All the time you thought I was sad

Eigentlich ist es gut, wenn man den Punkt erreicht hat, an dem man lächelt. Und nicht lächelt, weil es einem gesagt wird oder man das in einem Ratgeber oder einem Blog gelesen hat, weil man die Mutter nicht gleich so entsetzlich verschrecken will oder keine Lust hat auf Fragen von denen, die das eigentlich gar nichts angeht. Nicht so ein Lächeln. Ich meine eines von der Sorte zwischendurch. Aus Versehen. Im Vorbeigehen. Dieses 3-Sekunden-Ding, das sofort wieder vergessen ist, das man gar nicht spürt in dem Moment, das aber unweigerlich da war und einem ohne lautes TamTam den Tag versüßt, weil es leicht ist. Weil es so leicht ist, dass es gleich wieder verfliegt, sich nicht unmittelbar festkrallt und um Aufmerksamkeit und Analyse bettelt. Es ist nicht leicht, an diesen Punkt zu kommen. Es ist nicht leicht zu bemerken, dass es nicht bedeutungslos, aber so egal geworden ist, dass die Präsenz keinen Unterschied in mehrere Richtungen mehr macht. Es ist ok. Und das war es dann auch.
Man hat ein paar Versuche, die Linie zu erreichen. Es gibt einige Chancen. Aber man muss sich dazu entscheiden. Sich darauf einlassen. Schiss haben. Man darf auch ruhig scheitern. Manche verweigern sich dem Versuch, andere denken nicht darüber nach. Und wenn du so lange deinen Fuß darauf gestellt hast, dass man es nicht sieht, dass niemand bemerkt, dass es da an deiner Schuhsohle klebt, dann richtest du dich ein in der Position. Du guckst brav nicht nach unten, alle finden, du machst das ganz souverän. Es sei denn, du hast es so sehr vergessen, dass du irgendwann doch den Fuß anhebst. Und dann ist es immer noch da, nämlich so knallig, wie es vorher war. Und es wird keine Anstalten gemacht haben zu schrumpfen oder an Bedeutung oder Größe zu verlieren. Es wird da geblieben sein und dich anstarren und du wirst dich erschrecken, weil du es eigentlich vergessen, aber doch festgehalten hast. Weil es keine Zeit hatte, sich wegzuwaschen mit den Gewittern, die es nun einmal gibt von Woche zu Woche. Niemand hatte die Gelegenheit, drüber zu laufen, es abzuschubbern, es nicht zu bemerken oder eben doch. Nichts ist draufgefallen oder drüber gewischt. Es sieht dann noch aus wie vorher.
Aber wenn man eine Weile damit lebt, dass es vielleicht klebrig ist, dass man ab und an dran hängenbleibt vielleicht oder Fusseln, dass es einen nervt und ankotzt und Joghurt drauf kleckert und nicht mehr richtig rausgeht, verblasst es. Weil es Wetter gibt und andere Menschen noch. Weil es Stunden gibt, die immer vergehen und die Angewohnheit haben, ein paar Dinge mitzunehmen. Weil man sich ganz einfach daran gewöhnt, es zwar nicht lieb gewonnen hat, aber findet, es gehöre irgendwie dazu. Und erst werden die Ränder unklar, dann schmirgelt es sich Schicht für Schicht ab. Nach und nach und es dauert. Aber vielleicht steht man eines Tages an der Stelle, wo es war, und da ist plötzlich nichts mehr. Und man kann sagen, man hat es raus bekommen. Ein schmaler Schatten bleibt da, man braucht ja was zum Erinnern. Das ist dann aber nur noch der Punkt, an dem man ein bisschen irritiert lächelt beim Joghurtkauf.
“I chose to feel it and you couldn´t choose.“
Liz hat es verfasst, und zwar am 20. Februar 2008 um genau 0:38
Kategorie : Blicke | 2 Kommentare