Es gibt Dinge, zu denen man nix sagen kann. Nur den Kopf schütteln. Nur traurig sein, dass gerade keine Leute drin sitzen, die das Ding wirklich benutzen. Die man dann anschauen und sich merken könnte. Für später. Man begegnet sich ja immer zweimal und so.
Liz hat es verfasst, und zwar am 31. Juli 2008 um genau 19:32
Kategorie : Fundstücke | 3 Kommentare

…jetzt plötzlich um Twitter gemacht wird. Dabei war ich so froh, dass alle halbwegs stillschweigend dieses Ding einfach nutzen und gut is. Nein, jetzt gab es diese Lesung und wie das mit Events so ist, sitzt auch die Presse da rum. Und jetzt ist Sommer und alle denken: Huch, ein Event, das muss was sein. Dabei ist es nur ein Spaß, ein Witz, eine Winzigkeit. Und plötzlich wird es so zurechtgeschrieben, dass man bestimmt bald wieder mit Followern zugebombt wird, die eh alle nur Werbung sind. Das hielt sich ja bis jetzt einigermaßen in Grenzen. Die Geschichte ist ja dennoch immer wieder, dass ich nur den Kopf schütteln kann über das Auf-Dem-Schlauch-Stehen der großen Medien. Bitte einmal durchdeklinieren, jetzt alle zusammen, hopps, damit nicht einer das vergisst und alle sich einen Aufkleber mit draufgekrakeltem “up to date” auf die Stirn kleben können. Zeit und Welt ham´s schon, wo sind die anderen? Der Rattenschwanz in Schneckengeschwindigkeit folgt wohl auf dem Fuße (Tagesspiegel und Zweitverwertung bei Zoomer…). Lustig aber auch, dass die Zeit den Text mit einem Spruch überschrieben hat, der als eigene Idee ausgegeben und gelesen wurde, der aber schon älter ist als ich. (Auch “Niveau ist keine Creme” ist keine neue Erfindung). Recherche ist also auch wieder so eine Sache. Aber wer regt sich auf? Ich nicht. Ich trink Kaffee am Morgen gegen andere Sorgen.
(Dennoch eine Abwechslung, wenn endlich mal über ein paar Leute geschrieben wird, die man mag.)
Liz hat es verfasst, und zwar am 30. Juli 2008 um genau 8:46
Kategorie : Kultur | 3 Kommentare
Meine Damen und Herren. Es ist keine Hochzeit, kein Geburtstag, keine Taufe und kein Jubliäum. Vielleicht eine Art Treffen all jener, die sich über die Zeit verstreut haben und sich mal wieder sehen müssen. Dazu gibt es ein neues Baby, das gezeigt und rumgereicht wird. Es kann auch mit nach Hause getragen werden.

Gefeiert wird die neue Ausgabe der PNG zum Thema Familie. Getanzt wird dazu am Freitag im Lokal in Berlin Mitte, die berühmt berüchtigten PNG Autoren machen alle mit und werden dazu auch extra aus Hamburg und Leipzig eingeflogen. Es spielen dbZwoVier, 12Volt und The Plight, was nicht jedem gefallen muss, aber trotzdem passiert (dazu simma ja da) - und danach legen Reznik (Berlin) und das System Boogie DJ Set (Audiolith, Hamburg) auf (das wird super). Alle Autoren gibt´s zum Anfassen, aber nur mit vorher fragen. Und ab Montag gibt es die 76. Ausgabe der Persona Non Grata auch am Kiosk. Mit Texten drin von vielen guten Menschen, u.a. von Maike und mir. Großer Spaß für kleines Geld, ihr wisst doch, wie das geht.
(P.S.: Die ersten 50 zahlenden Gäste bekommen die neue Ausgabe zum halben Preis.)
Liz hat es verfasst, und zwar am 29. Juli 2008 um genau 11:11
Kategorie : Kultur, Lektüre, Ton | 5 Kommentare

Es gibt ein paar Dinge, die werden sich nie ändern. Da kannst du soviele Jahre dazwischen schieben, wie du willst, da ist schon in den Anfangstagen etwas schief gegangen, das mittlerweile nicht mehr auszumachen ist. Vielleicht haben wir die Fußspitzen zu weit nach innen gedreht, vielleicht haben wir den Arm nicht ordentlich durchgestreckt, uns eine falsche Grundstellung eingeprägt, das konnte nicht gutgehen. Mit so vielen Ratgebern entscheidet man sich meistens für den falschen, für die falsche Tüte, den falschen Weg, den falschen Moment, das falsche Los, den falschen Namen oder die falsche Sorte. Man kann da ja nicht einmal etwas dafür, manchmal geht es eben sofort daneben und niemand merkt es und am Ende diagnostiziert dir einer etwas mit Verkrümmung und keiner weiß, woher das kommt und wie es wieder weggeht. Jetzt kann man versuchen, sich gegen gerade Wände zu lehnen, damit es nicht so auffällt - oder man kann mit den schiefen Schultern zucken und sagen, so ist es jetzt eben. Das bleibt halt. Wie eine Narbe, eine Macke, eine Geschichte.
Manchmal glaube ich, dass es wirklich nichts bringt, wie wir da stehen vor dem Spiegel und den Kopf ein bisschen schief halten, sodass die Schultern wieder aussehen, als wären sie gerade. Der Rest im Hintergrund, das Verschwommene, das unscharf aus dem Fokus fällt, das hat mit waagerecht nichts mehr zu tun. Und im ganzen Zimmer rutschen die Möbel herum und es sieht blöd aus, wenn man mal von sich selbst ablenkt und der stumpfsinnigen Vorstellung, wir könnten mal wieder so nebeneinander stehen, dass alles passt. Das geht mit dem Rest nämlich nicht zusammen. Aber mittlerweile kann man schon lachen, wenn man uns so sieht. Krampfhaft und ohne den Mumm, den Dingen in die Augen zu sehen. Ich meine damit nicht, ohne Romantik, halleluja, aber realistisch verklärt, wenigstens das. Aber wir in diesen schiefen Lagen, wir sind so albern, schau uns mal an, und so unsouverän.
Es gibt nun einmal diese paar Dinge, die sich nie ändern werden. Die waren schon immer so. Wir standen noch nie vor dem Spiegel und nahmen alles einfach so hin, den geraden Horizont und die Schrägen in uns. Es war noch nie unseres zu sagen, das war´s jetzt. Wir können jetzt auch aufhören, es zu versuchen. Wir brauchen uns nicht mehr pseudo-ehrlich dagegen auflehnen, dieser ganze Aufwand, das ganze Tamtam, das ist vorüber, hat sich austrompetet und die Fliege gemacht. Auf den Fotos wird der Horizont immer schief sein, die Realität aber hat sich verwachsen, das fällt nicht mehr auf. Wir sehen uns doch schon lange nicht mehr als die, die wir sind. Und diese Übungen aus dem Heft bringen ja auch nur was, wenn man sie regelmäßig macht. Wenn man sich kümmert. Und nicht nur alle zwei Jahre, nicht nur mal aus Versehen. Und weil man die eigene Unzulänglichkeit nicht wahrhaben will.
(Die Welt geht davon nicht unter, die Sau.)
Liz hat es verfasst, und zwar am 28. Juli 2008 um genau 19:23
Kategorie : Blicke | 0 Kommentare
Auch, wenn es manchmal nicht so aussieht. Es kann dort sehr wunderbar sein. Singt auch Rainald Grebe.
Liz hat es verfasst, und zwar am 28. Juli 2008 um genau 13:34
Kategorie : Blicke | 4 Kommentare
Sich freimachen zu können von den Restverpflichtungen. Einfach loszufahren und zwischen den Steilwänden ringsherum dem Streifen Himmel zu folgen. Sich in Gedanken auf die von Weitem so weich aussehenden Flächen zu legen. Mit der Hand fast die Wolken berühren zu können, wenn man sich dann hinaufgekämpft hat. Und dass es fast immer noch höher geht, während man sich vorkommt wie in einem Film, The Album Leaf als Soundtrack und hinter jeder Kurve ein Panorama.
Sich fallenlassen zu können. In den Kalterer See von einem Tretboot aus und in den Fahrtwind, der dir jegliche Frisur und angespannte Mimik zunichte macht. Man kann irgendwann eigentlich nur noch schauen und das Oh und Ah ist irgendwann überholt, weil sie so oft zusammengenommen eigentlich ein tiefes, vibrierendes Ohm ergeben, das du am Bauchboden spüren kannst. Gleichzeitig ein- und auszuatmen. Sich gegenseitig zu bedingen, kein Gleichtakt, aber sich ergänzend in jeder Bewegung.
Einen Ort in der Tasche zu haben, der transportabel ist und ein Zuhause sein könnte, unabhängig von Hausnummern und Verwurzelungstheorien, von Arbeitsplatzumständen und Mieterhöhung. Der sich lediglich speist aus den richtigen Worten in den richtigen Momenten, von dem Blick, der deine Lunge freimacht wie ein Inhalationsdampfbad bei schlimmer Sinusitis und der nicht näher sein könnte, wenn ungefragt über dem Gardasee ein Feuerwerk explodiert und sich in kleinen Glühwürmchen herabregnet.

(Wann hast du das letzte Mal nicht gezögert?)
Liz hat es verfasst, und zwar am 21. Juli 2008 um genau 11:47
Kategorie : En Känsla | 5 Kommentare
Sitze mit meinem Lieblingsmittagessensmann nach einem ausgiebigen Pizzamahl noch im Café meines Vertrauens bei einem Galao. Plötzlich kommen vier kleine Jungs mit großen Augen durch die Tür, riesige Sweatshirts an. Der eine schluckt und fragt dann meine Begleitung: “Bist du nicht XY?“. Diese antwortet wahrheitsgemäß: “Ja, der bin ich“. Dem Kleinen verschlägt es die Sprache, nach einer halben Minute Anstarren kommt über seine schmalen Lippen: “Krass“. Der neben ihm fragt aber sofort leise hinterher: “Bist du reich?” - “Ähm, nein. Dazu müsste ich Thomas Gottschalk heißen“, so die Antwort meines Begleiters. “Darf ich dir trotzdemal mal die Hand schütteln?“, fragt der Erste etwas schüchtern. Und nachdem das passiert, verlassen sie ungläubig grinsend den Laden.
In der Bedürfnisbefriedigung doch anspruchsloser als gedacht, in der Verblendung durch Fernsehen jedoch weiterhin überdimensioniert, die Kleinen von heute.
Liz hat es verfasst, und zwar am 16. Juli 2008 um genau 13:17
Kategorie : Berlin | 0 Kommentare

Alle haben diese kleinen Tragödien in der Hinterhand, jeder eine für sich oder einen, dessen Farbton nicht mehr getroffen wurde in der Mischung. Und an Wundbrand nicht erreicht. Meist sind das die Irrationalen, die nicht Richtigen gewesen, das haben wir rausgefunden, das zweifelt auch niemand mehr an. Dafür gibt es Belege, Tabellen, kleine Aufnahmen und Erinnerungen, das ist alles fein säuberlich aufgelistet und abgeheftet und steht neben den Büchern im Regal. Aber das sind auch die, an deren Intensität man sich noch nach Jahren erinnern kann. Und alle haben noch einen Rest übrig irgendwo, einen kleinen Schmerz. Man ist in der Lage ihn zu vergessen, aber herausgefunden, wie man ihn endgültig verliert, hat man nicht. Man kann auch die Lieder irgendwann wieder hören, und jemanden lieben. Jemand anderen. Und um nichts in der Welt würde man JA sagen, wenn man gefragt würde, ob man nicht doch wieder zurück wolle. Man kann weitergehen und alles ist okay, das zweifelt niemand an, das wurde herausgefunden. Aber nichts von dem wird erneut passieren, dessen ist man sich bewusst, die Steine wurden aufeinander geschichtet und die Mauern stehen in allen Straßen, durch die man nachts läuft von der Bahn bis zur Haustür. Da stehen sie so sehr und so selbstverständlich, dass man sie kaum noch wahrnimmt, manchmal einen Brief auf ein Fensterbrett legt vielleicht, die Finger am Putz entlang streifen lässt wie schon immer da, das Rauhe auf dem Weichen.
Nur manchmal kann es sein, dass man den neuen Menschen von seinem alten Leben erzählt und von den Dingen hinter den Mauern, den alten Bildern. Und man wird lachen und den Abstand in der Stimme haben und in dem ganzen Rest, man wird nicht mehr nur die Inhalte sondern auch die Mechanismen sehen, sich fernab von der Impulsivität der alten Tage zurücklehnen und überdenken können. Vielleicht wird man sich furchtbar albern vorkommen im Nachhinein. Und dennoch behält der Buchrücken einen Streifen zurück an der Stelle, wo er lange aufgeschlagen herumlag. Das ist die normale Abnutzung an Zeit. Ja, die Stelle konnte man auswendig früher. Und noch immer gibt es ein paar Worte in den Zeilen, die werden an Bedeutung nicht verlieren, auch wenn du die Geschichte im Ganzen nie wieder jemandem empfehlen würdest, keinen Text darüber schreiben oder den Autor zu deinen liebsten zählen. Aber im Stillen kannst du ihn noch zitieren, den einen Dialog, im Kino vielleicht, wenn niemand sieht, dass du das bist. Dass du das nicht vergisst.
Jeder hat da etwas in der Faust hinter dem Rücken. Egal, welche man wählt, immer ist was drin.
Liz hat es verfasst, und zwar am 16. Juli 2008 um genau 10:25
Kategorie : Blicke | 6 Kommentare
In Friedrichshain um 17:50 Uhr am Sonntagabend. Ein Wahlhelfer fortgeschrittenen Alters fragte entsetzt: “Wat´n hier los jetzt? Heute morgen um zehn war dit doch so leer.” Aus der Reihe der Wartenden kam fast im Chor: “Wir sind hier in F-R-I-E-D-R-I-C-H-S-H-A-I-N!”. Dennoch wurde die kritische Marke von 27 389 eindeutig geknackt. Aber ich frage mich weiterhin, warum hierbei nur der Bezirk abstimmen durfte. Der Fluß geht doch eigentlich alle an.
Liz hat es verfasst, und zwar am 14. Juli 2008 um genau 12:10
Kategorie : Berlin | 4 Kommentare
Wir haben uns angesehen und nichts gesagt. Er stand dort und ich konnte nicht weitergehen. Der Zufall will, dass wir im selben Haus die Nachmittage verbringen. Und nun treffen wir uns jede volle Stunde draußen im Flur, wir können gar nichts sagen, so gut finden wir uns. Natürlich ist er vergeben, das passiert mir ja nicht das erste Mal. Aber gucken wird man wohl dürfen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 10. Juli 2008 um genau 20:55
Kategorie : Fundstücke | 9 Kommentare