(7) Unterwegs sein
Die Ressourcen sind knapp und so wende ich mich von dem Versprechen ab, die Woche jedes Mal mit einem Gespräch von Frau zu Mann oder Frau zu beginnen. Gedanken zu Befindlichkeiten werden trotzdem brav zum Anfang der Woche aufgeschrieben. Ein Wochenende liegt dann immer hinter uns und an diesem war die Stadt, in der ich wohne, sehr weit weg.

Schon allein, weil das Tour-Gefühl ein gutes ist, brauche ich eigentlich wieder eine Band. Und nach einem Wochenende mit Leander in Hamburg und Cottbus wird aus Ablenkung wieder etwas greifbares und Flucht ist nicht mehr ganz so negativ konnotiert. Und wenn man so im Auto sitzt, an tausend Wäldern und Wiesen, Dörfern und Städten vorbeifährt, beginnt man, loszulassen und in Gedanken Texte zu schreiben, während man weiß, dass all diese Wortansammlungen genauso temporär sind wie der Ausblick. Und das ist dann nicht einmal schlimm.
Sich vorwärts schieben, kontinuierlich den Ort wechseln, einem neuen entgegen fahren, macht die Ziele kleiner und besser zu bewältigen. Du weißt, dass du irgendwann ankommst. Und du weißt auch, dass du morgen wieder weg bist. Du bist nicht lange genug an einem Ort, dass es weh tut. Und niemandem so nah. Du merkst dir die Namen für ein paar Stunden und danach kommen neue und wenn etwas bleibt, dann sind es vielleicht die Härtegrade der Matratzen, die du im Rücken spürst am nächsten Tag noch, das Summen im Ohr und ein paar Mal das Klicken der Kamera. Die Inhalte im Schnelldurchlauf, wir sind auf Reisen, wir sind wieder weg. Und der Tag besteht aus Zwischenräumen und Pausen, aus Suchen und Finden, aus Schlafen und Wach sein, die Dinge auf das Nötigste und dennoch auf das Unnötigste reduziert.
Man kauft Spieluhren und Comics. Man hört Hörspiele und alte Lieder, man hört ja eh alles anders und verzerrt, klarer. Und obwohl die Songs jeden Abend die gleichen sind, macht der Kontext die Musik. Du denkst dann an die Menschen, die das nicht wissen, und an die, von denen du hoffst, dass sie es tun. Es liegen Blätter auf der Autobahn, es rauscht Wind in den Ohren und du entdeckst immer wieder neue Grautöne. Wir erinnern uns an die Lichter der Stadt, an den Geruch der Bahnhöfe und Raststätten, wir wissen, in welcher Stadt wir nicht nachgedacht haben und wo es geregnet hat. Das genügt eigentlich, um eine Weile über die Runden zu kommen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 28. Januar 2008 um genau 10:53
Kategorie : Sein | 4 Kommentare