Lebenslinie

Manchmal kann man wirklich alles sehen, wenn man oben steht. Manchmal sind da keine Wolken, keine Gewitter, manchmal sind die Straßen klar und deutlich erkennbar, die Taxen wie gelbe Käfer auf irgendeiner Haut. Und manchmal ist der Ausgang, die Lösung, das eigentliche Problem, das richtige Wort von oben einfach besser zu sehen. Wenn man den Dingen nicht ins Gesicht sondern auf den Kopf und die Schultern schaut, wenn man sich nicht von aufgeregter Mimik ablenken lässt sondern die Entscheidungen zurückführt auf die Grundbewegung, die Richtung, die grobe Karte, von der ja eben doch eine Menge abhängt. Einmal falsch abbiegen wie einmal zu oft Ja sagen, einmal zu wenig Ja. Einmal die falsche Ausfahrt wie sich haarscharf verpassen.

Man kann sich den Plan auf die Handflächen malen oben, mit Fineliner zwischen die Hautfalten, in groben Zügen, sich immer noch einmal mit dem Blick vergewissern. Man kann die Hand dann vor die Scheibe halten oder über den Rand, das Bild mit der Realität abgleichen und das Ganze dann in die Hosentasche stecken. Auf dem Weg nach unten kann man Angst kriegen vor einem Fehler, vor der Normalität und dem Alltag, vor sich selbst oder der Zeit. Aber man kann rausgehen und hat einen Plan. Vom Schweiß zwar ein bisschen verschmiert, aber immer noch lesbar. Besser als nichts.

Liz hat es verfasst, und zwar am 22. April 2008 um genau 18:30
Kategorie : Taiwan | 2 Kommentare


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