Inferno-Ästhetik

Brandherd: Köpenicker Straße. Handykamerastandort: Elsenbrücke.
Liz hat es verfasst, und zwar am 15. Mai 2008 um genau 9:22
Kategorie : Berlin | 1 Kommentare

Brandherd: Köpenicker Straße. Handykamerastandort: Elsenbrücke.
Liz hat es verfasst, und zwar am 15. Mai 2008 um genau 9:22
Kategorie : Berlin | 1 Kommentare
Im Westen brennt´s. Man riecht den Rauch noch am Ostkreuz. Und am Treptower Park guckt niemand geradeaus sondern alle nur auf´s Wasser, denn darüber ist der Himmel dunkelgrau. Im Hintergrund goldgelborange Abendsonne. Weiß jemand was?
Liz hat es verfasst, und zwar am 14. Mai 2008 um genau 19:53
Kategorie : Berlin | 6 Kommentare

Ich wachte auf und hatte zehn Hände am Hals mit jeweils zehn Fingern. An jedem Finger zehn Ringe, übereinander gesteckt, man konnte die Haut nur in kleinen Streifen sehen, Gliedmaßen wie Maschinen. Mit den Wimpern konnte ich sie berühren, zwei Hände lagen über meinem Mund, ich atmete ruhig durch die Nase. Ich hatte keinen Schnupfen. Das Silber der Ringe war kalt, meine Lippen spürten faltige Haut, Risse, ein paar Schwielen. Mit rauem Seil haben sie mich festgebunden, Faser für Faser neben den Haaren auf meinen Armen und rotspurig. Die Knöchel an den Füßen rieben übereinander, knackten im Innern, niemand machte ein Geräusch, ich atmete ruhig. Das Weiß in ihren Augen leuchtete gegen den blauen Morgen der Stadt, der Boden knarrte nicht wie sonst. Sie öffneten das Fenster, acht Hände fassten unter mich, man stellte mich auf und an die Fensterbank. Zwei Hände stets geschlossen über meinem Mund, das kalte Metall kehrte zurück unter mein Kinn, ich atmete ruhig. Das Holz unter meinen Fußsohlen, der Lastwagen der Müllabfuhr hielt vor unserem Haus, zwei Männer mit Latzhosen sprangen heraus. Eine Tür fiel ins Schloss. Mir wehte es Haare in die Stirn, vor die Augen, ich sah nach unten, es brauchte neue Erde in den Blumenkästen, der Winter klebte unter den Nägeln, ich konnte ihn sehen, ich atmete ruhig. Ein leichter Druck legte sich um meine Hüfte und dort, wo die zwei Punkte sind am Ende des Rückens, stemmte sich etwas dagegen. Und ich hielt mich nicht auf, ich hielt sie nicht auf, ich ließ mich schieben. Meine Kniescheiben knallten gegen die Heizung, der Bauch drückte gegen das Fensterbrett, mein Körper beugte sich. Die Füße wurden neben die Blumenkästen gestellt, ich atmete ruhig, zehn Handflächen auf mir mit jeweils zehn Fingern. Meine Haut an den Schienbeinen war weiß, das Metall war kalt unter meinen Füßen, ich hatte keinen Schnupfen. Heute Nacht bin ich erstickt und auf die Straße gefallen. Und die beiden Männer in den Latzhosen taten mir leid.
Liz hat es verfasst, und zwar am 14. Mai 2008 um genau 0:19
Kategorie : Blicke | 1 Kommentare

Eigentlich ist das Datum egal, wir werden immer in diesem Auto sitzen, wir werden uns immer ein bisschen seltsam fühlen beim Gedanken daran, uns in die Zeitleiste einer Familie hinein zu malen, die so weit weg lebt von uns - nur 200km und doch irgendwie mehr. Es werden auch immer Windräder an uns vorbeifliegen, wenn die Gespräche aufkommen darüber. Wir brauchen nicht einmal reden. Im Kopf spulen sich die institutionalisierten Neurosen ab - immer erst, wenn man geht - und wer sich wie verändert hat, wir gehen Mensch für Mensch durch und ordnen ihn neu ein. Und wir, die wegfahren, halten die Stimmung wie einen Sonnenstich - den Druck im Kopf und dass man erst abends merkt, wie es in den Schläfen pocht. Und auch, wenn man alle Anwesenden über Jahre nicht gesehen hat (vier Jahre habe ich gefehlt), man trägt sie immer noch so wie die weißen Stellen am Abend auf der gebräunten Haut vor dem Spiegel. Das sind immer noch wir, das Aufwachsen, die Verästelung nach oben und die Wurzel nach unten, der Hintergrund. Aber wir fahren wieder in die große Stadt, die sich uns zu eigen gemacht hat, die uns festhält, weil wir es nicht anders kennen - dort, wo die Familie Idylle hat und einen Rapsfeldausblick jeden Abend, schreit es “Ferien!” in uns. Wir halten die Hände über den Mund und atmen tief ein und aus, wenn es niemand sieht. Setzen Sonnenbrillen auf.
Eigentlich ist das Datum egal. Es fühlt sich immer seltsam an, die Ankunft und die Abfahrt, der Abgleich und die Fremdheit, die neuen Gesichter und die älteren - das ist uns alles angeboren. Und wenn man uns nach Berlin fragt, nach den Dingen und dem dazugehörigen Fluss, müssen wir immer erst einen Moment überlegen - was erzählen wir, was passt hierher? Und immer werden uns auf der Autobahn Sätze einfallen, die wir nicht gesagt haben, die noch in der Luft stehen. Wir werden den Funkturm von weitem im Dunkeln blinken sehen und ihn hinter uns lassen, den Schlüssel suchen, am Haus hinaufschauen und seufzen. Unwissend, warum. Aber man kämpft ja mittlerweile schon prophylaktisch. Auch daran wird sich nichts ändern.
Liz hat es verfasst, und zwar am 12. Mai 2008 um genau 18:41
Kategorie : Moi | 0 Kommentare

Manchmal muss man sich den Kopf wegpusten lassen und die Augen zumachen, um sie zwischendurch kurz wieder aufzumachen, in flackerndes Stroboskoplicht zu schauen, während man den Boden unter den Füßen verliert, alles tanzt, alles wirft Hände und Füße in die Luft, und macht die Augen wieder zu, das breite Grinsen muss man nicht immer zwingend sehen. Wir sind nur da, um alles abzugeben, abzulegen irgendwohin und nichts mehr wiederzufinden. Um eine Ahnung für den Sommer zu bekommen, das wieder zu schmecken, denn wir wollen doch mehr davon, von laut und Beat und tanzen und Schweiß. Und Stromausfall ist auch egal, wir machen einfach weiter.
Wenn wir dann nachts auf den Brücken dieser Stadt stehen und nichts mehr erkennen, nicht einmal mehr die Umrisse, passt auch “Precipice” von Leander. Das halten wir fest, damit gehen wir ins Bett. So schnell schläft hier niemand ein, noch nicht. Wegen des Lichts am Morgen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 8. Mai 2008 um genau 13:44
Kategorie : Ton | 0 Kommentare

Der Entschluss, die Koffer zu packen, ist meistens einer von der schnellen Sorte. Man lässt sich schnell von der eigenen blassen Haut locken, vom eben mal wieder frech aufjuchzenden Sinn für Abenteuer, es geht ruckzuck, die Brücken einzutreten, die Schere aus der Schublade zu nehmen und hinter sich alles abzuschneiden. Das passiert hin und wieder auch mal im Affekt, in einer lauten Laune oder stiller Aggression, das fungiert als Warnung, Demonstration und Beweis der eigenen Beweglichkeit. Sieh, was ich mir erhalten habe, ich lasse mich nicht lähmen und schon gar nicht von dir. Das Realitätsprinzip nehme ich jetzt mal in die Hand.
Und im Aufbruch fühlt es sich gut an, man blickt sich nicht um, lenkt die Triebe dann doch wieder ins Innere und überspringt die eigene Grenzhaftigkeit für einen Moment. Ich packe meine Koffer und nehme mich mit. Und in diesem notwendigen Rückzugsgefecht hält man nicht inne, denn allein das wäre schon Projektions- und Angriffsfläche. Eine weiße weiße Wand und ich gebe dir die Stifte in die Hand. Im Aufbruch reißt man alle Wände ein, lässt nichts mehr stehen und keinen Platz für Dinge, nur Unebenheiten. Man fährt dann mit der Hand darüber und es soll rauh sein, splittern, sich zersetzen. Bleibe bloß nichts, wie es war, denn ich gehe jetzt. Wir verdrängen die Ängste und das Unbehagen stammt allein vom Schuldgefühl. Wir schultern alles und ziehen den Nippel durch die Lasche, zurren fest bis zu den roten Striemen. Wir fassen nicht nach.
Das Schwere ist eigentlich, auch weg zu bleiben. Nicht mehr zurückzugehen. Sich einzurichten in einer anderen Umgebung und daraus ein Zuhause zu machen, ein neues. Was anderes anzufangen, voran auch, die richtigen Dinge zu behalten. Es schaffen, sich zu lösen. Und sich anzufreunden damit. Denn eigentlich schwimmen die meisten zurück, ans Ufer, in die Stadt, in das Land, in den Alltag und die Arme. Die Kunst ist, nicht neurotisch zu werden dabei. Und die Langfristigkeit des abgewendeten Blickes ist am Ende das, was am schwersten ist und was man am meisten spürt. Weil die Luft schneller windet, wenn nichts im Weg steht und das sausende Geräusch der Leere schon recht laut brüllt, wenn man wirklich weg ist. Tinituswise.
Liz hat es verfasst, und zwar am 6. Mai 2008 um genau 11:03
Kategorie : Blicke | 9 Kommentare

Manchmal fühlt es sich an wie ein Gerinsel im Kopf, das leise Vergessen, das sich verflüchtigende Gefühl der Wahrnehmung, wenn die Ränder verschwimmen, die scharfen Konturen einfach immer weicher gezeichnet werden, um sich irgendwann komplett mit dem Rest zu vermischen. Manchmal fühlt es sich an wie ein Nagel im Kopf, der dort eingeschlagen wurde, wo man das Kreuz gemacht hat, haargenau quasi. Der ein bisschen zu tief ging allerdings, ein bisschen zu weit im tiefen Schwung, ein bisschen zu fest.
Und wenn man dann den Kopf unter die große Maschine legt, unter die tägliche Betrachtung von allen Seiten. Wenn man dann Experten fragt und die schütteln mit dem Kopf, dann ist es Zeit mit den Händen zu knacken, obwohl das noch nie funktioniert hat, dann kannst du auf der kleinen Papierserviette eine Zeichnung mit Kugelschreiber anfertigen, kannst dir selbst beim An-der-Kreuzung-stehen zugucken, vielleicht mit einem abgerutschten Fuß, denn der Tisch ist glatt. Du kannst dir die Pfeile über die Serviette hinaus auf das braune Plastik malen, die Linie immer weiter bis zur Kante. Manchmal muss man noch fester auf den Punkt drücken, damit er nicht mehr weh tut.
Wenn dich dann alle ansehen, aber niemand mehr etwas sagt, wenn der Punkt im Kopf hämmert, dann ist es Zeit zu gehen, die Konturen des Herzens wieder zu schärfen, indem man es einmal mehr einem Abschied aussetzt, um nicht jegliche Form zu verlieren, nicht jeden Sinn für all das. Und ich weiß, dass sie aufatmen werden und ein Häkchen machen auf einem Klemmbrett. Ich weiß, dass sie mich stolz ansehen werden, wenn ich das nächste Mal komme wegen eines Schnupfens und mir auf die Schulter klopfen. Ich bin froh, dass sie das tun, denn ich selbst kann das noch nicht, gut sein im Gehen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 4. Mai 2008 um genau 17:20
Kategorie : Moi | 0 Kommentare
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