Windschutz

Es gibt hier keine Läden, in denen man sich Schnurrbärte zum Ankleben kaufen könnte. Und sowieso ist hier niemand zu sehen, der einen sehen könnte. Es gibt kein Konfetti und keinen Bass, es gibt nicht einmal dieses Straßengeräusch, das dich umarmt, wenn es niemanden gibt sonst. Und Sand weht dir unaufhörlich überallhin. Die Grenzen sind glasklar, das hier bist du und das da ist das Wasser und das dort, das sind die Dünen und hinter dir ist sonst nichts und vor dir ist sonst nichts, nur über dir ein Gewitter und im Zusammenspiel seid ihr noch unsouverän.
Am Weststrand kann man seine Füße noch durch das Wasser sehen, wenn es einem schon so hoch steht, dass man mit dem Gesicht hinein taucht, sobald man versucht den Kopf zu senken. Dem Blick einen Weg auf den Boden. Es gibt keine Gewinnspanne, kein Verlustmaximum, die Geschichte hat keinen Anfang und kein Ende und das Eine ist immer irgendwie, während das Andere aufzuckt in winzigen Dosen, wenn alles still ist, wie nur einer der vielen Funken von Wunderkerzen irgendwann zwischen Weihnachten und Neujahr, die man anzündet, nur um zu sehen, ob die alte Packung noch gut ist, ob sie noch funktionieren, nicht um der Sache Willen sondern mehr im Vorübergehen, im Aufräumen, währenddessen.
Und weil es keine Fenster gibt, die dir gegenüber dich immerzu anglotzen, gibt es auch keine Gardinen, kein Wellblechpappe, keine Wurzelbehandlung und keine Kontonummern. Und das Licht fällt dir in Streifen genau wie die Landschaft auf den Teller, ein bisschen blutig noch, aber so muss das ja sein, sagen die, die ihre Geschichte schon geschrieben haben, ihre Enden und Anfänge, gestrickt und geknotet. Mein Puzzle hat 35.000 Teile. Es gibt hier keine Spielzeugläden oder Lagerhäuser, keine Notapotheken und Dutzendrabatte. Sowieso ist hier niemand zu sehen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 31. August 2008 um genau 22:58
Kategorie : Blicke | 0 Kommentare