Die Sache mit der zweiten Hälfte

Es ist so nett, wie sie jedes Jahr wieder gleich aussehen in ihrem Geschwafel von Besinnung und ihrem Kaufrausch, von dem sie mit Taschen voller Stinketeelichter und weiterem Nippes zurückkehren. Dieser abschätzende Blick an den Supermarktregalen, die direkt vor den Kassen stehen, damit auch jeder versteht, dass in zweieinhalb Monaten Weihnachten ist, ja in anderthalb Monaten schon Dezember, damit auch niemand vergisst, kurz die Finger auszustrecken und über die knisternde, knackende und so unangenehm Raschelknurpselfolie gleiten zu lassen. Und immer wieder diese kleinen Schokoladenringe mit winzigen, bunten Kügelchen drauf, die niemandem schmecken, die aber jeder kauft, weil sie dazugehören, weil es auch die geben muss, die übrig bleiben wie beim Fußball am Ende auf dem leeren, krümeligen Keksteller.
Dieses Gerede im September von Silvester, das Abscannen der Schaufenster und mit welchem Hauruck die Sommermode in der Schublade verstaut wird, daneben ein Seufzen, das mit dem Harmonietee regelrecht genossen wird. Man kauft den Zucker jetzt an kleinen Holzstielen, kippt tonnenweise Zimt in den Kaffee, Frauen mit Filzmützen tragen ständig Tüten voller Nüsse mit sich herum und erzählen jedem, wie gut der alte Nußknacker noch funktioniert. Und sowieso von früher. Man könnte diese bunten Blätter auch einfach schön finden, das neblige Licht am frühen Morgen und dass man eigentlich jedes Jahr wieder die Chance hat, sich von diesem vorwurfsvollen Blick freizumachen, der auf einem landet, wenn man auf Marzipan noch keine Lust hat. Jedes Jahr neu kann man sich verabschieden von dieser eingekauften Wehmut und sich ans Meer oder auf einen Berg stellen und sich einfach freuen auf das, was kommt. Ob man dabei jetzt eine Mütze tragen muss, ist ja eigentlich egal.
Liz hat es verfasst, und zwar am 19. Oktober 2008 um genau 21:57
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