Nach hinten um.

Es knackt, wenn man die Kopfhörer aufsetzt. Das Plastik biegt sich nicht unhörbar, der etwas klebrige Schutzstoff legt sich in Falten über die Ohrmuschel, während man abbiegt und nicht nach der Richtung schaut. Schon schaut, aber nicht noch einmal prüft, die Karte nicht noch einmal auspackt. Manchmal genügt es schon zu sehen, wie der Bodenbelag sich verändert, die Farbe und Struktur wechselt, Linien in Anordnungen, man hat die Sache mit der Ordnung hier sehr gern. Dennoch findet man die kleinen Orte des Chaos´ im Vorübergehen. Mehr aus Versehen als in der Suche. Die offenen Schnürsenkel, die nicht bemerkt werden. Die Hinterhöfe, in denen die Geradlinigkeit jeden Winkel in Beschlag genommen hat und ein hineingewehter Zettel schon zum Rebellen wird.
Es macht Geräusch bei jedem Schritt irgendwo hinter der Musik, der Lärm eines Autos hin und wieder legt sich genauso auf´s Pausenbrot wie das Rascheln der dazugehörigen Plastiktüte, der Beat baut sich selbst, die Füße folgen und die Quadratlatschenmuster. Und in dem Gefühl der Fremde richtet man sich schnell ganz gut ein, weil einen niemand fragt, weil man selbst niemanden fragt, weil man vielleicht mal lächelt und dann weitergeht ohne jede Verzögerung, man nimmt alles mit. Schluckt ohne das krachende, piekende Gefühl der einzelnen Stücke, weil man im Ganzen isst. Das Beißen und Zerteilen überlässt man lieber den Übriggebliebenen, den anderen, die die Pause brauchen, während man sich weiter an Hauswänden herumdrückt, den Duft von Wasser manchmal erahnt, Fluss und Pfütze und Regen verwechselt, nicht mehr aufatmet, wenn die Sonne sich mal blicken lässt, weil man eh die ganze Zeit aufnimmt, einsaugt, ohne einen Schalter umgelegt, einen Hebel betätigt zu haben. Es passiert einfach.
Und man kann sich an den Rand des Gefühls stellen, sich darin spiegeln, die Oberfläche auf sich wirken lassen, ihm den Rücken zukehren und ein bisschen unsicher sein. Aber nichts ist dem ähnlich, wenn man in die Fremde fällt, nichts ist weicher für die Reisepassstempelseele als die flauschige Kapuze einer neuen Stadt, in der niemand Fragen stellt, die ohne Kabel auszukommen scheint, die einen mit dem Zurückgelassenen verbinden könnten. Und es nimmt sich nicht aus, nach einigen Tagen manche Straßen wiederzuerkennen, man baut sich aus Puzzleteilen ein anderes, projektionsloses Motiv. Irgendwas ohne Schatten. In irgendeiner Richtung.
Liz hat es verfasst, und zwar am 17. September 2008 um genau 17:36
Kategorie : Blicke | 1 Kommentare