Sensorische Deprivation

Es gibt hier kaum Bäume, also so nebenbei, es gibt sie am Fluss und in Haufen, an den Straßenecken und in eigens dafür abgezäunten Arealen, aber kaum zwischendurch. Ich habe mich eine Weile wundern müssen beim Anblick der Seitenstraßen, die so sauber und unangetastet da liegen, in denen nachmittags kaum jemand auf den Bürgersteigen ist und man sich temperaturunabhängig ein bisschen fühlt wie in Spanien mit dieser seltsamen Stille der Siesta, ich musste schon etwas überlegen, um zu wissen, was mir fehlte, bis mir aufging, dass es die Bäume sind. Es scheint, als habe hier alles seinen Platz, und dort, wo eben die Straße ist, die schmalekleinesaubere Straße mit den blanken Fassaden ohne Buntstift darauf, nicht einmal Blumenkästen oder soetwas, nur heller Stein, da sind die Bäume eben nicht, da würden sie vielleicht auch platztechnisch nicht hinpassen, dennoch muss man immer bis ganz nach hinten schauen, bis ans Ende gehen meistens.
Und die Stille der Nachmittage in den Seitenstraßen ist auch nur eine unmittelbare, die es nicht bis in die Ferne schafft, wo es noch rumpelt und rattert, auf den großen Wegen hört der Verkehr nicht auf. Als habe jemand Arme und Beine stillgelegt und überließe dem Bauch die ganze Arbeit. Als habe jemand die Schleusentore geschlossen, aber dahinter höre man, wie sich das Wasser staut und Wellen macht, um dann später umso heftiger zu fallen und zu fließen. Als spare irgendjemand Kraft. Und ihre Motorräder beschützen sie sorgsam mit Planen, überall stehen gewickelte Haufen aus Plastik herum, in dunkelrot und schwarz. Daneben sitzen sie dann beim Mittagessen und oft reden sie dabei nicht miteinander. Sie klimpern und stochern, kauen und spießen und schauen. Aneinander vorbei oder sich an, vielleicht den vorbei schlendernden Damen auf die Kniekehlen, aber selten verlieren sie dabei ein Wort.
Liz hat es verfasst, und zwar am 11. September 2008 um genau 8:54
Kategorie : München | 1 Kommentare