Bucket List

Wir könnten eine Liste schreiben. Einen Zettel mit Reisezielen und Leckereien, mit Dingen, bei denen man sicherlich schreit, wenn man sie tut, mit leisen Versprechen und großen Ansprüchen, eine mit handfesten Träumen und wilden Vorhaben, eine mit Wünschen, die man nicht an einer Hand abzählen kann, weil man dafür eigentlich zwei Arme bräuchte. Wir könnten uns Menschen drauf schreiben und neue Orte, wir wären in Gedanken unglaublich weit weg oder soweit drin, dass man uns auch da nicht mehr sehen kann.

Wir könnten das Papier dann mit Tesafilm an den Schrank neben dem Schreibtisch kleben, immer mal wieder drauf gucken in dem ganzen Stress, einmal kurz seufzen und dann den Kopf wieder dahin drehen, wo die Musik spielt. Irgendwann würde es nicht mehr kleben, vielleicht würden wir umräumen und der Zettel wäre dann auf der Seite zur Wand, fiele herunter und unter den Schrank. Dort würden wir ihn erst finden, wenn wir den Schrank an zwei Ende anpacken und hochheben, weil unten der Laster und in einem anderen Stockwerk in einem anderen Haus ein neues Leben wartet. Wir würden ihn nehmen mit zerschundenen Fingern vom Schleppen, erst nur kurz draufschauen und dann doch die Faust zum Zerknüllen nicht ganz schließen.

Vielleicht säßen wir dann in einem anderen Stockwerk in einem anderen Haus in einem anderen Jahr und sähen, was wir uns wünschten damals. Was immer noch nicht in Erfüllung gegangen ist. Wofür wir immer noch nicht gekämpft haben. Von dem wir immer noch ausgingen, wir hätten genug Platz und Zeit dafür, immer später. Immer irgendwann. Vielleicht würden wir sie in den Schuhkarton legen mit den Dingen, die immer mitkommen. Wie dem einen Brief. Dem einen Foto. Dem einen Kassenzettel. Dem einen Stift. Dem einen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 29. Januar 2008 um genau 20:25
Kategorie : Wir | 12 Kommentare


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