Klonk.
So klingt es vielleicht, wenn man einen Stock zugeworfen bekommt und nicht so gut fangen kann. Ich war nie eines dieser kreischenden, Hände über dem Kopf zusammenschlagenden Mädchen, die die Augen zusammenkneifen und hysterisch mit allem herumfuchteln, was sie so haben, wenn ihnen etwas entgegen geflogen kommt. Dennoch (aber dafür kann ich nichts) merke ich es noch einen Tag später, wenn ich eine Frisbee professionell mit der Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger gefangen habe. Jedenfalls ist Tino ja einer von der sehr sportlichen Sorte und hat mit einem Stock geworfen und hiermit hechte ich so gut ich kann, obwohl ich ja eigentlich kein Fan von diesen Fragebögen/Weiterleitungsfragen bin. Aber es geht um Hörgewohnheiten und da kann ich jetzt nicht einfach so tun, als hätte ich es nicht gesehen. Und wenn ich schon nicht mit ihm Marathon laufe, kann ich mich wenigstens zu diesem Gefallen hinreißen lassen.
Dabei hör ich doch gar keine Podcasts.
Ich höre viele Dinge und auch viele Dinge sehr gerne, aber Podcasts haben es bisher nicht geschafft, mein Herz zu erobern. Vielleicht liegt es an meiner Arbeitsumgebung, denn zuhause beschallt mich meist die eigene Anlage bzw. der Rechner mit Musik, während ich arbeite, hintergründiges, manchmal ein Hit und wenn ich prokrastinativ allein bin, singe ich auch die eine oder andere Zeile lauthals mit. Sitze ich im Büro, dann hochkonzentriert, dem Kicker aus der Küche lauschend oder mit Kopfhörern, womit wir wieder beim Anfang dieses Absatzes wären. Das Problem bei mir und Podcasts ist: Meistens sitze ich selber an Texten. Und ich kann niemandem beim Quatschen zuhören, wenn ich mich auf meine eigenen Worte konzentrieren muss. Habe ich eine Pause, dann eben auch eine Pause von Worten. Ich habe es ja ein paar Mal versucht, der jetzt.de-Podcast hat mich nicht bekommen, diese hauchende Dame, die ich neulich im Autoradio wiedererhörte, aus München hat es auch nicht geschafft und nach zwei drei erfolglosen Versuchen hab ich gedacht: Ihr könnt quatschen, ich geh schreiben, adieu, auf Nimmerwiedersehen.
Dieses Hinundhergeziehe von Podcasts finde ich unpraktisch, das sofortige Anhören funktioniert in meinem Rhythmus leider nicht und wenn ich dann doch mal Zeit finde, sind die achso aktuellen Inhalte auch schon wieder reif für die Mülltüte. Zudem ich zwar den Empfehlungen von Freunden vertraue, mein Kiefer sich jedoch zu einem Gähnen spreizen möchte, wenn mir irgendwelche Hansel erzählen wollen, was denn jetzt cool, angesagt und topmodern ist, lustig oder wahnwitzig, nicht zu verpassen und ach.
Und so hatte ich mich damit abgefunden, dass die Podcasts und ich nicht auf der gleichen Spur fahren, ich hab zur Seite geguckt, die sind an mir vorbei gesaust und mir war es egal. Bis ich vor einer langen Autofahrt von einem Menschen meines Vertrauens etwas auf mein Musikabspielgerät geladen bekam. Radiowissen von Bayern2. Während mich diese quäkenden, angestrengt deutlich redenden, hauchenden, schmatzenden, giggelnden, unverständlichen Stimmen meist unbeschreiblich nervten, wurde ich hier empfangen von Lauten, die mein Herz beruhigten. Sanftes Geschwader von Allerweltswissen lullte mich ein und ich konnte kaum genug bekommen. Die Länge reicht bei den langen Stücken für meine S-Bahn-Strecke vor dem Umsteigen, mich streift für ein paar Minuten (und manchmal länger) das sanfte Gefühl von Bildung, ich höre nichts vom morgendlichen Berliner Geschwader und bei langen Autofahrten lässt mich nichts besser in den schunkelnden Schlaf kippen.
Und weil ich mich so angestrengt habe, Tinos Frage nach Podcasts zu beantworten, schmeiße ich den Stock nun nicht mehr weiter sondern widme mich ausschnaufend meiner Fingerfertigkeit. Außerdem regnet´s und das Ding würde jedem normalen Menschen sofort aus der Hand glibschen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 21. November 2008 um genau 9:33
Kategorie : Ton | 1 Kommentare