(6) Hellseher sein - mit Flix
Zum neuen Jahr rumpelt es in vielen. Man denkt sich so seine Sachen, guckt noch einmal unter die Vorsätze, zwirbelt die Dinge ein bisschen zwischen den Fingern herum und weiß an manchen Tagen einfach nicht, was das ist, das da in der Luft liegt. Zum Montag nun einmal ein ganz egoistischen Schnipsel meinerseits mit jemandem, der manchmal Bilder zu Stimmungen findet, zu denen ich keine Worte hab. Ein kurzes Gespräch zu übersinnlichen Fähigkeiten und den richtigen Klamotten für ein gutes Karma mit: Flix.

Ich gucke eigentlich täglich in deinen Blog. Und denke ständig: “Ja, genau!”. Passiert es oft, dass Leute dir schreiben: “Du malst, was ich denke”?
Ja, das passiert immer wieder. Und dann bin ich jedes Mal von neuem ganz erstaunt, dass man scheinbar den ganzen Quatsch, den man jeden Tag so denkt, nicht alleine denkt.
Ist dir das unheimlich?
Manchmal ja. Aber wenn man sich dann überlegt, dass die Anzahl der Synapsen im Hirn endlich ist, ist es eigentlich nicht mehr so verwunderlich, dass andere ab und an zum selben Denkergebnis kommen wie man selbst. Zudem lesen wir ja auch alle SpiegelOnline und diesen Kram, was die Wahrscheinlichkeit des Dasselbe-Denkens noch mal ungemein erhöht.
Wie wählst du den Moment eines Tages aus, der es wert ist, dort im Blog zu landen?
Meisten springen mich beim unmittelbaren Erleben von Situationen dieselben an und brüllen: „Zeichne mich!!!“. Im Idealfall passiert das einmal am Tag. Und dann schlafe ich eine Nacht drüber und am nächsten Morgen denke ich: „Das war ja wirklich toll!“, setze ich mich an den Schreitisch und zeichne es. Manchmal brüllt aber auch den ganzen Tag nichts und dann sitze ich morgens da, draußen dämmert das Leben langsam los, und ich durchstreife die vorherigen 24 Stunden auf der Suche nach Erwähnenswertem. Meistens finde ich was. Und wenn nicht, dann schreibe ich genau das. Dass nichts passiert ist. Das sind meistens die schönsten Strips.
Wie hebst du die eigentlich alle auf?
Die Strips zeichne ich in kleine Skizzenbücher: DinA5 quer, dunkelbraun, gar nicht teuer. Das ist sehr praktisch, weil ich sie so immer ganz leicht mitnehmen kann, wenn ich reisen muss. In einem Buch ist Platz für ca. zwei Monate Tagesstripzeichnerei. Und wenn eins voll ist, stelle ich es zu den anderen bereits gefüllten Bücher ins Regal, das neben meinem Schreibtisch steht. Gleichzeitig scanne ich jeden Strip in höchster Auflösung, damit ich die Analog-Sammlung auch noch mal gefestplattet vorliegen habe.
Wie viele Bücher stehen da im Regal?
Grade zeichne ich in Buch 23.
Oha. Das is ja auch so ´ne Zahl, die manchen den Schweiß auf die Stirn treibt.
Das Papier in diesem Buch ist auch anders als in den anderen. Gröber! Saugstärker! Weswegen ich dazu übergehen musste, die Augen der Figuren nicht mehr als feine Kreise sondern als schwarze Punkte zu zeichnen. Grrmmpfff!
Hängt bestimmt alles zusammen. Bist du abergläubisch?
Wenn mit abergläubisch gemeint ist „Ich lese jeden Morgen mein Horoskop und wenn da steht ‚Achtung! Guter Tag für Finanzgeschäfte!’ kaufe ich schnell ein paar Telekommunikationsaktien.“, nein. Wenn mit abergläubisch gemeint ist „Eigentlich ist es wurst, aber ich ziehe zum Bewerbungsgespräch mal besser meine Glücksunterhose an, die mit den Raketen drauf, weil dann kann nichts schief gehen. Sicher ist sicher.“, dann ja.
Liz hat es verfasst, und zwar am 21. Januar 2008 um genau 9:00
Kategorie : Sein | 7 Kommentare