Man kommt hinter den Eindrücken kaum her. Mit dem Denken und Schauen und Wahrnehmen und dem Verarbeiten der völlig veränderten Geräusch- und Geruchskulisse. Was an den Fenstern vorbeifliegt, wenn man mit der Metro fährt, der Dunst und jedes kleine Fenster, vor dem hinter dem Gitter noch Sachen auf Bügeln hängen, die Klimaanlage auf Halbmast. Dass man hier scharf und warm zum Frühstück isst, in der Suppe irgendwelche Tierhaare. Auf dem Flur des Hotel läuft tagsüber immer Dudelmusik, zum Frühstück gesellt sich dann soundwise noch der laufende Fernseher, in dem der Nachrichtenmann die Zeitung vorliest.

Die Stadt ist auf drei Seiten von Bergen umgeben, den Taipeh 101 sieht man trotzdem nur selten, wenn man unten auf der Straße steht. Kommt aber ein Taifun über die Stadt, dann bleibt er da auch eine Weile, weil er nicht wieder hinausfindet. Es regnete den halben Tag, man leiht sich dann ganz selbstverständlich riesige Regenschirme im Hotel aus und läuft durch die stehende, warme Luft und wird von allen Seiten nass. Lachen, denn die Menschen auf den Mofas sind nur noch sausende Regencapes, es rauscht immer. Wasser gibt es außerdem in Plastikbechern mit Plastikfolie oben drüber, in die man so eine Miniteufelsheugabel stecken muss, um dann einen Strohhalm durch das Loch zu pieken. Jeder, der nicht von hier ist, bespritzt sich dabei von oben bis unten.

Nach Stunden im Asus Headquarter, dem Besprechen des Stundenplans der Konferenz und riesigen Mittagssuppenschüsseln lerne ich wieder neue Obstsorten. Meine Präferenz: das grüne Ding als Mischung aus Birne und Gurke. Und später sowieso den ganzen irren Kram von Schweinebauch bis Seegurke auf dem Tisch stehen haben, manches davon probieren, manches weglassen. Am Ende darauf zwischen all der Leuchtreklame ein taiwanisches Bier in einer Bar, die “aussieht wie eine Eisdiele” (Frank). Und dazwischen türmt sich die Vorfreude auf die Konferenz. Man betrachte die Mona Lisa aus Hardwarekleinteilen in dem großen Foyer.

Staubige Hände auf den Knien. Das waren erst anderthalb Tage. Ein Gefühl, als sei man schon lange da. Man geht hier nicht verloren. Teilweise verirrt man sich ein bisschen in sich selbst, findet sich beim Blick auf Schriftzeichen irgendwo wieder, wo man sich nicht erwartet hatte. Man kann sich hier ganz gut an die Hand nehmen und neben sich selbst herumspazieren, sich mal von außen angucken, einen Eindruck gewinnen, sich Hallo sagen und erstaunt sein, sich mal anders begegnen. Die Vögel piepen hier nicht umsonst anders.
Liz hat es verfasst, und zwar am 21. April 2008 um genau 19:30
Kategorie : Taiwan | 1 Kommentare

Berlin Tegel. Das Schöne eines Flughafens am Morgen ist, dass man nicht als einzige müde aussieht. Ein alter Mann inspiziert mit einer riesigen Lupe seine Wurstsemmel, die Sonne geht vor dem pastellfarbenen Himmel auf. Das Gepäck ist in einen Plastiksack gestopft und abgegeben, die Nacht war kaum mit Schlaf. Der große, blonde Stuart führt sich auf wie der Ministerpräsident des Terminals, kaum einen hinter sich, aber immer schön wichtig tun. Und die Bedienung am Tresen der Kaffeebar trägt hellblaue, puschelige Wollstrümpfe unter ihren Birkenstocks. Ein Kind wischt mit seinem Pullover den Boden, sie den hässlich gemusterten Plastiktisch.
London Heathrow. Terminal 5. Ein bisschen im Flugzeug geschlafen, aber nicht wirklich. Hier wimmelt es. Und trotzdem gucken alle nur in sich hinein, hören nach innen und Musik, mampfen aus Langeweile Dinge, die in Plastik eingeschweißt sind. In allen Geschäften gibt es dasselbe, nur die Dekoration und das Licht verändern sich von Ladentür zu Ladentür. Und Teppiche auf Flughäfen sind wirklich bezugsgruppengerecht gestaltet: zum Reintreten. Und in der Mitte das oblogatorische Kaffeemarken-Rondell als Zentrum der Macht. Das schrille Piepen kündigt die dunkle Frauenstimme an, die Personen ausruft, die Versäumnisse in petto haben. Die Müdigkeit ist überall, das Denken hat seine Geschwindigkeit verlangsamt, der Körper zieht träge mit. Die Aussicht besteht aus einem Brei, von dem man sich mitreißen und hindurchtreiben lässt. Wenn man wirklich daran denkt, klatscht einem leichte Überforderung an den Hinterkopf. Drüberstreichen, anlehnen. Und der Müllmann wechselt zum vierten Mal in zwei Stunden die Mülltüte im Papierkorb neben uns. Sie war jedes Mal voll.

Hong Kong International Airport. Es ist so leise. Es riecht süßlich. Das Dach ist der Knaller. Und die Aussicht auf eine Bergwand mit Säulen aus Hochhäusern davor, Wohnsilos, ebenso. Die Luft steht. Wir warten. Eine Spontandemo bildet sich, einer wird abgeführt, man war angeblich mit dem Service der Airline nicht zufrieden, irgendetwas wird gemurmelt, Sprechchöre. Und wieder ein hässlicher Teppich. Fresstände mit Essen auf Bildern. Bilder sind unser Leitsystem, den Rest verstehen wir nicht mehr. Wie ein ein vierjähriges Kind, das noch keine Ahnung von Buchstaben hat. Es ist erstaunlich still im Kopf, viele schlafen einfach dort, wo sie sind, sitzen, liegen. Ich bin so müde. Und halte den Highscore in dem Computerspiel mit den Diamanten. Mein Name ist Player.

Taiwan Taoyuan. Das Gepäck ist da, ich schnaufe und grinse. Die Fahrt im schwarzen Bus geht vorbei an Häusern wie Kulissen, Bäumen wie aus dem Regenwald, Täler und einem Eindruck, was einen erwartet. Und man achtet mehr auf das Design, wenn man von Buchstaben keine Ahnung mehr hat. Werbung, Beton und alle haben Gitter vor den Fenstern. Und immer noch einen Balkon oben drauf, noch ein winziges Häuschen auf´s Dach, ein bisschen was geht immer noch.


Taipeh. Das Straßennamensystem nicht durchschauen. Wir halten die Karte falsch, aber die Frau von der Rezeption konnte nicht einmal das Hotel einwandfrei lokalisieren. Kommen Sie her und machen Sie Ihre eigene Lonely Planet Erfahrung: Schauen Sie hilflos mit einem Stadtplan in der Gegend herum und haben Sie sofort einen netten, zuvorkommenden Taiwaner vor sich stehen, der Ihnen helfen möchte. “Sie müssen in den Zoo!” - “In den Zoo?” - “In den Zoo. Aber mindestens vier Stunden.” Wir suchen stattdessen das Wasser, finden es und bekommen sogar unser Zeitgefühl zurück, als uns auffällt, dass die Banken nicht wegen der Mittagspause geschlossen sind sondern wegen des Wochentages. Sonntag. Trotzdem alles voller Mofas, Autos, Fahrräder, Menschen mit und ohne Mundschutz, ordentlich zurechtgemachten, sehr hübschen Mädchen, Wundern und Verwandlung. Andere Touristen erkennt man sofort. Und dass man hier charmante Briefkästen hat. Ich bin so müde, ich brauche Zeit.

Liz hat es verfasst, und zwar am 20. April 2008 um genau 14:50
Kategorie : Taiwan | 7 Kommentare

Da war er wieder, in der Straßenbahn. Dieser kleine Moment, in dem man ahnt, was passieren wird. In dem sich die innere Architektur darauf einstellt, in Beschlag genommen zu werden und etwas aushalten zu müssen. Das simple Zählen der Tage, die stille Vorbereitung und das Gefühl, dass es nicht das erste Mal ist. Wenn du dich anschnallst und dich nichts und niemand mehr ablenkt, wenn deine Sozialisation durch Bücher und Filme und Musik dich dazu bringt, dieser Situation, der Stimme des Kapitäns, dem Blick aus dem Fenster, dem Geräusch der Motoren etwas abzugewinnen. Und während du sitzt und schaust und Mr. Shuffle sich mal wieder wichtig machen will und genau diesen Song spielt, dann weißt du, es hat dich erneut.
Was, wenn. Man sich entschließen würde, nicht zurückzukehren. Die Grenzlinien neu zu ziehen. Die Prioritäten falsch sind. Man sich schon längst verlaufen hat. Etwas passiert. Nichts passiert. Man zurückkommt und nichts hat sich verändert. Man zurückkommt und alles hat sich verändert. Das bisschen den Unterschied macht. Man sich neu justiert. Die Uhrzeit vergisst. Die Sprache verlernt. Den Regeln nicht folgt. Die Regeln nicht kennt. Neue macht. Man sich selbst ausgesetzt ist. Schonunglos. Nur du.
Liz hat es verfasst, und zwar am 18. April 2008 um genau 16:11
Kategorie : Moi | 3 Kommentare

Ich habe es gehasst. Ich habe es mit aller Leidenschaft und wirklich von Herzen gehasst, in diesen Kindergarten gehen zu müssen. Ich habe es so sehr gehasst, dass ich – auch wenn ich nur fünf Jahre Osten am eigenen Leib mitbekommen habe – immer noch aufstampfen und losgockeln will, wenn mir einer mit Sprüchen kommt wie „Damals war´s ja doch besser“ oder „So schlecht hatten wir es ja auch nicht“ oder „Wenigstens gab es Arbeit“.
Arbeit für runzelige Kindergärtnerinnen, die darin bestand, den Kindern unter ihrer Obhut vor jedem Mittagessen zu befehlen, die Arme vor dem Körper zu verschränken. Der eine Arm musste dabei akkurat parallel zur Tischkante liegen, zwischen den Fingern durfte kein Zwischenraum sein, das wurde sonst von den schwitzigen, beringten Frauenhänden sofort barsch korrigiert. Die rechte Hand musste zum Mund geführt und der Finger vor dem Mund so gehalten werden, wie man es macht, wenn man mit einem leiselauten Psssst Ruhe ankündigt. Nur, dass wir nichts anzukündigen oder auch nur irgendein Geräusch zu machen hatten. Unsere Aufgabe bestand einzig und allein darin, eine Stunde in dieser Haltung zu verharren, während vor uns das Geschirr auf den Tisch und das Essen verteilt wurde.
Es musste aufgegessen werden. Alles. Bis auf den letzten Rest. Danach brachte jedes Kind seinen Teller zu dem Tablett, neben dem ein rotes Eimerchen stand, zu dem uns irgendwann einmal erklärt wurde, es sei für die Resteentsorgung bestimmt. Wer sich jedoch jemals erlaubte, auch nur in die Richtung des Eimers zu schauen oder gar den Teller dorthin zu bewegen – sei es auch nur aus Versehen -, wurde mit einem lauten Schrei davon abgehalten. Befand sich noch etwas Speckrest oder sonst was ekliges auf dem Plastikgeschirr, hatte man so lange davor zu sitzen, bis es einem zu dumm wurde und man es mit allergrößter Kinderkraft schaffte, das Wasauchimmer doch noch hinunter zu würgen. Ich konnte das nicht. Ich gehörte aus Versehen und völlig unbeabsichtig zu den Rebellen. Außerdem hatte ich einen erlesenen Geschmack. Also stopfte ich mir aus Angst vor dem erbarmungslosen Schrei („Wer hat hier was in den Eimer geworfen?“) und der Strafe (man musste bei Benutzung des Eimers seinen Mittagsschlaf im Bad neben den Kindertoiletten, die damals NATÜRLICH keine Türen hatten, halten) – ich stopfte mir also die Einzelteile des Essen, die ich nicht hinunterbrachte, in die Hosentaschen. Teller leer, Problem gelöst. An den Blick meiner Mutter am Abend beim Ausziehen kann ich mich nicht mehr erinnern.
Und die Kinder, die nicht auf die Idee kamen, kleinteiliges in allerlei Taschen der Klamotte verschwinden zu lassen – ich gebe zu, bei Suppe wurde es jedes Mal schwierig -, die sich vielleicht wirklich daran versuchten, das Essen zu essen und sich dann übergaben, die wurden erneut vor den Teller gesetzt, auf dem sich nun Erbrochenes neben Erkochtem befand. Und sollten essen. Oder sie saßen halt stundenlang vor der Tür des Spielraumes. Konnte man sich selber und ganz allein aussuchen. Prima, diese Wahlfreiheit.
Meinem unglaublich sensiblen Geschmack ist es auch zu verdanken, dass meiner Mutter der Besuch bei einem Psychologen ans Herz gelegt wurde, ja, man habe sogar schon mit der Kindergartenleitung darüber gesprochen, das Kind sei eindeutig zu verhätschelt und habe schlechten Einfluss auf die anderen, denn es maße sich an, Apfelstücke mit Schale nicht ohne Protest zu verspeisen. Dies sei ein Angriff auf die Erziehungsgrundsätze der Republik, das ginge nicht. Man wolle außerdem eine schriftliche Bestätigung des Arztbesuches im Kindergarten vorliegen haben. Und das Kind sehe wohl seine Mutter zu oft, es müsse doch auf die Welt vorbereitet werden. Zu der Zeit bekam ich meine Mutter morgens nach dem Aufstehen um halb sechs ungefähr eine Stunde bis zum Kindergarten, zwei drei Stunden von Kindergarten bis zum Bett und am Wochenende zu Gesicht.
Bestimmt wurde auch, womit man seine Zeit im Kindergarten zu verbringen habe. Ich war ein Kind, das Zöpfe, Röcke und Mädchenkram nicht so richtig leiden konnte. Meine besten Freunde waren immer Jungs, meine Frisuren passten dazu, ich konnte mich später in der Schule dann geradeso für einen schräg vom Kopf abstehenden Minizopf erwärmen. Das war´s dann aber schon. Trotzdem wurde ich jeden Morgen mit Zeigefinger und Wehemenz in die Puppenecke geschickt. Und langweilte mich. Highlight des Tages konnte sein, wenn einmal im Monat die Vertreter des Betriebes kamen, die im Kongresszentrum am Alexanderplatz hin und wieder Modenschauen abhielten. Die suchten sich dann spontan VOR dem Mittagessen ein paar Kinder raus, man wurde in einem Barkas hingekarrt, vermessen, angezogen und stolperte dann geführt von zwei Erwachsenenhänden über einen Laufsteg, wurde wieder in seine normalen Klamotten gesteckt und zurück zum Kindergarten gefahren. Alles egal, alles prima, die Fahrt im Barkas war irre aufregend, ich hätte auch in einem Elefantenkostüm drei Stunden lang auf einem Bein um den Fernsehturm hopsen können, wenn ich dabei nur den Mittagsschlaf umgangen wäre. Der bestand nämlich aus anderthalb Stunden Rückenschmerzen, weil man sich auf den Spanholzliegen nicht ohne Geräusch bewegen und nicht ohne Erlaubnis bewegen durfte. Die Hände hatten neben dem Körper über der Decke zu liegen, auch dem Kopf war kein Seitenblick erlaubt, die Augen hatten geschlossen zu sein. Ich übte mich also in frühkindlicher Schmerzvertreibung durch Meditation. Das Yoga am Nachmittag, wenn die Kindergärtnerin wieder ihre Kopfschmerzen bekam, und wir - dieses mal mit hinter dem Stuhl verschränkten Armen - den Mund zu halten hatten. Man lernt sehr gut und ausdauernd, Lachen und Kichern zu unterdrücken, wenn zwölf Vierjährige verrenkt an einem Tisch sitzen, nichts sagen dürfen und sich nebenan die Erzieherin ins Nirwana seufzt.
Damals wusste ich nichts von meinem Onkel, dem Robin Hood des Kindergartens, sonst hätte ich ihn wahrscheinlich versucht, ihm nachzueifern. Er tat das Einzige, was man eigentlich nur tun kann, wenn einen drei Kindergärtnerinnen dazu zwingen wollen, von der Suppe zu essen, bei dem einen schon allein vom Geruch der Würgereiz überkommt. Zwei Damen waren damit beschäftigt ihn festzuhalten, eine Dritte kümmerte sich um den mit Suppe beladenen Löffel. Aber jeder, der Kinder hat, weiß, wie flink diese sein können. Der kleine Herr Onkel schnappte sich also den Löffel und schlug diesen mit voller Wucht in den Suppenteller. Im Anschluss rutschte er auf Knien und mit ausgefahrener Schmolllippe aus dem Raum. Die innere Haltung zu bewahren war auch das Einzige, was wir damals wirklich gelernt haben.
Was der kleine Ausbruch meines Onkels für die Stasi-Akte der Familie bedeutete, ist dann wieder eine ganz andere Geschichte.
Liz hat es verfasst, und zwar am 16. April 2008 um genau 16:51
Kategorie : Blicke, Moi | 10 Kommentare
Fast wäre es zwischen die Seiten gerutscht, aber es hält sich noch ganz gut. Ich weiß noch nicht mehr darüber als ein paar geschichtliche Grundzüge aus Wikipedia, ein paar Nachrichten aus dem Radio in den letzten paar Wochen, ich weiß nicht, wie es wirklich aussieht und nicht auf ein paar Fotos aus dem Netz. Die Open Hardware Initiative wird sich dort treffen, mit Studierenden und Hardware-Herstellern das Gespräch suchen und ich fahre mit. Schreiben und gucken, nachfragen und beobachten. Zehn Tage am anderen Ende der Welt. Ich kann keine Schriftzeichen lesen und nicht einen Brocken Chinesisch sprechen. Am Samstagmorgen geht es los. Nach Taiwan.
Liz hat es verfasst, und zwar am 14. April 2008 um genau 9:34
Kategorie : Moi | 11 Kommentare
Davon kann man sich am Dienstagabend im Festsaal Kreuzberg überzeugen. Sebastian hat ein Buch zusammengebaut und das wird nun gebührend gefeiert. Ab 20:30 Uhr lesen unter anderem Holm Friebe, Johnny Haeusler, Jochen Schmidt und Caroline Korneli. Ich lese auch einen Text vor, der ist schon alt und prinzipiell sollte man sowieso eher wegen des Gesamtenssembles kommen. Die Party wird bestimmt gut.
Liz hat es verfasst, und zwar am 11. April 2008 um genau 9:54
Kategorie : Lektüre | 0 Kommentare
…und bekommen zu wenig Kinder. Berlin macht es seiner Projekte-Bohéme nach und schreibt für das Kinder- und Rentnerproblem erst einmal ein Konzept. Mehr dazu gibt´s bei FM4.
Liz hat es verfasst, und zwar am 10. April 2008 um genau 12:31
Kategorie : Berlin | 3 Kommentare
Es tut weh, ich streite das gar nicht ab. Am Anfang tut es immer weh, die Welt schwillt an, das Blut staut sich in den Kurven und die Schienen sind nicht eben gebaut. Zu Beginn sieht man mit Absicht nicht hin, weil man denkt, das habe man schon hundertmal gemacht, das sei ja ein Klacks oder ein Fliegenschiss oder einfach nicht der Rede wert. Und dann tut es kurz weh, man bemerkt es vielleicht kaum, drückt noch einmal ordentlich mit dem Finger drauf rum, Pflaster drauf, gut is, weiter im Text. Und dann wacht man in der Nacht auf und weiß nicht, warum. Sieht sich vielleicht im Dunkeln um, um einen Grund, ein kurzes Flackern oder einen Ton zu finden, irgendwas. Aber da ist nichts und es tut trotzdem weh und du bleibst brav auf deiner Seite liegen, weil du es nur so kennst, weil es sich dort bisher gut geschlafen hat, weil du dich einfach nicht umdrehen kannst. Nicht mehr. Du beißt die Zähne auf die Innenseiten der Lippen, bis es blutet, und schluckst. Und während es in dir arbeitet und zetert, schläfst du ein, träumst wirr und bewunderst am nächsten Morgen die weiten Schatten unter den Augen.
Man vermeidet dann eine Weile die übliche Gangart, schaltet zurück, winkt mit dem anderen Arm, geht allein nach Hause. Und merkt erst, dass es weg ist, wenn man wieder ohne nachzudenken den Schlüssel mit der linken Hand aus der Tasche holt. Und es muss einmal weh tun, so richtig, meine ich, damit der Körper weiß, was auf ihn zukommen könnte. Damit er sich wappnet, mal ordentlich die Schotten dicht macht, die sensiblen Geräte in Bereitschaft versetzt, aufpasst, zuhört, mitmacht. Reagiert, wenn sich ein neuer Sturm anbahnt und standhält. Dann. Du musst es einmal im Höllentempo durch´s Blut jagen, damit auch jede Faser den Täter identifizieren kann, es muss dir einmal von innen gegen die Bauchdecke treten, in die Lunge beißen, an der Pulmonalklappe zerren, bis sie fast reißt. Damit sich Antikörper und Granulationsgewebe entwickeln können, kollagenreiches Bindegewebe nachgeschoben, spezifische Immunität erreicht. Es muss halt meistens einmal richtig scheiße weh tun.
Liz hat es verfasst, und zwar am 8. April 2008 um genau 11:35
Kategorie : Blicke | 6 Kommentare
Liz hat es verfasst, und zwar am 8. April 2008 um genau 0:03
Kategorie : Kultur | 5 Kommentare
Ich bin durch. Kaputt, platt, zermatscht, heiser, müde. Die letzten drei Tage waren anstrengend, aber ich erzähle jetzt nicht noch einmal, wie ich alles fand, denn das steht schon hier und da. Habe übrigens ab heute einen Host-Bereich bei Radio FM4 in meiner Rolle des Mädchens in Berlin. Vor meinem gefühlt unglaublich analogen Wochenende kommen nun langsam Endorphine an und ein Ruhegefühl, weil sich Dinge entwickeln und noch ein paar Quäntchen Glück benötigt werden und sich dann alles fügt. Und in meinem Kopf singt einer: “Tu das, was du am besten kannst.” Aber nun bin ich mal raus. Mit einem Blick auf Tulpen und vor allem: mein Bett. Das wird nie digital funktionieren zum Glück.
Liz hat es verfasst, und zwar am 4. April 2008 um genau 19:44
Kategorie : Moi | 2 Kommentare