Ein Haus im Wald am Wasser

Wenn man im Treptower Park den Weg am Wasser nimmt, an der Insel vorbei und am still gelegten Vergnügungspark, vorbei an den liegenden Dinosauriern, den großen Schwänen, die da nun ohne Wasser mitten im Wald stehen, vorbei an den Marienkäfern und der rostigen Wasserbahn mit dem Wagen noch oben an der Schwelle zum Abhang, wenn man den Weg nimmt und dann noch ein bisschen weitergeht, an der kleinen, zerbeulten Achterbahn vorbei und der großen weißen Halle, kommt man zum Eierhäuschen. Der Backstein verfällt langsam, drumherum hat jemand lieblos einen Bauzaun gestellt, der Sturm hat ein paar Bäume umgeworfen, die Zeit ein paar Mauern. Aber man braucht nicht viel Phantasie, um sich die eingeworfenen Scheiben wieder glänzend und neu vorzustellen, den Müll von der Terrasse runter und ein paar weiße Stühle drauf, das Dach neben dem Turm wieder repariert und vielleicht noch ein bisschen nass vom morgendlichen Regen.

Es ist ganz einfach, wenn man die Augen ein bisschen zusammen kneift, Menschen auf der Treppe sitzen zu sehen und Licht im Turmfenster, den Duft von frisch gebackenen Mandelhörnchen zu riechen und das geschäftigte Treiben an der Hinterseite, weil dort Menschen sitzen könnten, die arbeiten und zur Pause die Füße in den Fluss hängen. Man könnte sich den Bärlauch für das Abendessen frisch pflücken, man könnte morgens mit dem Rad hinfahren und müsste während der Arbeit keinen Autolärm hören, nur Vögel und vielleicht in weiter Ferne ein bisschen Stadtatem. Und der Wintergarten wäre ein guter Platz für Konzerte, der besonderen Art, für gute Musik und einen Blick nach draußen ins schwarze Nichts der Nacht, vielleicht auch ein Platz für stille Winternachmittage, an denen die Rehe vor dem Fenster vorbei huschen und Spuren in den Schnee machen. Es wäre ein guter Ort mit vielen Möglichkeiten, würde sich die Stadt darum kümmern. Aber sie wartet viel zu lange und mit jedem Tag rückt das Haus weiter weg von der Möglichkeit der Instandsetzung. Berlin ist voll von solchen Orten, kleine Oasen mittendrin, die einfach übersehen werden und irgendwann verschwinden.
(Sollte jemand einen Haufen Geld haben, mit dem er junge Leute fördern und sich selbst einen Namen machen will, sollte er das Haus kaufen und sich dann bei mir melden. Der Business-Plan liegt schon bereit, das Konzept ist sehr super, der Ort sowieso.)
Liz hat es verfasst, und zwar am 15. März 2008 um genau 18:17
Kategorie : Berlin | 36 Kommentare