ich arbeitete auf diesem Festival, telefonierte viel und war bei Regen an der Ostsee. Passend dazu beendete ich “No one belongs here more than you” von Frau July. In diesem Monat begannen die Babies des Dunstkreises damit, auf die Welt zu kommen.

Juli. Ich tanzte vor hohen Bergen herum und sah The National live. Mit S stand ich am Ufer, als der nackte Mann in seinem Motorboot vorbei sauste. Und ich lernte, wie man Kuschelmilch ordnungsgemäß zubereitet. Ich schrieb ein Gedicht und saß in einem Büro mit dem schönsten Rennrad der Welt.

August. Ich machte eine Dampferfahrt auf der Spree. Und erschrak über die Bevölkerung des Weststrandes, der noch vor ein paar Jahren mein einsames Domizil gewesen war. Von nun standen die Photoautomaten sogar in Nachtclubs. Beim Regen des Jahres stand ich mit L vor einem Schreibwarengeschäft und sang. O machte mich zur glücklichsten Patentante der Welt.

September. Ich bekam Muskelkater vom Baby-Herumtragen. Und besuchte ein Fußballrestaurant. Am S-Bahnhof-Tempelhof flug ein Flugzeug so nah an mir vorbei, dass ich glaubte, mit dem Finger etwas draufschreiben zu können.

Oktober. Ich wurde 24 und durfte eine Sektpyramide in meinem eigenen Flur aufgießen. Das Publikum von Udo Lindenberg amüsierte mich. Seit Ewigkeiten saß ich mal wieder in einem Nachtbus.

November. Mit Weingläsern in der Hand liefen C und ich bis zur Tankstelle. Die Wohnung wurde weißer und ich castete Bewohner. Ich träumte von Tony Soprano.

Dezember. Ich tanzte in italienischem Schnee. Und aß zum ersten Mal Mutzen. Wir machten Bilder für das neue Projekt. Ich schmiedete Pläne und noch liegt ein Haufen Papier neben mir, von dem ich hoffe, ihn noch in diesem Jahr loszuwerden.

Und einige Dinge ziehen sich konsequent wie blaue Zahnpastastreifen durch mein Leben. Von denen kann ich nicht wirklich sagen, wie sie da hinein gekommen sind, aber sie gehören dazu. Irgendwann sind sie aufgetaucht und geblieben. Und es geht schnell, dass man sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen kann.

Liz hat es verfasst, und zwar am 22. Dezember 2008 um genau 13:08
Kategorie : Moi | 8 Kommentare

 Es ist ein Gesuch.

Meine sehr verehrten Damen und Herren. So wie ich damals nach einem Büro gesucht habe, so suche ich jetzt nach Musikern. Das Büro habe ich bisher gefunden, bei meinem Gesinge können die anderen nicht arbeiten und deswegen muss Abhilfe geschaffen werden. Die alte Band gibt es nicht mehr live und in Farbe, aber immer noch konserviert zum Anhören. Und in diesem Stile würde ich gern weitermachen, mir fehlt der Mist. Sehr.

Anforderungen an eventuelle Bandmates wären:
- Geschmack
- schnelle Auffassungsgabe
- Entzifferungsvermögen von lisaesken Bruchstücken á la “Naja, das muss am Anfang ein bisschen reingehen, dischdisch, und dann so brizzelbrizzel kleiner werden, aber der Beat darf nicht aufhören und - ach - naja, hier ein bisschen Hall bitte und davor noch ein klickklack…
- sicherer Umgang mit einem Beatbauprogramm
- Beherrschen eines Instrumentes
- Akzeptanz meiner Wenigkeit am Mikrophon und im Hintergrund
- EE! alias Elan und Euphorie (weil nun schon mehrere Dinge an diesem Zweitprojektcharakter gescheitert sind und ich habe keine Lust mehr auf Zweitprojekte, denn Dezember ist die richtige Zeit, um Erstprojekte zu erdenken und im Januar in die Tat umzusetzen)
- sofortiges Loslegen
- feste Probetermine
- keine Angst vor etwaiger Live-Erprobung oder Publikum

Dafür biete ich:
- Stimme
- EE!
- TT! (Termin- und Teamfähigkeit)
- Herzblut
- Textmelodieschnipsel
- auch mal Kekse

So, das wär´s dann auch schon. Bewerbungen nehme ich in den Kommentaren, per Mail und persönlich entgegen. Ideen liegen hier schon tausendfach herum, langweilen sich und gehen mir mit ihrem Gegähne auf die Nerven.

Bitte. Und Danke.

P.S. Dieses Gesuch eignet sich übrigens hervorragend zur Weiterleitung in jedem erdenklichen Maße.

Liz hat es verfasst, und zwar am 18. Dezember 2008 um genau 12:11
Kategorie : Fragen, Moi, Ton | 7 Kommentare

 Ein Gefühl. Ein wachsames.

Im Winter liegt oft ein Nebel vor der Stadt, durch den die Bäume neben der Autobahn nur schemenhaft zu erkennen sind. Mehr eine Ahnung als ein anfassbares Objekt, mehr ein Bauchgefühl als ein Gesichtsausdruck. Und ich schlafe nie, wenn der Funkturm in der Ferne auftaucht, am Ende der Straße, auf deren Gegenspur mir einmal ein brennender Transporter entgegen kam, dessen Fahrer so aussah, als wüsste er nicht, dass sein Hinterteil in Flammen steht. Sie fuhren und hupten und ich schlief nicht, denn ich wache immer auf, bevor das erste Ortsschild kommt. Mehr ein Summen als ein Handyklingeln.

Und immer sitzt die Melancholie neben mir, jedes Mal erneut und jedes Mal gleich. Wenn du weißt, dass du dein ganzes Leben lang von diesem einen Menschen nicht loskommen wirst, obwohl es vielleicht längst vorbei ist, dann fühlt sich das ähnlich an. Und wenn dann das Grau der Stadt immer größer wird, obwohl es mir nie als Grau erscheint. Wenn du mit jemandem jeden Tag zusammen bist und seine Falten, die mit der Zeit einfach kommen, nicht mehr siehst, dann könnte man das vergleichen. Und wenn jemand weiß, wie du am Morgen aussiehst, ungekämmt und mit pelziger Zunge, wie du dich anhörst, wenn du weinst oder dich vor lauter Lachen verschluckst, wenn jemand weiß, wie hart du treten kannst vor Wut und Verzweiflung, wenn jemand auf deinen nackten Bauch pustet, sobald du schwitzt, und dir beim Kotzen die Haare aus der Stirn hält. Wenn dieser jemand den Geschmack deines Blutes kennt und den Geruch deiner Kniekehlen, wenn er weiß, wie hart deine Zähne sind und wie rauh deine Hände, wenn er genau sagen kann, wann du in die Tiefschlafphase fällst und wenn er dann die Decke noch ein bisschen höher zieht, auch auf die Gefahr hin, dass du dadurch aufwachst. Wenn dieser jemand dich aushält, dann hat er Ähnlichkeiten.

Mit Zuhause.

Liz hat es verfasst, und zwar am 17. Dezember 2008 um genau 20:06
Kategorie : En Känsla | 3 Kommentare

 The inner circle. The outer space.

Die Sache mit den Modeblogmodeblogs, einem abseits stehenden Individualitätsdiskurs und die Frage nach der Fortführung des gängigen Mode- und Körperverständnisses im Netz scheinen ein Thema zu sein, über das sich durchaus zu reden lohnt. Ich sehe, man beteiligt sich. Auch Sue hat nun samt T-Shirt-Kollektionsphotos ihren Senf dazu gegeben, Tessa kündigt eine Stellungnahme an und Schmitzi dachte als Erster öffentlich darüber nach. Über die Sache mit den nach innen geknickten Füßen. Über das Dünnsein. Über die kaum vorhandenen männlichen Schreiber oder Privatmodels. Und die Frage, ob diejenigen, die nicht den Modeblogmodestereotypen entsprechen, keine Lust auf das Netz oder Angst vor dem Netz oder einander bedingend beides haben.

Und so wie Sue für bunte Shirts applaudiert hat, krakeele ich für flache Schuhe. Und breche meine Lanze für Kniegebeutelte wie mich, die sehen müssen, wie sie mit langer Sohle und instabilem Gelenk halbwegs entspannt durch die Gegend wackeln. Für die, die Phantomschmerzen bekommen, sobald sie hohe Absätze sehen. Denen in Gedanken die Knie dick werden und die Kniescheiben verrutschten. Die, die aufgegeben haben, es “nur mal einen Abend lang auszuprobieren” und die sich abfinden. Mit den flachen, bequemen, latschigen Schuhen.

Eine politische Relevanz will ich dieser ganzen Fragestellung nicht ganz absprechen, denn wie man so am Küchentisch sitzt, Minztee trinkt und die Sonne weniger werden sieht, fällt einem auf, dass diese Modeblogmode-These ohne Widerstand in den Restthesenbau der so homogenen netz- und blogaffinen, klebrigen Masse in Deutschland passt. Man verstehe das nicht falsch, ich tummele mich seit drei Jahren durchaus vergnügt in dieser Soße, aber langsam wird es doch etwas fadgewohnteingerichtetgleichmäßigunterhaltend. Mir fehlt der große Rest.

Liz hat es verfasst, und zwar am 17. Dezember 2008 um genau 16:48
Kategorie : Identitäten | 6 Kommentare

 Die Frage nach dem ausgeprägten Eigengeschmack

Die Geschichte mit den Modeblogs scheint im letzten Jahr explodiert zu sein, zumindest was meine persönliche Wahrnehmung betrifft. Vornehmlich Mädchen und junge Frauen photographieren sich in den Outfits des Tages, erklären, was sie wo und manchmal auch für wieviel erstanden haben, geben Gesuche auf oder werfen Schnäppchentipps in die Welt, aber vor allen Dingen - und das erschreckt mich - sehen die meisten einfach gleich aus. Dünn, süß, nett und lieb, große Pullis, enge Hosen, Rüschen, Geflatter, Vintage meets Schweineteuerdesign samt Schnütchen und Hände an der Taille.

Keine trägt Turnschuhe an den Füßen oder Speck auf den Hüften, keine ist moppelig oder gar dick, keiner hängt die Hose unter dem Arsch oder mal der Pony quer, keine hat eine ausgefallene Haar- oder Klamottenfarbe, alles scheint im oberflächlichen Durchklicken dieselbe Soße zu sein. Nicht, dass mir diese Soße nicht schmecken würde, es schaut sich schon angenehm an, manchmal denkt man “Heiß” und manchmal “Scheiß”, dennoch ist das größte Problem in dieser ganzen Stylerei die Langeweile, die bei der Masse auftaucht. Wo sind die ganz Kleinen oder die ganz Großen, die Breiten oder Halbbreiten zumindest, wo sind die Typen, der Streetstyle der Realität und wo die Unterschiede? Wo sind die anderen, zum Beispiel die, die aufgrund von Geldmangel nicht jeden Tag shoppen gehen können und dennoch ein Interesse an Mode auch im eigenen Auftreten an den Tag legen? Und gibt es auch jemanden, der sich im simplen grauen Shirt und Jeans vor den Spiegel stellt und knippst? Also denjenigen, für den ein 0815-T-Shirt und eine 0815-Hose DAS Verständnis von Mode sind? Und was machen eigentlich die Männer?

Das täte mich dann doch relativ brennend interessieren.

Liz hat es verfasst, und zwar am 16. Dezember 2008 um genau 16:39
Kategorie : Fragen | 21 Kommentare

 Veranstalten Sie Ihr inneres Baumblütenfest.

Der aktuellen Bevölkerung kommt die wahrhaftige Albernheit beizeiten abhanden. Über Albernheit kann man sich nicht beschweren, meist läuft sie einem aber in grausamen, ja gar böswillig dummer Art und Weise über den Weg. Steht man dann aber einmal mitten in weißem und nicht gelbem Schnee zwischen sich biegenden und einen mit mildem Rascheln begleitenden Bäumen an einem Wegrand, dem man folgen kann, bis man wirklich auf der Spitze angekommen ist - ja, dann sollte man mitunter üben und mit dem gesamtem Körper ausführen, was einem im harten Alltag unten im Tal ab und an den Arsch und die Seele retten könnte. Das passende Lied dazu ist im Übrigen “El Captain” von Idlewild. Es funktionieren aber auch andere, weniger pompöse Musikstücke, in denen Gitarren und Rocknroller vorkommen. Und nun machen Sie mit und sich locker, entfalten Sie die Stirne und spüren Sie den Staub in Ihren Gelenken, lassen Sie das Fett schlackern und spannen Sie an, was noch geht. Sie werden sich besser fühlen danach. Sind Sie in Ihren Grundfesten ein ernsthafter Mensch, sollten Sie nicht weiterlesen und schon gar nicht mitmachen.

Wir beginnen mit der Grundaufstellung. Zwei Füße auf dem Boden, das ist ganz einfach. Der Rest ist eine intuitive Geschichte von Rock and Roll. Sie wissen schon, die Sache mit den Beats von früher. Hüfte locker und so weiter und sofort.

(Sie sollten vor Beginn des fulminanten Finales des Ausdrucks Ihrer inneren Ausgelassenheit noch einmal alle Kräfte zusammen nehmen, Anlauf oder wie auch immer Sie das nennen mögen, und wirklich alles geben. In der letzten Bewegung dann lassen Sie den Stress und die Anspannung hinter sich und schütteln alles ab. Danach werden Sie den Berg des Lebens quasi hinauf fliegen, vorbei an den lahmärschig im Lift sitzenden Skifahrern werden Sie auf dem Pfad des Lebens zwar keuchend, aber mit gesunder Gesichtsfarbe und durchaus gut gemütet das Gipfelkreuz erreichen. Sie müssen es nur zulassen.)

Um eines bitte ich Sie dennoch: Morgen haben Sie das alles vergessen und nehmen mich wieder für voll. Besten Dank und gute Heimreise. Bis zum nächsten Mal.

Liz hat es verfasst, und zwar am 14. Dezember 2008 um genau 23:39
Kategorie : Zeug | 7 Kommentare


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