“Kennt ihr euch eigentlich gut?” - “[…]”

Ich hab einfach irgendwann aufgehört mich zu wundern. Ich habe einfach immer weniger den Kopf geschüttelt, immer weniger mit früher verglichen, wir haben uns immer seltener auf diesem Hof oder freitags dort getroffen, wo die Musik lief, zu der wir tanzen konnten. Wir waren immer seltener zu zweit und ich kannte immer weniger Namen von denen, die erwähnt wurden. Plötzlich wurde von Dingen gesprochen, von denen ich keine Ahnung hatte, und von solchen, von denen ich keine Ahnung haben wollte. Es kam immer noch eine Party am Abend dazu, da hatte man aufzutauchen. Ich habe einfach irgendwann aufgehört, das auf eine Phase zu schieben, denn jetzt ist es so und wird nicht mehr anders.

Das mit der gemeinsamen Vergangenheit ist immer so eine Geschichte, da braucht man lange, bis man sie verstanden hat, sich eine Pointe gedacht, irgendwas daraus gelernt und sie dann gehen lassen kann oder irgendjemandem noch einmal erzählen, um Anekdoten zu haben, zu lächeln und dann das Thema zu wechseln. Bis es ok ist, dass man sich verloren hat, weil die Richtungen sich verändert haben und die Getränke, die man bestellt, die Menschen, die man um sich hat, um sich gut zu fühlen. Man braucht jetzt eben andere.

Aber es dauert eine Weile, bis man es drauf hat, die Kinnlade oben zu lassen, wenn man sich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat und dann bei Dischdischmusik irgendwo wiedersieht und all die Phrasen hört, über die man sich früher gemeinsam lustig gemacht hat. Es dauert eine Weile, bis man da mitmacht und genau die sinnlosen Antworten fallen lässt, die nicht unhöflich sind, die Sache aber auch nicht komplizierter machen als nötig. Niemand will auf solche Fragen an solchen Abenden in einer solchen Umgebung die richtigen Antworten hören, denn dann würde einem auffallen, dass dies ein wahrhaft schlechter Ort ist, um nachzufragen, dass man sich nicht die ganze Zeit ins Ohr brüllen und dabei interessiert bleiben kann, dass es anstrengend wäre, woanders hinzugehen, um sich zu verstehen, und dass da ja auch schon wieder ein gutes Lied kommt, zu dem man tanzen muss, geh du mal. Wir sehen uns, na sicher. Wir sehen uns, von weitem. Man hat ja aufzutauchen.

Und wenn das zwischen Menschen so ist, kann man auch gehen, ohne sich zu verabschieden.

Kennt ihr euch eigentlich gut?” - “Nicht mehr.

Liz hat es verfasst, und zwar am 14. Januar 2008 um genau 14:54
Kategorie : Wir | 3 Kommentare

 Every time you say hey

Jetzt im Winter sitzen wir am Küchentisch mit portugiesischem Portwein und stützen das Kinn auf den Handrücken. Bevor es uns zu süß in den Hals rinnt, schaukeln wir das Rot noch einmal im Glas und gucken theatralisch hinein, dahinter flackert die Kerze, wir grinsen breit. Und jetzt im Winter denken wir an den jubelnden Abend in Kreuzberg, an den Schweiß im Club und die grünen Äpfel, deren Saft uns wie Schweiß in den Mundwinkeln stand. Wir denken an das rote Tandem, das draußen auf uns wartete, und dass da nicht nur ein Tandem sondern auch noch ein Dreirad war. Wir denken an diese seltsam vertraute und offene Stimmung, obwohl wir uns alle kaum kannten, an das redselige Lachen im Club der Visionäre hinterher und den Geruch des nahen Wassers. Wir haben die Sonne aufgehen sehen und denken jetzt daran, wenn es morgens gerade erst hell wird, sobald wir das Haus verlassen. Und wir trinken portugiesischen Portwein, obwohl er nicht schmeckt, jetzt im Winter. Und wir grinsen breit, wenn jemand wie aus dem Nichts anruft und sagt, dass er auch daran gedacht hat. Gestern bei einem Bier. Und ich weiß, wie er aussieht mit dem Kinn auf dem Handrücken. Morgen kaufen wir Äpfel.

Liz hat es verfasst, und zwar am 10. Januar 2008 um genau 19:15
Kategorie : Zeug | 2 Kommentare

 “And all the blueprints of my letters you´re never going to read”

Durch das kleine Fenster hinaus ins Dunkel schauen. Kleine Lichtinseln im Schwarz. Man könnte auch auf dem Kopf stehen bzw. von der Decke hängen und in den Himmel gucken. Dörfer als Sternbilder, Hauptverkehrswege zu Milchstraßen. Das rote Blinken des Flugzeugs ist der Blitz in unserem Wetter oder das Licht irgendeines Leuchtturms irgendwo dahinten. Die wirklichen Sterne sehen nicht anders aus als die Laternen am Boden. Und hier am Horizont gehen sie nahtlos ineinander über, als wären dort, wo oben ist, auch Dörfer und Städte und abgelegene Höfe, die unsere Ansammlungen von Lichtern auch als Jahreshoroskope benutzen. Und wenn wir die Straßenführung ändern, dann ist da was los, dann müssen sie die Bücher umschreiben, sie haben viel zu tun. Sie sind sehr beschäftigt damit, sie kommen gar nicht auf die Idee, ihr Straßensystem zu ändern oder über alternative Energiequellen nachzudenken, die lassen das alles so und wir haben Sterne, die wir in der Stadt eher seltener sehen. Nur manchmal geht ein Licht aus, das ist dann aber meistens für immer, und an dieser Konsequenz könnten wir uns wenigstens manchmal ein Beispiel nehmen in unserem ständigen An und Aus.

Beim Blick aus dem Flieger hast du kein Gespür für Räumlichkeit mehr, die Höhe ist völlig abwegig und an Raummaßen bleibt dir nicht viel Auswahl. Und Wetter wird nur wichtig, wenn es unmittelbar ist. Da ist nur das Lied von Kreditkarten und Zügen und die Stimme des Kapitäns, die sich darunter mischt. Wir sind im Sinkflug, das Licht ist gelbgrau. Niemand spricht.

Liz hat es verfasst, und zwar am 8. Januar 2008 um genau 10:16
Kategorie : Blicke | 1 Kommentare

 (5) Sportlich sein - mit Knut Stenert

2008 hat angefangen, viele haben sich wieder einmal die Gewichtsreduktion zum Vorsatz gemacht. Als motivierender Start in das Jahr und die Woche hier nach all der Weihnachtsvöllerei nun das ultimative Sportskanonenbombardement mit dem alten Jogginghasen Knut Stenert von Samba. Ein Montagsgespräch gegen Herrentitten und Bierbäuche.

Bist du fit?
Vor dem Joggen: ja. Nach dem Joggen: nein.

Was trägst du beim Joggen?
Einen dunkelblauen Trainingsanzug und Spezialschuhe. Ich sehe aus wie der Kurschatten von Helmut Kohl.

Was denkst du dann immer so?
Ich schmiede Pläne.

Wie fühlst du dich hinterher?
Wie eine Alge.

Sprichst du mit Leuten darüber?
Ja, manchmal. Mein Vater hat mir vorgerechnet, dass ich bei einer Distanz von sieben Kilomentern ca. 700 Kalorien verbrenne, und dass ich deshalb bei dreimal in der Woche Joggen im Grunde soviel essen und trinken kann, wie ich will - ohne zuzulegen. Knallharte Kosten-Nutzen-Rechnung. Mit einem Kollegen habe ich mich gestern über die Notwendigkeit von speziellen Jogging-Handschuhen unterhalten. Halte ich erstmal für Quatsch. Man läuft ja nicht auf Händen. Aber er hat immer kalte Hände. Vielleicht gerade deshalb.

Und wenn du nicht regelmäßig joggst, was passiert dann…?
Ich werde irre.

Bierbauch?
Nein. Wesentlich gefährlicher als der Bierbauch sind die sogenannten “Herrentitten”. Dann muss man beim Joggen einen Sport-BH tragen. Ich bin aber ganz gut in Schuss.

Gibt es sonst noch Sportarten, die du gerne und regelmäßig betreibst?
Ich fahre gern Rad. Bei anderen Sportarten ist mir die Verletzungsgefahr zu groß. Außerdem will ich weder gewinnen noch verlieren. Das macht mich für nahezu alle Sportarten ungeeignet.

Welchen Sport würdest du deinen Kindern empfehlen?
Fussball. Wegen der sozialen Kompetenzen.

Und welche deinen Freunden?
Laufen. Siehe oben.

Deine Sportvorsätze für´s neue Jahr?
Bis zur Alster und einmal rum und wieder zurück.
In einem weissen Trainingsanzug und Perlenkette.

Liz hat es verfasst, und zwar am 7. Januar 2008 um genau 1:59
Kategorie : Sein | 4 Kommentare

 Wort zu einem Sonntag

Das hat im Rücken gezogen wie Sau, der Kopf hing ganz unten. Und noch nie hatte ich an einem Jahresende soviel Blut in der Birne und noch nie so viele Pläne. Nach ein paar Tages Auszeit ist jetzt alles wieder dort, wo es hin soll, die Dinge rutschen an ihren Platz zurück. Manchmal braucht man künstliche Umkehrpunkte für den Muskelaufbau, einen Tritt in den Arsch, auch wenn es nur ein Kalender macht. Man schreibt die Jahreszahl ja doch ganz schön oft, man kann ihr ruhig ein bisschen Bedeutung gönnen. Aber der Hals ist jetzt ganz gut drauf, kann den Kopf wieder allein aufrecht halten, um ihn hängt das Band der neuen Kamera, auf ihm sitzt eine neue Mütze. Und drinnen, da steppt der Bär. Und Dehnung muss ja auch mal sein, das gehört dazu, sonst verkürzt sich alles und dann läufst du schief und bekommst es irgendwann nicht einmal mehr mit, bis du irgendwann in einer Bar mal einen Orthopäden triffst, der nicht weiß, was er sagen soll und dich dann nach deiner Skolliose fragt.

Wir werden die ganze Zeit älter, wir nehmen was in die und manche Menschen an die Hand und vielleicht wird alles gut. Und wenn nicht, haben wir´s wenigstens versucht. Man muss die Füße und den Boden und die Schienbeine halt mal von Nahem gesehen haben, manche machen das aus Spaß jeden Tag, da wird schon was dran sein.

Liz hat es verfasst, und zwar am 6. Januar 2008 um genau 12:42
Kategorie : Moi | 0 Kommentare

 Pepergas

Sich eine Mütze kaufen, denn der Wind am Rhein weht scharf und unerbittlich am Anfang des Jahres. Die kleinen Cafés mit den Baststühlen davor erinnern an Frankreich, die Wohnhäuser an Spanien und das Wetter an Großbritannien. Wir lassen uns die Haare aus dem Gesicht und die Tropfen gegen die Wangen wehen, manchmal braucht man nicht mehr. Nur danach ein bisschen Ruhe und irgendwas warmes. Und sobald man nicht mehr automatisch versteht, was die Buchstaben bedeuten und die Worte und man zwar liest und sich einen Sinn denkt und eine Bedeutung, kehrt man sich automatisch ein bisschen nach innen. Es rauscht an einem vorbei und neulich hab ich gemerkt, vielleicht bräuchte ich das öfter. Den Verlust der Bedeutungen, das Runterschrauben der Eindrücke auf Farben und Formen, die Grundlagen der Töne ohne Wortgeschwurbel drumherum. Und dass man die Dinge erkennen muss, ohne ihre Slogans, Namen und Codes in den Mund gelegt zu bekommen. Es tut gut, wenn es mal ruhig ist. Man kann sich sortieren und Memory spielen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 4. Januar 2008 um genau 23:57
Kategorie : Blicke | 0 Kommentare

 2008 (So this is the new year)

Neues Jahr. Neuer Blick. Die Welt wird also quadratisch betrachtet 2008. Ich bin bereit für Experimente, starke Farben, Lichtreflexe, neue Formate. In allen Belangen.

(Und gucke dem Schnee zu, der vor dem Fenster zu Boden rieselt.)

Liz hat es verfasst, und zwar am 1. Januar 2008 um genau 13:08
Kategorie : Blicke | 7 Kommentare


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